Nach Großbrand: Schleiftechniker lassen sich nicht aufhalten

Von: hau/tka
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Ist einer der rund 800 Betroffenen am WZL: Christian Wirtz, ein Doktorand aus Aachen. Foto: Steindl

Aachen. Geblieben ist Christian Wirtz eine Maschine im Manfred-Weck-Haus. Eine einzige. Vor einer Woche waren es noch sechs hochmoderne Schleifmaschinen, mit denen der 28-Jährige Doktorand am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen arbeiten konnte.

In der Nacht zum vergangenen Freitag wurden fünf und damit große Teile seiner Forschungsarbeit zerstört. Sie standen in der großen Versuchshalle, die ein Großfeuer in Schutt und Asche gelegt hat. „Ich dachte, ich wäre im falschen Film, als ich realisierte, was passiert ist“, sagt er.

Von der Brandkatastrophe in der zentralen Versuchshalle sind gleichermaßen Studenten und Doktoranden betroffen, deren monatelangen wissenschaftlichen Arbeiten möglicherweise teilweise verloren gegangen sind oder unterbrochen werden müssen. Der 28-jährige Wirtz ist einer von ihnen.

Der Aachener hat mit speziellen Messaufbauten gearbeitet, die mit dem Großfeuer verloren gegangen sind. Wenn er davon erzählt, dann sieht man ihm die Dimension des Verlustes deutlich an. Wirtz sagt aber auch, er und seine gesamte Arbeitsgruppe würden nicht resig-nieren. Sie hätten alle einen Schalter umgelegt und gesagt: „Das schaffen wir auf jeden Fall.“

Aus dem Schlaf gerissen

Wirtz hat Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften an der RWTH studiert und ist seit fünf Jahren in der Gruppe Schleiftechnik am WZL tätig. In der Nacht zum vergangenen Freitag wurde er von den vielen Kurznachrichten geweckt, die auf seinem Smartphone eingingen. Ihre Botschaft: Deine Versuchshalle am WZL brennt. „Ich wurde aus dem Schlaf gerissen“, sagt er heute. Und an weiteren Schlaf sei danach nicht mehr zu denken gewesen.

Am nächsten Morgen seien die Mitarbeiter aufgerufen worden, zu Hause zu bleiben, doch das habe er nicht übers Herz gebracht. So habe er sich mit Kollegen in der Stadt getroffen. Alle habe es aber zum Ort des Geschehens an der Steinbachstraße gezogen, wo ihnen erst das volle Ausmaß des verheerenden Brandes bewusst geworden sei, dass „nämlich ein Großteil der Versuchseinrichtungen und Maschinen zerstört war. An Karneval war nicht mehr zu denken.“

Gemeinsam habe seine Arbeitsgruppe dann überlegt, wie es weitergehen soll. „Wir müssen improvisieren, aber das müssen wir auch sonst im Tagesgeschäft. Das ist auch eine Chance“, erklärt er.

Chance! Das Wort fällt an diesem Tag immer wieder. Es gebe die Chance, die Arbeit schnell wieder aufzunehmen – weil es auf vielen Ebenen Unterstützung gebe. Die Hersteller von Schleifmaschinen haben Wirtz und seiner Arbeitsgruppe bereits Ersatz in Aussicht gestellt. Etwa 20 Projekte sind direkt betroffen. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir den Schaden kompensieren können“, sagt Wirtz. „Wir lassen uns nicht aufhalten.“

Für die 150, die den Ort, an dem sie eigentlich arbeiten, komplett verloren haben, gibt es Angebote aus aller Welt. „Wir könnten jeden zwei- oder dreimal unterbringen“, erklärt der Geschäftsführende Direktor des WZL, Professor Günther Schuh. Industriepartner erklärten sich in den letzten Tagen bereit, dass die WZL-Wissenschaftler die firmeneigenen Versuchslabore nutzen könnten. „An dieser Stelle zahlt sich die Philosophie des WZL aus“, sagt Wirtz. Dann muss er weiter: Eine Maschine ist ihm geblieben, an der wird die nächste Messreihe vorbereitet.

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