Nachts haben sie den Dom für sich allein

Von: grz
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Achtet täglich darauf, dass die Lichter der Hoffnung entzündet werden können: Domschweizer Günther Eichhorn kümmert sich in der Nacht darum, dass im Münster alles an seinem rechten Platz ist.
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Sorgt regelmäßig für frisch blühenden Begleitschmuck neben den Heiligtümern im Aachener Dom: Gärtner Alexander Emonds.
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Betreut mit seinen Kollegen Benno Schmidt, Siegfried Schiwy und Norbert Grzeschik zurzeit zwei Sakristeien: Küster Ludwig Brunen.

Aachen. Die Tage der Heiligtumsfahrt gehören für viele Mitarbeiter des Doms zu den anstrengendsten überhaupt. Denn Heiligtumsfahrt heißt Dauerbetrieb – und das am Tag und in der Nacht. Wenn die letzten Pilger den Dom gegen 23 Uhr verlassen haben, sind viele Mitarbeiter der Kathedralkirche längst nicht fertig.

Auch Günther Eichhorn nicht. Der 67-Jährige ist einer der sogenannten Schweizer am Aachener Dom: Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, alles für den kommenden Tag wieder herzurichten. „Die Absperrungen müssen entfernt, Kerzen aufgefüllt werden. Und die Stühle müssen wieder zurecht gerückt werden – allein 440 stehen im Oktogon und im Sechzehneck“, erklärt er. Zudem muss er die Pilger, die bis in den späten Abend hinein noch in den Dom strömen, herausbitten: „Sie können sich ja vorstellen, dass es viele gibt, die von weit her angereist sind und sich nicht trennen können“, beschreibt Eichhorn seine undankbare Aufgabe. Gerade in diesen Tagen lassen Pilger aber auch oft etwas liegen. „Vor allem Schals und Schirme werden sehr oft vergessen“, so Eichhorn. Er sammelt sie am Ende des Tages ein und legt sie in eine Fundkiste.

Nachtschichten müssen in diesen Tagen auch die drei Reinigungskräfte Therese Stockem, Sibylle Kessel und Grazyna Marciniak einlegen. Sie sorgen dafür, dass nach einem über 16-stündigen Tag wieder alles in beste Ordnung kommt. „Am Samstag waren wir bis 2.30 Uhr im Dom – fast vier Stunden“, sagt Stockem. Dabei sei nie vorhersehbar, wie viel Schmutz beseitigt werden müsse. „Das sieht man erst, wenn man da ist. Aber Regen ist immer ein Albtraum“, so Kessel. Bei all der Arbeit gibt es aber immer eins, das die drei Frauen besonders freut: „Wenn wir nachts hier sind, dann gehört der Dom quasi allein uns. Das ist schon eine ganz besondere Atmosphäre, die dann entsteht“, sagt Therese Stockem. Für Stockem und Kessel ist es übrigens schon die fünfte Heiligtumsfahrt, bei der sie als Putzkräfte den Dom rein halten.

Spät beginnt die Schicht auch für Alexander Emonds, dessen Gärtnerei in diesen Tagen für die Floristik im Dom verantwortlich zeichnet. „Meine Aufgabe ist es, abends nachzugucken, welche Blumen ausgetauscht werden müssen“, erzählt Emonds. Seine Blumen stehen unter anderem bei den Heiligtümern in der Chorhalle, haben aber nur eine Art Statistenrolle, wie Emonds ausdrücklich betont: „Es geht darum, dass unser Blumenschmuck die Bedeutung der Heiligtümer unterstreicht und nicht, dass er für sich steht!“ Emonds kommt im Schnitt jeden zweiten Tag.

Gut beschäftigt sind in diesen Tagen nicht zuletzt die vier Küster Ludwig Brunen, Benno Schmidt, Siegfried Schiwy und Norbert Grzeschik. „Die Tage der Heiligtumsfahrt zeichnen sie durch mehr Arbeit in allen Bereichen aus“, erklärt Brunen. Am wichtigsten sind auch bei den Küstern die Vorbereitungen für den nächsten Morgen – mit der Besonderheit, dass während der Heiligtumsfahrt durchgängig zwei Sakristeien in Betrieb sind. „Für die Messen auf dem Katschof muss alles in der großen Sakristei im Kreuzgang vorbereitet werden. Alles, was im Dom stattfindet, wird in der anderen Sakristei gemacht“, so Norbert Grzeschik. Er ist einer der letzten, die den Dom verlassen – und zugleich einer der ersten, die am Morgen wieder da sind. „Gestern war ich um halb eins zu Hause“, erzählt er. Um 6.15 Uhr war er am darauffolgenden Morgen im Dom. Und begann einen weiteren intensiven Arbeitstag.

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