Nach 44 Jahren verliert das „Knossos“ die Konzession

Von: Robert Esser
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Abschied für immer: Das „Knossos“ wird nach fast 44 Jahren endgültig geschlossen. Foto: Michael Jaspers
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Abschied für immer: Marie-Louise Loh-van Dijk und Mike van Dijk schließen das „Knossos“ am Templergraben 28. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die letzte Runde dreht der Gyrosspieß am kommenden Freitagabend. Dann schließt mit dem „Knossos“ am Templergraben 28 eines der ältesten griechischen Lokale Aachens nach fast 44 Jahren – endgültig. Licht und Drehspieß aus. 1973 hatte der Ex-Mann von Marie-Louise Loh-van Dijk das Restaurant von einem Griechen und einem Holländer übernommen.

Seitdem steht die gelernte Auslandskorrespondentin hinter der Theke, seit 1984 mit ihrem Mann Mike van Dijk. „Es waren wundervolle Jahre mit so vielen tollen Gästen, natürlich vor allem Studenten – aber jetzt geht es einfach nicht weiter“, sagt sie.

Wobei das Aus für das „Knossos“ nichts mit dem Alter der Chefin zu tun hat. „Ich würde weitermachen.“ Marie-Louise Loh-van Dijk, quietschfidel und voller Tatendrang, ist 76 Jahre alt. „Was uns kaputt macht, sind die immer strengeren gesetzlichen Hygiene- und Bauvorschriften“, stellt die erfahrene Gastronomin fest. „Wir sind hier ein tatsächlich im besten Sinne alt eingesessenes Lokal.

Aber wir haben schlicht keinen Platz für den nun geforderten eigenen Waschraum nur für den Koch – oder für noch mehr Kühlschränke. Dafür ist die Küche zu klein. Deshalb hat uns die Lebensmittelüberwachung tatsächlich empfohlen, statt frischer Gerichte nur noch ,Convenience Food‘, also aufgewärmte Fertiggerichte, zu verkaufen. Aber das mache ich nicht mit, dann mache ich eben zu“, sagt sie. Ende dieses Monats ende die „Galgenfrist“, erklärt die Wirtin. Dabei macht sie den Lebensmittelkontrolleuren gar keinen Vorwurf. „Die befolgen nur die Vorschriften, die haben keine Wahl.

Aber wenn der Gesetzgeber so weitermacht, gibt es bald nur noch große Gastronomie-Ketten, nur noch Einerlei – und familiäre Kleinbetriebe wie wir bleiben alle auf der Strecke“, warnt Loh-van Dijk. Grünen Salat und Schnitzel musste sie mangels gesetzlich konformer Zusatzkühlausstattung bereits von der Karte streichen. Gyros und die legendären „Knossos-Knochen“ gibt es aber bis zum Schluss. „Der Knochen ist seit vielen Jahren der Renner hier – Weichkäse und Edamer im Teig“, erklärt sie. „Und dem Gyros weinen unsere Gäste jetzt schon nach“, sagte die Frau, die hier alle nur „Lou“ nennen, mit hörbarem Wehmut in der Stimme. Die urige Holzeinrichtung, die Theke, die familiäre Atmosphäre – all das ist hier allen ans Herz gewachsen. „Jetzt muss alles raus. Ich habe unsere Stammgäste gebeten, mitzunehmen, was sie möchten. Ich hoffe nur, dass sie ein neues ,Wohnzimmer‘ finden – genauso gemütlich und lecker wie hier.“

Die urtümliche griechische Küche, früher von bis zu vier griechischen Köchen zubereitet, hat längst ein Türke in der Hand. „Der gehört hier auch schon seit über 30 Jahren zum Inventar“, sagt „Lou“.Wie die vielen Studentengruppen, die hier bewirtet wurden: montags die Hochschultänzer, mittwochs Musiker, donnerstags Flieger. Viele Fachschaften fanden hier ein Zuhause, das wirklich noch echtes studentisches Flair besitzt. Aus und vorbei. Am Freitagabend, 30. Juni, läuft die Konzession aus. Das Haus soll verkauft werden. Eine Kneipe soll es hier nie mehr geben. Und die letzte Runde wartet schon.

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