Nach 1200 Jahren steigt Karl vom Thron

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. In die Schlagzeilen gerät er nach wie vor am ehesten als vornehm glitzernder Schauplatz hochoffiziöser Feierlichkeiten. Der große Stadtpatron wird - zumindest in Gestalt des Standbildes von Karl - zuweilen buchstäblich zur Randfigur brandaktueller Ereignisse im Krönungssaal.

Ansonsten gehören allenfalls akustische Abenteuerreisen durch die Jahrhunderte per „Aixplorer” inzwischen zum Standard für die werktäglichen Besucher. Das wird sich bald gründlich ändern.

Die Drei-D-Simulation der alten Pfalz im Foyer, die seit der Eröffnung der ersten „Route-Charlemagne”-Station ins Rathaus lockt, darf jetzt quasi als virtuelles Vorgeplänkel für ein kulturhistorischen Großereignis betrachtet werden.

Zum 1200. Todestag Karls des Großen im Januar 2014 nämlich soll das ganz normale Leben rund um den Hof des illustren Reichsgründers im Krönungssaal Einzug halten. Die Vorbereitungen für die Ausstellungen im Gedenken an den Frankenherrscher nehmen Fahrt auf, bestätigt Kulturdezernent Wolfgang Rombey.

Neben der Präsentation kostbarer Exponate unter dem Titel „Karls Schätze” im dann fertiggestellten Centre Charlemagne soll das wirkliche Leben rund um den ersten festen „Amtssitz” Karls in jedem Sinne plastisch werden. Der Kaiser soll sozusagen ein großes Stück weit vom Thron steigen. „In Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat und insbesondere den RWTH-Historikern wird ein etwa neun mal 14 Meter großes Modell der Kaiserpfalz entwickelt”, berichtet Rombey.

Dabei sollen die Besucher erfahren, wie zu Zeiten Karls gebaut wurde, wie die Menschen gearbeitet, gefeiert und auch gelitten haben. Zudem kann man den Pfaden des - seinerzeit noch mobilen - Hofes zu anderen wichtigen Stationen des vagabundierenden Vasallenreichs folgen. Natürlich soll auch dargelegt werden, was Karl als Förderer von Wissenschaften und Künsten geleistet hat.

Dem Beirat gehören neben Experten der RWTH unter anderem Vertreter des Bistums, der Museumsdirektor, die Leiter von Stadtarchiv und Denkmalpflege sowie die Macher der „Route Charlemagne” an. Seit November hält zudem ein ebenso breit gefächerter „Steuerungskreis” unter Vorsitz des OB die organisatorischen Fäden in Händen. Neben Rombey und Baudezernentin Gisela Nacken sitzen dort Vertreter der Karlspreis-Stiftung, der Hochschul-Rektorate, von Kammern, Einzelhandelsverband und Museen sowie der Dompropst am Tisch.

Denn natürlich steht auch die Heiligtumsfahrt 2014 im Zeichen des Rückblicks. Unter dem Motto „Zieh in das Land, das ich dir zeigen werde” soll die „geistliche Dimension” des Jubiläumsjahrs in den Blick gerückt werden. Der „historischen Dimension” widmet sich das Bistum zudem mit einer Rückschau auf die Tradition des Gedenkens an Karl den Großen. In der Domschatzkammer wird eine dreimonatige Ausstellung präsentiert.

Vieles ist also eingestielt, viel mehr noch zu organisieren, damit die Stadt anno 2014 - wie angestrebt - mindestens 100.000 zusätzliche Gäste anzieht. „Natürlich greifen wir auf die Erfahrungen der Ausstellungen Krönungen´ und Ex Oriente´ zurück”, betont Rombey. Mit „mindestens” 2,05 Millionen Euro wird der Kostenrahmen daher beziffert. 150.000 Euro zwecks Planung sind aus der Rücklage des Kulturbetriebs bereits ins aktuelle städtische Budget bugsiert worden. Und der OB wird noch manche Sponsoren-Klinke putzen. Erhebliche Fördermittel sind zwar ebenfalls zu erwarten. „Letztlich muss die Stadt aber mindestens 500.000 Euro aufbringen”, schätzt Rombey.
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