„Nacht der offenen Kirchen“: Still, laut, dunkel, hell, politisch, poetisch

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Laden dazu ein, eines oder mehrere der 35 großen und kleinen Gotteshäuser im Rahmen der Nacht der offenen Kirchen zu besuchen: (v.l.) Sylvia Engels, Martin Obrikat, Jürgen Maubach, Tobias Kölling, Bärbel Gerads-Kriescher und Dieter Spoo. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Seit 15 Jahren das Gleiche? „Irgendwie ja, aber es gibt überhaupt keinen Abnutzungseffekt“, freute sich Dieter Spoo, Seelsorger an der Citykirche und Mitorganisator der Nacht der offenen Kirchen, im Vorfeld der 15. Auflage dieser ökumenischen Großveranstaltung.

Am Freitag, 23. Oktober, öffnen wieder 35 große und kleine Gotteshäuser der Stadt, um zu zeigen, „dass sie viel lebendiger sind, als manche glauben“.

Tatsächlich präsentieren sich die katholischen, evangelischen und freikirchlichen Gemeinden immer auf eine andere Art: Still, laut, dunkel, hell, musikalisch, literarisch, künstlerisch, satirisch, politisch, poetisch. „So können sich die Gemeinden auch in ihren verschiedenen Frömmigkeitsstilen präsentieren“, lobte Martin Obrikat, Pfarrer der evangelischen Auferstehungskirche in Forst, besonders die Vielfalt des Programms. Und natürlich finden so besonders viele Menschen – auch Kirchenferne – in die eine oder andere Kirche hinein.

Schon fast ein Muss für Innenstadtgänger ist wohl die Kirche St. Foillan, in der seit 15 Jahren immer wieder eine neue interaktive Installation den Kirchenraum füllt. „In diesem Jahr bauen wir aus 400 Kartons ein etwa zehn Meter langes und vier Meter hohes Schiff auf. Gebaut werden sie aus den Hoffnungen der Menschen in Aachen – Neuzugezogene und Uröcher –, die wir auf die Kartons gedruckt haben“, machte Gemeindereferent Jürgen Maubach neugierig.

„Bei ihren Hoffnungen sind die Menschen sehr eng beieinander. Das macht Hoffnung, dass wir ein gutes Zusammenleben hinbekommen“, erwartet Maubach einen positiven Effekt auf die Diskussion um Flucht und Integration.

„Geisterstunde“ für Kinder

Ganz bei sich können hingegen die Besucher von St. Jakob sein, wenn sie dem Begriff „Heilig“ auf den Grund gehen: „Dieses Wort ist theologisch sehr parfümiert“, fand Pastoralassistent Tobias Kölling. „Dabei ist uns versprochen: Jeder ist heilig.“

Während in der Innenstadt viele Besucher der Nacht der offenen Kirchen von einem Portal zum nächsten schlendern, bleiben sie in den Außenbezirken oft die ganze Zeit in einer Gemeinde. Darauf haben sich die Macher mittlerweile eingestellt: „Wir bieten ein zeitlich begrenztes Programm an, bei dem man einfach bleiben kann“, erläuterte beispielsweise Bärbel Gerads-Kriescher, Gemeindereferentin der Gemeinde Heilig Geist. Die „Geisterstunde“ – ein Programm für Kinder und Familien mit Theater, Kino und Kinderchor – ist allerdings bereits am frühen Abend, damit die Zielgruppe der Familienkirche in der Pfarrei St. Jakob nicht schon schläft.

Auch in die Auferstehungskirche kommen besonders Menschen aus dem Stadtteil. Das sind zum einen Familien mit Kindern, aber auch die Bewohner des benachbarten Wohnheims der Lebenshilfe. „Es wird integrativ, bunt und chaotisch“, kündigte Obrikat keinen leisen Abend an. Und einen, an dem sich möglichst niemand Zuschauer nennt. „Wir wollen durch gemeinsames Tun Verbindungen schaffen“, so Pfarrer Martin Obrikat.

So birgt jede Kirchentür an diesem Abend eine andere Überraschung. Nur eins ist sicher: Sie ist offen!

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