Nackt gefesselt: Anklage gegen Gefängniswärter

Von: Robert Esser und Oliver Schmetz
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Aachen. Weil sie den JVA-Häftling Alex B. nackt ausgezogen, brutal durchsucht, verletzt und mit Gurten an Bodenhaken gefesselt haben sollen, müssen sich zwei Beamte der Aachener Justizvollzugsanstalt am Montag vor Gericht verantworten.

Oberstaatsanwalt Robert Deller hat auf Anfrage bestätigt, dass der Richter bei „gefährlicher Körperverletzung im Amt” Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren verhängen kann.

Bis zu diesem Prozess vergingen über zwei Jahre: Am 15. März 2007 sollen die 44 und 54 Jahre alten Vollzugsbeamten „ihre Stellung als Amtsträger missbraucht” und Alex B. minutenlang erniedrigt und misshandelt haben, so dass dieser vor Schmerzen schrie.

Der Auslöser laut Anklage: Alex B. weigerte sich, seinen Mund zu öffnen, um ihn nach Drogen zu durchsuchen. Die zwei Beamten aus dem JVA-Bereich „Sicherheit und Ordnung” brachten den Gefangenen in einen gesonderten Haftraum, eine „B-Zelle”. Dort blieb der Vorfall aber nicht unbemerkt.

Bei der gewaltsamen Durchsuchung sei Alex B. im Mund verletzt worden, auch ein Zahn sei abgebrochen. Erst als andere JVA-Vollzugsbeamte einschritten, sei die Tortur beendet und der nackt gefesselte Häftling Alex B. befreit worden.

Im Zuge der Vernehmungen räumte der 44-Jährige Beschuldigte den Sachverhalt laut Staatsanwaltschaft nur teilweise ein. Der 54-Jährige schwieg. Doch die Ankläger vertrauen auf Zeugenaussagen gleich mehrerer Kollegen der zwei Angeklagten, die alle „die Angaben des Geschädigten bestätigt haben und das Verhalten der Angeschuldigten als maßlos, unverhältnismäßig und nicht gerechtfertigt bezeichnet haben”.

Der entkleidete Alex B. habe „sich nicht gewehrt oder in irgendeiner Weise Anlass zu einem derart massiven Vorgehen gegeben”, formulierte die zuständige Staatsanwältin.

In einem anonymen Schreiben an unsere Redaktion, das den Vorfall thematisiert, behaupten „Gefangene der JVA Aachen”, es komme „regelmäßig zu Übergriffen des Personals”. Die neue Leiterin der JVA, Reina Blikslager, wies dies am späten Freitagabend „aufs Schärftse” zurück.
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