Aachen - Nach 50 Jahren fällt nicht nur die Jubiläumsfeier im Freibad aus

Nach 50 Jahren fällt nicht nur die Jubiläumsfeier im Freibad aus

Von: Robert Esser
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Warten auf Ersatz: Der Sprungturm im Hangeweiher ist gesperrt, weil die Verankerung des Drei-Meter-Bretts durchgerostet war. Foto: Robert Esser

Aachen. 22 Grad Celsius, stahlblauer Himmel - aber im Freibad Hangeweiher ziehen am Mittwochnachmittag gerade mal eine Handvoll Schwimmer ihre Bahnen. Die Liegewiese ist gähnend leer. Nur 7577 Besucher zählte man dieses Jahr seit dem Saisonbeginn am 1. Mai.

2009 waren es 12.627, noch ein Jahr früher stattliche 21485 Badegäste im jeweils ersten Monat. „Das hängt natürlich in erster Linie vom Wetter ab”, sagt Rita Klösges vom städtischen Presseamt. Und dieser Mai war so grau wie mau.

Allerdings macht man sich im Jubiläumsjahr - die Badeanstalt wurde 1836 gegründet, aber vor genau 50 Jahren zu der heutigen Form umgebaut - auch Gedanken über die mangelnde Attraktivität des Aachener Freibads.

An dessen Image kratzen nicht nur handfeste Streitigkeiten unter jugendlichen Badegästen an proppenvollen Sommertagen, die nach Aussage eines Schwimmmeisters auch „öfter mal die Polizei auf den Plan rufen”.

Ramponiert ist mehr als der Ruf: An vielen angeschlagenen Einstiegsleitern lugen scharfe Kachelecken aus dem Wasser. Der Sprungturm ist gesperrt.

Die Halterung des Drei-Meter-Bretts war gefährlich durchgerostet, man wartet auf Ersatz. In den meisten Fußbecken - durch die aus Hygienegründen jeder Schwimmer auf dem Weg zum Becken schreiten soll - befindet sich kein Tropfen Wasser.

Unkraut sprießt auf dem ganzen Freibad-Gelände zwischen den Pflastersteinen. Manche Rasenecken sind - wegen frischer Saat - mit scharfkantigen Eisenstangen abgesteckt. Ganz offensichtlich hat der jüngste, besonders frostige Winter vielerorts seine unschönen Spuren hinterlassen.

Als einzige nicht-grüne Farbtupfer auf der blitzsauberen Liegewiese leuchten die vielen Abfalleimer in der Sonne - es gibt sogar ein Mülltrennsystem. „Aber daran hält sich eh keiner”, sagt der Schwimmmeister. Und überhaupt: „Die Leute, die hier Ärger machen, werden immer jünger. Es fehlt an Respekt.” Aber vor allem fehlt es dem Bademeister-Team im Hangeweiher an genügend Geld.

Dabei wurde durchaus investiert: Etwa in die neue Heizungsanlage, die das Wasser im Becken auf mindestens 24 Grad Celsius erhitzen soll.

800.000 Liter im Kinder-, 2,4 Millionen im 50-Meter-Becken. Doch weil der Fernwärmeanschluss erst im Herbst kommt und die betagte Wärmepumpe des Hangeweihers defekt ist, surren jetzt zwei mobile Heizcontainer am Freibadzaun. Die wurden über provisorische Rohre an die halb fertige Freibadheizung gekoppelt.

Schon in einigen Tagen soll hingegen der winzige Kinderspielplatz freigegeben werden, den Arbeiter gerade für 5000 Euro neben das trockengelegte Planschbecken gesetzt haben. Dort wurde gerade die defekte Ablaufrinne durch eine funktionstüchtige Kunststoffversion ersetzt.

Neu im Hangeweiher stehen zudem zwei robuste Tischtennisplatten und ein Tischfußball-Gerät. Außerdem gab´s kostspielige Reparaturen, von denen man nichts sieht. So mussten etwa verrostete Schieber des Wasserkreislaufsystems am Becken ausgetauscht werden.

„Ja, der Hangeweiher ist - wie andere städtische Freizeit- und Kultureinrichtungen - ein Zuschussgeschäft”, räumt Rita Klösges ein. Die Zuschusssumme richte sich nach der Zahl der Freibadbesucher und den entsprechenden Einnahmen - ist also wetterabhängig.

2009 kamen insgesamt 93.937 Badegäste. In der aktuellen Badesaison besteht also noch reichlich Luft nach oben. Mehr als die Hälfte der Gäste, die man bis jetzt an allen 31 Mai-Tagen zählte, waren in früheren Hochsommerzeiten an einem einzigen Sonntag in den Hangeweiher gepilgert.

Kinderspielplatz nach 174 Jahren gebaut

Vor 174 Jahren hat die Stadt einem Bürger namens Xaver Jansen erstmals das „Betreiben einer öffentlichen Badeanstalt” am Hangeweiher gestattet.

Ein erstes Schwimmbecken mit einer Länge von 100 Metern wurde laut Chronik aber erst 1920 gebaut. Ab 1934 durften auch Frauen ins Wasser. Der „moderne” Hangeweiher mit zwei Schwimmbecken entstand 1960.

Nur in kleinen Schritten leistet sich die Stadt aufwertende Maßnahmen für ihr in die Jahre gekommenes Freibad. Gerade erst wurde für 5000 Euro ein winziger Kinderspielplatz angelegt, der aber derzeit noch nicht nutzbar ist. Die Betonfundamente der Spielgeräte müssen noch trocknen.

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