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Nach Großfeuer: Schaden am WZL viel höher als gedacht

Von: Heiner Hautermans und Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Bietet ein Bild totaler Verwüstung: die große Versuchshalle des Werkzeugmaschinenlabors auf dem Campus Melaten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der durch den Großbrand in der Nacht zum 5. Februar angerichtete Schaden in der großen Versuchshalle des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen ist doppelt so groß wie in ersten groben Schätzungen angenommen und beläuft sich auf rund 100 Millionen Euro.

Allein 22 große Anlagen und Versuchsanordnungen, teilweise Prototypen, schlagen mit knapp 40 Millionen Euro zu Buche, weitere 20 Millionen sind erforderlich, um diese in einer neuen Halle wieder in Betrieb zu nehmen. Die Kosten für ein neues Gebäude belaufen sich auf 35 bis 40 Millionen Euro.

Letztere Summe übernimmt das Land NRW, das rasche Unterstützung zugesagt hat und in der Kabinettssitzung in der nächsten Woche über den größten Schadensfall in der Nachkriegsgeschichte der RWTH beraten wird.

Da die Versicherung der RWTH auf 30 Millionen gedeckelt ist, bleiben sie und das WZL auf einem Minus von rund 30 Millionen Euro sitzen, das durch Spenden ausgeglichen werden soll. Dazu wird eigens eine Stiftung gegründet, wie am Donnerstag auf einer Pressekonferenz bekannt wurde, bei der jedoch der Blick weitgehend nach vorne gerichtet wurde.

Weltweit erreicht das WZL eine Welle der Hilfsbereitschaft, Kooperationspartner aus der Industrie bieten etwa die kostenlose Überlassung von modernsten Maschinen an, Alumni machen Geldzusagen, Ersatzräume werden aus anderen Instituten oder Unis angeboten.

Kameras liefern keine Hinweise

Betroffen sind etwa 150 von 800 Arbeitsplätzen, die aber nahtlos in anderen Gebäuden untergebracht werden können. Insgesamt sind beim Leuchtturm der Ingenieurwissenschaften 220 Hilfsangebote eingegangen, sogar aus Vancouver und Tokio. Die IT sei zu 90 Prozent wieder arbeitsfähig und nutze die Infrastruktur der benachbarten Gebäude. Bestätigt hat sich auch die anfängliche Vermutung, dass nur die Messdaten weniger Tage verloren gegangen sind.

Erstaunt zeigten sich die WZL-Direktoren über die Schnelligkeit, mit der sich der Brand ausgebreitet hatte. Obwohl eine Feuerwache nur 500 Meter weit entfernt ist, schlugen die Flammen schon durchs Dach, als der erste Löschzug nach wenigen Minuten eintraf. Dass der erste Alarm aus einem Nachbargebäude und nicht aus der betroffenen Halle einging, erklärt sich dadurch, dass deren Anlage zur Früherkennung moderner ist und schneller anschlug als die aus der ausgebrannten Halle, die aus den 70er Jahren stammt.

Das WZL hat der Polizei auch Aufnahmen von Überwachungskameras zur Verfügung gestellt, die nach Aussage der Verantwortlichen bisher keine Indizien für Personen im Umfeld ergeben haben, die das Gebäude angezündet haben könnten. Ein Chemieschrank im Untergeschoss mit explosiven Stoffen hatte zunächst die Aufräumarbeiten gestoppt, er wurde inzwischen von Spezialisten des Landeskriminalamtes entsorgt. 

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