Nach Rekordspiel: Stadt steht ratlos vor dem Scherbenhaufen

Von: Hans-Peter Leisten
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Der Markt am Samstagmittag zur besten Besuchszeit: Das historische Pflaster war nach dem Treffen von 600 Alemannia-Fans übersäht mit Flaschen und noch mehr mit gefährlichen Scherben. Foto: Hans-Peter Leisten

Aachen. Der Samstag und Sonntag war gestaltet – und zwar anders als eine Gruppe von Mitarbeitern des Aachener Stadtbetriebes sich das vorgestellt hatte. Für sie stand plötzlich malochen statt ausruhen auf dem Tagesplan – das Treffen von rund 600 Alemannia-Fans machte dies möglich beziehungsweise nötig.

Die meist jungen Leute hatten sich vor dem Spitzenspiel Alemannia Aachen gegen Rot-Weiß Essen vor dem Rathaus getroffen, um gemeinsam Richtung Tivoli zu marschieren. Hinterlassen haben sie nicht nur perplexe, mitunter auch verstörte Samstagseinkäufer und Touristen, sondern auch ein Meer an Flaschen und Scherben.

Wer ist verantwortlich?

Polizei und Stadt Aachen stehen diesem Phänomen recht ratlos gegenüber. „Wir befinden uns hier in einem rechtsfreien Raum“, hatte Pressesprecher Paul Kemen schon am Samstagnachmittag kommentiert und gleichzeitig den Gesetzgeber in die Pflicht gerufen. Da der aktuelle Aufruf zu dem Treffen ausschließlich in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter kommuniziert worden war, gab es keinen Organisator und noch viel weniger einen Verantwortlichen. Heißt: auch niemanden, den man wegen des Scherbenhaufens zur Rechenschaft ziehen könnte. Die Polizei konnte also nichts anderes tun, als die Verkehrssicherheit und die öffentliche Ordnung zu garantieren. Für sie war der Markt Samstagmittag erfolgreich abgehandelt.

Anders eben für die Stadtverwaltung. Zwei Sonderteams à sechs Kräften rückten noch am Samstag aus, um den größten Dreck und vor allem die gefährlichen Scherben zu beseitigen. „Am Sonntag musste der Markt noch mal geschrubbt werden“, lautet die Bilanz von Stadtsprecher Bernd Büttgens. Ansonsten steht auch die Stadt eher vor einem Fragenkatalog. „Man weiß nicht, wer kommt, wie viele kommen – und wie die sich benehmen“, fast Büttgens die Fragen zusammen. Hätte ja auch sein können, dass die Essener Fans Lust bekommen hätten, sich zum Treffen dazuzugesellen...

Büttgens ist selbst ausgesprochener Alemannia-Fan – und nicht erst seit ein paar Jahren, wie er betont. Und so sehr sich die ganze Stadt über den derzeitigen Erfolg des gebeutelten Vereins freue, so wenig Verständnis habe man bei der Stadtverwaltung über den Zustand, in dem der „schönste Platz unserer Stadt“ hinterlassen worden sei. In der Tat wurde Bier kistenweise auf den Markt geschleppt, die leeren Flaschen wurden einfach aufs Pflaster geschmissen. „Wo bleibt die Wertschätzung dieser Gruppe von Aachenern gegenüber ihrer Heimatstadt?“, fragt der Stadtsprecher.

Das Phänomen, dass Treffen, die im digitalen Raum verabredet werden, rechtlicht nicht zu fassen sind, macht auch die Verantwortlichen ein Stück weit ratlos. Grundsätzlich sei gegen Treffen gar nichts einzuwenden. Es könne ja auch einfach um eine harmlose Party gehen.

Dass das Gebaren der Fußballfans während des lautstarken Marsches durch die Stadt nicht gerade als Marketinginstrument geeignet ist, kommt noch hinzu. Bengalos und ohrenbetäubende Böller wurden gezündet.

Im Stadion ist nichts passiert

Das Verhalten der speziellen Gruppe ist umso verwunderlicher, da rund um das und im Stadion nichts passiert ist. „Nicht ein einziger kleiner Kracher ist gezündet worden“, freute sich Stadionsprecher Robert Moonen am Montag über das vorbildliche Verhalten.

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