Aachen - Nach heftiger Einbruchserie gehen Gärtner auf Patrouille

Nach heftiger Einbruchserie gehen Gärtner auf Patrouille

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Schluss mit den Einbrüchen: Jetzt gehen die Pächter auf Patrouille. Foto: A. Herrmann
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Brachial geöffnet: Gartenkolonie-Vorsitzender Heinz Balzereith ist schockiert darüber, wie brutal die Täter vorgingen. Foto: A. Herrmann

Aachen. Gartenidylle ade: Martin Lücker gräbt die Hände tief in seine Jackentaschen. Man kann sich förmlich vorstellen, wie er sie darin zur Faust ballt. „Ich bin noch immer richtig sauer“, sagt der Vorsitzende der „Aachener Engel“. Gleich 35 Einbrüche gab es an den beiden vergangenen Wochenenden in der Kleingartenanlage an der Hanbrucher Straße, in der auch der Hilfsverein seit kurzem eine Laube samt 250-Quadratmeter-Parzelle besitzt.

Die Hobbygärtner in Aachens Westen sind schockiert. Es herrscht Aufruhr auf der Anlage. „Hier waren Profis am Werk“, sagt Heinz Balzereith. Seit 15 Jahren ist er Vorsitzender des Familiengartenvereins. „So etwas hab‘ ich in der ganzen Zeit noch nie erlebt.“ Nun rüsten die Kleingärtner auf. Ein professioneller Wachdienst fährt ab sofort Patrouille. Und auch die Gärtner selbst wollen regelmäßige Wachrunden drehen.

„Mit Tränen in den Augen“

Jeweils in der Nacht von Freitag auf Samstag haben die bislang unbekannten Täter an den beiden vergangenen Wochenenden zugeschlagen. Sie brachen das Tor auf, um aufs Gelände zu kommen. Mit Brecheisen hebelten sie anschließend die Türen zu den Gartenhäuschen auf, knackten sogar Vorhängeschlösser und entwendeten so gezielt Wertgegenstände. So wie bei den „Aachener Engeln“.

Vor zwei Monaten hat der Verein den Garten angemietet – als Ruheoase für Krebskranke, denen die Engel helfen. Aber ebenso für Jugendliche, die mit ihrem Leben in Schieflage geraten sind. Auch denen steht der Verein zur Seite. Ein Dutzend von ihnen half in den vergangenen Wochen mit, die Laube herzurichten. Sie strichen, schraubten, sägten.

Das kleine Domizil war so gut wie fertig am vergangenen Freitag. Ein Spender hatte 2500 Euro extra für das Projekt zur Verfügung gestellt. Diese Woche wollten die Jugendlichen die Laube mit dem Gönner feierlich eröffnen. „Unsere Jungs waren stolz wie Oskar“, sagt Lücker.

Doch dann der Schock: Am Samstagmorgen hing die Tür aufgebrochen in den Angeln. Drinnen hatten die Täter alles abgeräumt, was wertvoll ist: Akkuschrauber, Stichsäge, Werkzeugkoffer, einen Couchtisch und sogar die komplette Arbeitsplatte der Küchenzeile. Allein für den Hilfsverein beziffert Vorsitzender Lücker den Schaden auf 3000 bis 4000 Euro. In Nachbarlauben wütete die Einbruchsbande in ähnlicher Manier. „Einigen unserer Mitglieder standen die Tränen in den Augen, als sie von dem Schaden erfuhren“, erzählt Balzereith.

Die herbeigerufene Polizei vermute, dass Junkies hinter der Einbruchserie steckten. Das glauben die Kleingärtner jedoch nicht. Nach dem ersten Schock hat Engel-Initiator Martin Lücker nun die Sicherheitsprofis der Firma VIP mit ins Boot geholt. Seit 2007 arbeitet das Wachunternehmen von Bilgin Dzeladin mit dem Hilfsverein zusammen.

In der Gartenkolonie drehen sie seit Dienstag mehrmals täglich kostenfrei die Runden. Auch versteckte Überwachungskameras sollen in Kürze montiert werden. Zusätzlich haben sich rund 20 Mann des Familiengartenvereins zusammengeschlossen, organisieren Patrouillengänge.

Die Hilfe zur Selbsthilfe wollen die Akteure ausdrücklich nicht als Kritik an der Polizei verstanden wissen. „Wir möchten einfach, dass sich die Menschen in unserer Anlage wieder sicher fühlen“, sagt Lücker.

Der Engel-Initiator kann den Ärger über die Einbruchserie trotzdem nur langsam runterschlucken. Zwei seiner jungen Ehrenamtler scharrten dagegen am Dienstag schon wieder mit den Hufen. Die handwerklich begabten Seyfo Yilmaz und Ferry Muljono beseitigten die ersten Spuren in der Laube. Das Ziel lautet klar und deutlich: Das Idyll in der Gartenanlage so schnellstmöglich wieder hergestellt werden.

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