Aachen - „Nachtgeschichte“: Weihnachts-Drama mitten im Sommer

„Nachtgeschichte“: Weihnachts-Drama mitten im Sommer

Von: Svenja Pesch
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Lutz Hübners „Nachtgeschichte“ im Grenzlandtheater: Die Inszenierung zeichnet ein Familienporträt, in das unverarbeitete Erlebnisse der Kriegsgeneration hineinwirken. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der weiße Sand unter den Füßen und die strahlende Sonne, die wohlig warm vom Himmel scheint, erwecken den Anschein einer idyllischen Urlaubsatmosphäre. Genau in diesem Rahmen trifft sich Familie Krotte zum alljährlich zelebrierten „Sommerweihnachten“. Ein Familientreffen wie an Weihnachten, nur eben im Sommer.

 Mutter Marika zieht es nämlich vor, beim traditionellen Fest der Familie gar nicht zu Hause zu sein. Dann treffen sich die Krottes halt im Sommer. Die beiden erwachsenen Töchter Rike und Jana erwarten voller Anspannung ihre Mutter, während die Enkelinnen Lea und Tanja keine sonderlich große Lust auf die zwei Tage haben.

Mit der letzten Produktion der diesjährigen Spielzeit widmet sich das Grenzlandtheater mit dem Stück „Nachtgeschichte“ von Lutz Hübner einem Familienporträt, über das die Erlebnisse der Kriegsgeneration ihre Schatten noch bis in die Gegenwart werfen.

Regisseurin Catharina Fillers ist vor allem von den drei Frauengenerationen, die aufeinandertreffen, fasziniert: „Die Mutter hat die Kriegszeit miterlebt und zwei Töchter bekommen, die jeweils wieder eine Tochter bekommen haben. Es ist spannend zu sehen, was in den Familien passiert und wie die erlebten Geschichten unterschwellig weitergegeben werden.“

Mutter Marika, die nicht nur zu spät kommt, sondern zudem auch keinen Wert auf ein gemeinsames Essen legt, wirkt kühl und distanziert. Nur ihre Enkelin Tanja hat eine echte Verbindung zu ihrer Großmutter. „Die Mutter-Tochter-Beziehung wird ebenfalls thematisiert“, ergänzt Fillers. „Und wie Weihnachten nun mal so ist, explodiert es irgendwann. Die Frage ist dann, ob man es schafft, die Scherben wieder zusammenzusetzen, wenn die Konflikte erst einmal hochgekommen sind.“

Intendant Uwe Brandt ergänzt, dass es in dem Stück darum gehe, dass eine ganze Generation nie die Chance hatte, das Erlebte zu verarbeiten. Die Angst, zu erkennen, wer man eigentlich ist und festzustellen, dass man letztlich der Mensch ist, der aus der Summe von Erfahrungen der früheren Generationen geprägt ist, beschäftigt wohl jeden irgendwann mal.

Lutz Hübner nährt sich mit „Nachtgeschichte“ den Geheimnissen, Wünschen und Erfahrungen, die in einer Familie oftmals unter der Decke gehalten werden. Mit skurrilen Zügen und typischen Familien-Rollengefügen entsteht ein Porträt mit allen Facetten, die einen Menschen als Ganzes ausmachen. Ohne Schuldzuweisungen, stattdessen mit der Anerkennung des Lebens in all seiner Bandbreite.

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