Nabu kritisiert: „Windanlage am Schneeberg muss weg“

Von: stm
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Aachen. Dieser Tage hatten sich die Aktiven des „Wind e.V.“ zu Wort gemeldet. Sie wollen ihre alte 80-Kilowatt-Anlage am Schlangenweg bei Orsbach durch eine moderne und leistungsstarke ersetzen – Stichwort „Repowering“.

Das allerdings ruft scharfe Kritik beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hervor, der schon in den 1990er Jahren wegen der bisherigen Anlage mit dem „Wind e.V“ über Kreuz gelegen hatte. „Das vom Verein Wind e.V. verharmlosend ,Fleißiges Lieschen‘ genannte Windrad am Schneeberg hat ausgedient und muss, wie im Genehmigungsbescheid festgelegt, zurückgebaut werden. Auch das jetzt überraschend geforderte Repowering oder gar der Bau mehrerer Windkraftanlagen (WKA) kommt an diesem ökologisch sensiblen Standort nicht in Frage“, sagt Claus Mayr.

Nicht nur der Nabu, sondern der gesamte Landschaftsbeirat habe seinerzeit die WKA an diesem sensiblen Standort abgelehnt. Die Anlage sei daher nach langen Diskussionen von der Bezirksregierung Köln nur mit der Maßgabe des Rückbaus nach 20 Jahren genehmigt worden. „Die Anlage muss daher an diesem Standort abgebaut werden“, so Mayr weiter. Sowohl die anerkannten Naturschutzverbände, als auch der Landschaftsbeirat hätten in den vergangenen Jahren Vorschläge für mögliche zusätzliche Windkraftzonen sowie für das Repowering des Windparks „Butterweiden“ westlich der A 4 gemacht. „Diese Vorschläge solle der Wind e.V. konstruktiv unterstützen statt am völlig indiskutablen Standort Schneeberg festzuhalten“, kritisiert Mayr.

Weiter heißt es in einer Stellungnahme: „Auch dem Wind e.V. sollte bekannt sein, dass bei der Diskussion um die WKA am Schneeberg Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre erst ganz wenige Untersuchungen über die Auswirkungen auf Zug- und Standvögel vorlagen. Über Auswirkungen von WKA auf Fledermäuse war überhaupt nichts bekannt. Heute verfügen wir diesbezüglich über viel mehr Erkenntnisse, daher wurde 2009 auch das Artenschutzrecht im Bundesnaturschutzgesetz massiv verschärft.“ Auch das Bau- und Planungsrecht von 1993 sei mit der heutigen Situation nicht vergleichbar: So hätten WKA generell als „privilegierte“ Anlagen gegolten. Da diese Privilegierung zum „Wildwuchs“ und zunehmenden Bürgerprotesten führte, sei sie vom Bund 1998 geändert worden: Die Privilegierung gelte seither nur noch dann, wenn die Kommunen keine Windkraftkonzentrationszonen ausgewiesen haben. Wenn es solche Zonen gibt, dürften auch nur noch dort Anlagen gebaut werden.

Vor diesem Hintergrund habe auch die Stadt Aachen in den letzten Jahren etliche neue mögliche Standorte geprüft. Der Standort Schneeberg sei dabei wegen besagter Naturschutzproblematik ausgeschieden. Mayr: „Diese Fakten muss auch der Wind e.V. zur Kenntnis nehmen. Dieser Standort ist heute genauso ungeeignet wie vor 20 Jahren, insbesondere für noch größere Anlagen, die ja auch die ökologischen Probleme noch vergrößern würden.“

Bessere Steuerung gefordert

Der Nabu verweist in diesem Zusammenhang auch auf seine „langjährige Forderung nach regionalplanerischer Steuerung des dringend erforderlichen Ausbaus der erneuerbaren Energien in einem Masterplan 2030“. Die Kommunen müssten „endlich davon wegkommen, die Planung von Windkraftzonen wie in den meisten bisherigen Fällen nur reaktiv von der Standortwahl der Investoren abhängig zu machen“.

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