Mutiges Sparkonzept: Wohnen in der Herz-Jesu-Kirche

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Wohnen bald junge Familien in einem Teil der Kirche Herz Jesu an der Viktoriaallee: Diese Idee gehört zu den Planungen der Gemeinde St. Gregor von Burtscheid. Sie werden wegen drastischer Sparvorgaben des Bistums nötig. Die Gemeinde will keine Kirche schließen. Foto: Harald Krömer
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Sie arbeiten Hand in Hand an mutigen Konzepten für die vier Pfarrkirchen der Gemeinde St. gregor von Burtscheid: von links die Pfarrer Thomas Faltyn und FrankHendricks, Kirchenvorstand Uli Irmen und Holger Stockem, Vorsitzender desGdG-Rates. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Diese Botschaft traf die Pfarrgemeinde St. Gregor von Burtscheid wie aus heiterem Himmel: 33 Prozent der bislang benötigten Instandhaltungskosten für Gebäude müssen eingespart werden, da in diesem Rahmen zukünftig keine Zuschüsse mehr für Kirchen, Pfarrhäuser und Pfarrheime gezahlt werden. So fordert es das Bistum von allen Gemeinden.

Der Grund: Veränderte pastorale und finanzielle Rahmenbedingungen, insbesondere durch rückläufige Kirchensteuereinnahmen. Werden nun reihenweise Kirchen geschlossen? In Burtscheid zumindest nicht. Dort hatten die Verantwortlichen mit einem cleveren und vor allem solidarischen Gebäudenutzungskonzept einen wahren Geistesblitz, um auf die Forderungen des sogenannten Kirchlichen Immobilien-Managements, kurz KIM, zu reagieren.

„Die Originalität unserer Idee besteht darin, dass jede unserer vier großen Kirchen mit einem Doppelnutzungskonzept und mit einer Raumaufteilung an der Umlage der Gesamtkosten beteiligt ist“, erklärt Frank Hendriks, Leitender Pfarrer und Kirchenvorstandsvorsitzender von St. Gregor. Sprich: Die pastoral genutzten Räume, rund 20 an der Zahl, sollen alle bestehen bleiben, nur teilweise anders genutzt werden.

Was zunächst als enorme Belastung daherkam, hat die Burtscheider Gemeinde zur Chance umgemünzt. Vertreter des Pastoral-Teams, des Kirchenvorstands, des Rates der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG-Rat) sowie weitere sachkundige Mitarbeiter haben sich daher zur KIM-Arbeitsgruppe zusammengeschlossen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Entstanden sind zehn Thesen, die den rund 15.000 Mitgliedern der Pfarrgemeinde St. Gregor unter anderem in einem Pfarrsonderbrief mitgeteilt werden.

„Alle Gemeindeteile haben gemeinsam dafür Sorge getragen, dass keine Kirche geschlossen werden muss“, so Pfarrer Thomas Faltyn. „Für uns sind Kirchen nicht nur historisch wichtig, sie sind auch lebendige Orte, die allein schon durch ihre pure Präsenz deutlich machen: Wir sind für die Menschen da.“

Im kleineren Rahmen werden Kooperationen schon jetzt in der Pfarrgemeinde St. Gregor umgesetzt. Das Pfarrheim Herz Jesu zum Beispiel wird seit einigen Monaten gemeinsam mit der Freien Evangelischen Christusgemeinde genutzt. Analog werden nun Kooperationspartner für die Kirchengebäude gesucht, um deren Finanzierung langfristig zu sichern. Das bedeutet konkret: Für den pastoral genutzten Gebäudebestand muss eine Instandhaltungsrücklage von rund 260.000 Euro im Jahr vorgehalten werden, durch die vorgegebenen 33 Prozent Einsparung ist die Gemeinde gezwungen, rund 84.000 Euro anzusparen oder durch eine andere Nutzung von Gebäuden zu refinanzieren.

Eine nicht gerade kleine Summe. Für die vier großen Kirchen wurden daher individuelle Konzepte entwickelt, wie diese zukünftig genutzt werden können, ohne sie zu schließen. Der schöne Nebeneffekt: Mit diesen Konzepten können nicht nur alle Gebäude gehalten und das Einsparziel erreicht werden, damit verbunden ist auch eine pastoral zukunftsweisende Schwerpunktsetzung für jede einzelne Pfarre.

Während in St. Johann eine noch intensivere Kooperation mit dem Marienhospital anvisiert wird, ist in St. Gregorius ein Kolumbarium im unteren Bereich der Kirche in Planung. In den Seitenschiffen von St. Michael könnten zukünftig das Pfarrbüro, die Verwaltung und pastorale Diensträume untergebracht werden, um dort aktiv Passantenpastoral betreiben zu können.

In Herz Jesu hingegen könnte Wohnraum für junge Familien entstehen. Ein Investor, der auf den Umbau von sakralen Gebäuden spezialisiert ist, hat bereits Interesse bekundet, einen Teil des Kircheninnenraums und des Kirchplatzes zu nutzen, um dort Wohneinheiten zu errichten. Die Kirche soll von außen allerdings als Kirche sichtbar bleiben. „Herz Jesu ist die größte unserer Kirchen. Dort haben wir mehr Raum, als wir wirklich benötigen. Daher kann man durchaus überlegen, den Kirchenraum ein wenig zu verkleinern“, erklärt Ulrich Irmen, stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender.

Alles noch in der Planung

Noch sind alle Projekte in der Planungsphase, es wird noch ausgelotet, was machbar ist und was nicht. Denn vor allem soll im Sinne der Gemeindemitglieder gehandelt werden, welche zu jedem Zeitpunkt transparent und umfassend informiert werden sollen. „Bestimmt werden viele Menschen sehr emotional auf diese Pläne reagieren. Das können wir gut nachvollziehen und uns geht es nicht anders. Aber nur so können wir alle Gebäude als lebendige Orte unserer Gemeinde erhalten“, so Pfarrer Faltyn. „In allen Kirchen wird es Baumaßnahmen geben, die das Erscheinungsbild verändern werden. Der solidarische Gedanke ist uns jedoch sehr wichtig: Wir sind eine große Gemeinde, die auf vier Füßen steht und wir können nicht ein Bein absäbeln, dann fällt der ganze Tisch um“, ergänzt Holger Stockem, Vorsitzender des GdG-Rats, der sich paritätisch aus Mitgliedern der vier ehemaligen Gemeinden zusammensetzt.

Die Pfarrgemeinde St. Gregor möchte mit ihrem kreativen Lösungsansatz nun auch Vorbild für andere Gemeinden sein und Mut machen, sich für neue Ideen zu öffnen. „Das Bistum war eher irritiert über unsere Vorgehensweise. Es hat wohl erwartet, dass wir bestimmte Gebäude auf ‚Rot setzen’. Da haben sie wohl nicht mit den listigen Burtscheidern gerechnet“, schmunzelt Kirchenvorstandsmitglied Dirk Bourceau.

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