Aachen - Nach dem Vulkan explodiert der Feinstaub

Nach dem Vulkan explodiert der Feinstaub

Von: Robert Esser
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Aachen. Treibt die Asche des isländischen Eyjafjallajökull die Feinstaubwerte auf der Aachener Wilhelmstraße und in Burtscheid in die Höhe? Diese Frage scheint nicht minder kompliziert als der Name des Vulkans und beschäftigt derzeit das Landesumweltamt in Essen.

Nach diesem Wochenende hatten sich die Feinstaubwerte nämlich am Montag verdoppelt: Zwischen Normaluhr und Kaiserplatz von 41 auf 85, im Kurviertel von 26 auf 58 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Auch am Dienstag lieferten beide Messstationen deutlich erhöhte Daten. „Wir gehen davon aus, dass in Aachen vor allem die stabile Wetterlage ohne nennenswerte Windbewegungen für die Werte verantwortlich ist”, sagte Stadtsprecher Hans Poth.

Auch Prof. Peter Bruckmann vom Landesumweltamt hält das für wahrscheinlich. „Der Vulkanausbruch spielt im Aachener Talkessel sicher nur eine untergeordnete Rolle. Aber wir untersuchen Proben unter dem Rasterelektronenmikroskop auf Glaspartikel. Und prüfen womöglich erhöhte Magnesiumspuren”, sagte der Fachmann.

Hingegen sei die Partikelbelastung im Eifelort Simmerath, die von 25 auf anhaltend über 50 Mikrogramm gestiegen ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die niederrieselnde Aschewolke zurückzuführen. „Ähnliches gilt für Bonn-Auerberg”, sagte er. Dort überschritten die Werte am Dienstag die 90-Mikrogramm-Grenze.

Einschätzungen von Sprechern des Umweltbundesamtes, wonach der Ascheregen für die Gesundheit der Bevölkerung völlig ungefährlich sei, widersprach der Wissenschaftler aus Nordrhein-Westfalen. „Vielleicht ist der Vulkanaschestaub etwas ungefährlicher als Dieselruß. Aber er ist sicher nicht unschädlich für die Gesundheit”, betonte Bruckmann.

Auf die Konzentration kommt es an. Und da geben die Forscher Entwarnung: Die Asche - auch bei Überschreitung des Grenzwerts von 35 Mikrogramm - sei derzeit so dünn in der Luft, dass die feinen Schwebeteilchen (Aerosole) „auf dem Weg der Atemluft von Mund und Nase bis zu den Lungenbläschen gefiltert werden” könnten, hieß es am Dienstag.

2009 überschritt Aachen den Feinstaub-Grenzwert an 44 Tagen, erlaubt waren 35. Im Januar und Februar 2010 zählte man an der Wilhelmstraße acht „Überschreitungstage”. Dies hat dort letztlich zum Lkw-Fahrverbot geführt, das seit dem Ende der Osterferien in Kraft ist. Warum die in Aachen mit einem teuren Durchfahrtsverbot geahndete Schwebeteilchen-Konzentration nicht - wie die Asche - auf dem Weg der Atemluft gefiltert werden kann, bleibt unklar.
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