Nach schlafloser Nacht ist jetzt Rekordtempo angesagt

Von: Albrecht Peltzer und Stephan Mohne
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Wahlparty 2010 im Eurogress: A
Wahlparty 2010 im Eurogress: Auch in diesem könnte das Foyer Ausweichadresse sein, da der Krönungssaal anderweitig genutzt wird.

Aachen. Er wird nicht der Einzige gewesen sein, der in der Nacht zum Donnerstag nach Bekanntgabe der Auflösung des NRW-Landtages kaum ein Auge zugedrückt hat. Aber von Michael Riese weiß man es mit ziemlicher Sicherheit.

Normalerweise lässt sich Riese nicht so leicht aus der Ruhe bringen, aber der Paukenschlag aus Düsseldorf hat auch ihn ziemlich aufgeschreckt. Riese ist Leiter des städtischen Wahlamtes und demzufolge ein Fachmann in Sachen Kreuzchen malen. Nur: Dass das nächste Kreuz so schnell auf das letzte folgen würde, hätte Riese nicht gedacht. Und so muss er in absoluter Rekordzeit die Landtagswahl in Aachen vorbereiten. „Das ist eine riesige Herausforderung”, weiß Stadtpressesprecher Hans Poth. Und bereits unmittelbar nach Bekanntgabe der Neuwahl ist die Verwaltung diese Aufgabe angegangen.

Mindestens 15 Kollegen müssen Amtsleiter Riese zur Seite gestellt werden, um die Wahlvorbereitung zu bewältigen. Die zaubert man nicht einmal eben aus dem Hut, auch müssen passende Büros für das Team gefunden werden. Noch sitzt Michael Riese alleine in seinem Büro auf der zehnten Etage des Hochhauses am Bahnhof. Poth: „Das wird jetzt alles sehr schnell koordiniert.” Ebenso die Suche nach Wahlhelfern. Rund 1400 sollen für reibungslosen Ablauf der Wahl sorgen. Normalerweise hat die Verwaltung bis zu vier Monate Zeit, das Organisatorische zu regeln, jetzt ist erheblich mehr Tempo angesagt.

Kosten für die Landtagswahl stehen natürlich im Haushalt - allerdings erst im Etat für 2015, dem ursprünglichen Wahljahr. 310.000 Euro sind das, und Hans Poth rechnet damit, dass die Summe wohl auch in diesem Jahr aufgebracht werden muss. Rund die Hälfte könnte vom Land später erstattet werden. Die Summe richtet sich nach den Wahlberechtigten. Das werden nach aktueller Hochrechnung im Mai rund 175.000 sein.

Offen ist auch die Frage, wo denn das Wahlergebnis bekannt gegeben wird. Die „Wahlparty” findet normalerweise im Krönungsaal statt. Doch der steht weder am 6. Mai (wegen eines Konzertes) noch am 13. Mai (wegen der Vorbereitungen auf den Karlspreis am 17. Mai) zur Verfügung. Poth: „Wir suchen Alternativen.” Das Eurogress könnte eine sein. Dessen Foyer musste schon bei der Landtagswahl 2010 als Ausweichdomizil her, weil das Rathaus anderweitig vergeben war.

Nicht nur bei der Stadt geht es rund. Die Parteien müssen in Windeseile Landtagskandidaten küren. Binnen Tagen müssen die Delegiertenversammlungen einberufen werden. Die SPD wird ihre am 29. März im Eurogress abhalten. neben dem amtierenden Landtagsabgeordneten Karl Schultheiskönnte im anderen Wahlkreis nach AZ-Informationen Daniela Jansen, derzeit einzige Kandidatin, antreten. Jansen ist unter anderem Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen.

Bei der CDU hat sich bereits der erste Stadtbezirksverband auf eine Kandidatin neben dem wohl gesetzten Landtagsabgeordneten Armin Laschet, der gegen Daniela Jansen antreten würde, festgelegt: „Wir sprechen uns für Ulla Thönnissen aus”, sagte Ratsherr Michael Janßen. Thönnissen ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Städteregionstag.

Parteiintern kursieren jedoch auch noch anderen Namen, zum Beispiel jener der stellvertretenden Partei- und Fraktionsvorsitzenden Maike Schlick oder auch jener von Ex-Landtagsabgeordnetem Rolf Einmahl, derzeit unter anderem CDU-Fraktionsvorsitzender in der Landschaftsversammlung. Der Kandidat in diesem Wahlkreis tritt gegen Karl Schultheis an. Die Piraten drücken aufs Tempo: Sie wählen am kommenden Freitag ihre Direktkandidaten. Namen werden offiziell noch nicht gehandelt.

Das spannende Rennen um die Direktmandate

Die Stadt Aachen ist bei der Landtagswahl in zwei Wahlkreise aufgeteilt. 2010 gewann Karl Schultheis (SPD) im Wahlkreis I das Direktmandat denkbar knapp gegen Rolf Einmahl (CDU). Schultheis Vorsprung betrug 0,5 Prozentpunkte. Die weiteren Bewerber ums Direktmandat waren Reiner Priggen (Grüne), Philipp Rohde (FDP) und Marika Jungbluth (Linke).

Im Wahlkreis II setzt sich Armin Laschet (CDU) deutlich gegen Claudia Walther (SPD) durch. Laschet lag am Ende 5,5 Prozentpunkte vor der Sozialdemokratin. Die weiteren Bewerber ums Direktmandat waren Elisabeth Paul (Grüne) Maximilian Slawinski (FDP) und Darius Dunker (Linke).

Das Gesamtergebnis für Aachen sah bei der Wahl 2010 wie folgt aus: CDU 33,1; SPD 28,2; Grüne 18,8; FDP 6,9 und Linke 6,0.

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