Aachen - Nacht des 3D-Drucks: Neue Technik für jedermann?

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Nacht des 3D-Drucks: Neue Technik für jedermann?

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
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Alle im Blick: Maschinenbauer Fabian Seifert ist mit seinem Label „Sülzkotelett“ Teil des Künstler-Netzwerks Designmetropole und gleichzeitig Lehrbeauftragter der FH Aachen. Foto: Andreas Steindl
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Speziell von der Designmetropole: Patricia Yasmine Graf zeigt Vasen aus dem 3D-Drucker, deren Herstellung rund zwölf Stunden dauerte. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es piepst und summt in der Infobox Talstraße. In einer blauen, verkabelten Box wächst Millimeter um Millimeter eine Miniatur-Gießkanne aus grünem Kunststoff heran. Es erinnert ein bisschen an eine automatisierte Heißklebepistole, wie die Düse des 3D-Druckers das geschmolzene grüne Kunststoffband Runde um Runde auf dem Untergrund verteilt.

Während der „Offenen Nacht des 3D-Druckens“ zeigten das GoetheLab der FH Aachen und die Designmetropole Aachen, mit welchen einfachen Mitteln schon heute jeder ins dreidimensionale Drucken einsteigen kann.

„Es ist noch immer ein bisschen nerdig“, gibt Fabian Seibert zu. Der studierte Maschinenbauer ist mit seinem Label „Sülzkotelett“ Teil des Künstler-Netzwerks Designmetropole Aachen und Lehrbeauftragter im Bereich Fertigungstechnik an der FH. Zusammen mit seinen Mitstreitern will er an diesem Abend das 3D-Drucken aus seinem Nischendasein holen und zeigen, dass sowohl das Erstellen der Objekt-Datei als auch das Drucken selbst längst kein Hexenwerk mehr sind.

„Man muss dafür keine Profi-Programme mehr beherrschen. Im Internet findet man frei verfügbare Software wie Google SketchUp, die ganz intuitiv funktioniert – damit kann das wirklich jeder.“ Aus seiner Sicht sei das größere Problem, dass „noch immer keine Killer-Anwendung gefunden wurde“. Deswegen seien viele Menschen noch sehr skeptisch und zurückhaltend.

Für Andreas Gebhardt, Professor für Fertigungstechnik, ist es dagegen längst eine ernstzunehmende Fertigungstechnologie. „Ob Brillenbügel, Handyhüllen, Knirschschienen, Prothesen oder schicke Vasen – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt“, sagt er. Er rechnet damit, dass sich die Zahl aller 3D-Drucker weltweit in diesem Jahr verdoppelt: von bisher 60.000 auf 120.000. Denn in den letzten Jahren näherte sich der Preis für die Drucker-Bausätze dem Niveau der Normalverdiener an. Etwa 1000 Euro kosten die Geräte aktuell für die Heimanwendung.

Dabei liegen die Anfänge des dreidimensionalen Druckens bereits über 30 Jahre zurück. Mitte der 80er Jahre wurden die ersten Patente eingereicht. Seitdem haben Ingenieure und Techniker das Verfahren weiterentwickelt und auf den heutigen Stand gebracht. „Ich habe damals den zweiten 3D-Drucker Europas für die FH Aachen gekauft“, erzählt Gebhardt sichtlich stolz. Er gehörte damit zu den Vorreitern. Kein Wunder also, dass er nun seine Aufgabe darin sieht, die vielversprechende Technologie weiter zu verbreiten. Mit dem FabBus bringt der Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik die Technik direkt zu den Schulen und den Betrieben, um sie für das Verfahren zu begeistern.

In der Industrie bietet das 3D-Drucken vor allem Kosten-, Zeit- und Konstruktionsvorteile sowie eine große gestalterische Freiheit gegenüber konventionellen Stanz- oder Gussverfahren. Und umweltfreundlich ist es auch: Da nur das Material aufgebracht wird, das wirklich gebraucht wird, entstehen weniger Abfälle und es werden Polylactate (PLA), also voll biologisch abbaubare Bio-Kunststoffe, für den Druck verwendet – das allerdings weniger aus Umweltbewusstsein, als vielmehr wegen der guten Druckeigenschaften.

Harry Ebert von der Oecher Ordenswerkstatt hat auch tatsächlich aus geschäftlichen Gründen den Weg in die Infobox gefunden. „Ich bin auf der Suche nach neuen Wegen und Fertigungstechniken für meinen Betrieb“, sagt er. Bisher müsse er seinen Fabrikanten immer mühsam Zeichnungen erstellen, die zu viele Unbekannte enthielten. Ein ausgedruckter Prototyp, der nur abgegossen werden muss, sei da viel genauer und könnte ihm in Zukunft viele Diskussionen und Rückfragen ersparen. Einziges Problem: die Konstruktionsprogramme am Computer. „Damit kenne ich mich überhaupt nicht aus“, bedauert er. Deshalb hoffe er, hier Infos zu bekommen, wer ihm dabei helfen kann.

Andere Besucher kommen einfach aus persönlichem Interesse. Der 13-jährige Paul Nußbaum zum Beispiel ist extra mit seinem Vater aus der Eifel nach Aachen gekommen. „Ich interessiere mich sehr für solche Geräte“, sagt er. Sein Vater habe ihn deshalb mit dem Ausflug überrascht. „Ich habe schon als Kind mit ihm einfache Maschinen selbst gebaut. Und so ein 3D-Drucker ist natürlich nochmal toller, weil man damit so einfach Dinge vervielfältigen kann.“

Der Abend in der Infobox war aus Sicht der Veranstalter auf jeden Fall ein erster Erfolg. Allein in der ersten Stunde seien mehr Interessierte gekommen, als erwartet, freut sich Organisatorin Laura Thurn, die auch den FabBus betreut. Und je mehr Leute von der neuen Technologie Wind kriegten, desto schneller könnten auch Vorurteile abgebaut werden. Von der grünen Gießkanne lassen sich unterdessen schon der Ausguss und der Henkel erahnen. Rest-Druckzeit: noch 55 Minuten.

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