Nach drei Wochen Streik bläst Verdi zur nächsten Attacke

Von: Matthias Hinrichs
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Hitziger Protest unter tropischer Sonne: Rund 400 Post-Beschäftigte zogen am Donnerstag gegen die aktuellen Pläne des Konzerns zur Gründung neuer Paketdienst-Töchter durch die City. Foto: Andreas Steindl
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„Schutz und Sicherheit“: gellende Trillerpfeifen ersetzten das Posthorn.

Aachen. Unter der gnadenlosen Julisonne kreist im Rondell auf dem Suermondt-Platz der verbale Hammer. Das Feuer der Empörung schlägt heftige Funken. Neben dem Gewerkschaftshaus in der Harscampstraße haben die Verdi-Vertreter aus der Region Aachen und Köln an diesem heißen Vormittag nicht die geringste Mühe, die Front der rund 400 Streikenden noch fester zusammenzuschweißen.

Die blasen der Bonner Konzernführung im Zeichen des berühmten Posthorns mit ohrenbetäubenden Trillerpfeifen-Konzerten den Marsch: „Wir sind die Post – Vorstand raus!“, skandiert die Menge, als sich der Demozug Richtung Altstadt endlich formiert.

Nach drei Wochen Ausstand und am Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde in Bad Neuenahr wird im Widerstand gegen die Pläne der Arbeitgeber, die Paketzustellung bei rund 20 Prozent weniger Lohn in etliche Tochtergesellschaften auszugliedern, die nächste Eskalationsstufe mit sichtlichem Erfolg gezündet. Gefordert wird vor allem: Festhalten am Status quo in punkto Arbeitsverträge. „Die Kollegen müssten nicht nur drastische Einbußen hinnehmen, sondern auch fürchten, dass ihre Jobs in Zukunft alles andere als sicher sind“, meint eine Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Ich arbeite seit 27 Jahren im Briefzentrum. Wer sagt uns, dass wir nicht die nächsten sind?“, fragt sie. „Schutz und Sicherheit“ fordern die Demonstranten daher auf etlichen Schildern, während der Protestzug über Theaterstraße und Elisenbrunnen Richtung Katschhof strebt.

Die Domuhr schlägt zwölf, als Wolfgang Host, Betriebsratsvorsitzender der Postniederlassung Köln-West, den Zorn der Menge mit geharnischten Attacken weiter anheizt – insbesondere an die Adresse von Vorstandschef Frank Appel. Nach wie vor übe die Konzernzentrale „massiven Druck“ auf Mitarbeiter aus – so sei 15 Azubis eine Weiterbeschäftigung verwehrt worden, falls sie sich weiter am Ausstand beteiligten. „Gebt nichts auf die Gerüchte, die jetzt von der Konzernleitung gestreut werden – dass Streikende Abzüge bei Weihnachtsgeld und Sonderleistungen in Kauf nehmen müssten“, wettert Host. „Lasst euch nicht verunsichern. Das stimmt hinten und vorne nicht!“

Mit Lügen und dreisten Verunglimpfungen werde versucht, Führungskräfte in internen Rundbriefen auf die Arbeitgeberlinie einzuschwören, empört sich auch Thomas Großstück von der Verdi-Landesleitung. „Da wird die Gewerkschaft sogar mit einer Sekte verglichen. Das ist hanebüchen und zeigt, dass es zwingend geboten ist, den Druck aufrechtzuerhalten“, versichert er – begeisterter Beifall. Und: „Herr Appel erzählt Märchen, wenn er behauptet, die Post-Führung halte sich an Recht und Gesetz.“ Indem sie jüngst Pakete auch sonntags zustellen ließ, habe sie klar gegen die Gesetze verstoßen. Und versuche weiter, Mitarbeiter durch Anrufe und sogar „Hausbesuche“ einzuschüchtern: „Lasst euch das nicht bieten, meldet es, wenn euch derartiges passiert.“

Reichlich Rückendeckung erhalten die Protestierenden auch durch den Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling, den SPD-Fraktionschef im Städteregionstag Martin Peters und Ellen Begolli, Ratsfrau der Linken. Auch sie geißeln die drohende Zerstückelung des Konzerns durch Schaffung zahlloser „Billigtöchter“. „Es geht darum, eure hart erkämpfte Sicherheit zu verteidigen“, ruft Begolli unter tosendem Applaus. Die Pläne der Konzernführung seien angesichts aktueller Milliardengewinne ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Begolli: „Es ist richtig, dass ihr die Annahme des unverschämten Verhandlungspakets der Arbeitgeber verweigert und es postwendend zurückschickt.“

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