Mutige Gastronomin ohne Angst vor Drohgebärden

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Nicht alleine der ehemalige Pächter einer kleinen Gasstätte in der Viktoriastraße zeigte Mumm und Zivilcourage, als er im November 2015 beschloss, sich massiven Drohungen von mutmaßlichen Hells Angels und einer Gruppe anderer Gastronomen, die seinen Laden „übernehmen“ wollten, nicht zu fügen.

Der 53-jährige Schwarzafrikaner zeigte die mutmaßliche Erpressertruppe, die in dem Laden Drogen verkaufen wollten, kurzerhand an. Das Ergebnis sind vier Angeklagte vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, die sich wegen gemeinschaftlicher Nötigung, Bedrohung, Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten müssen.

Doch der mutige Wirt hielt der Bedrohung letztlich nicht stand, gab den Laden auf. Er wurde jetzt noch getoppt von einer benachbarten Gastronomin, mit der überhaupt nicht zu spaßen war. Richter Hans-Günter Görgen am Mittwoch zu der Zeugin Marina S. (48): „Nein, ich scherze nicht, man muss Hochachtung vor ihnen haben“.

Der Richter reagiert so auf das manchmal überschäumende Temperament der Zeugin, die gegenüber in der Viktoriastraße einen Billardsalon führt. Sie schilderte ausdrucksstark, wie sie an jenem Freitagabend im November dem Kollegen auf der anderen Straßenseite zu Hilfe kommen wollte, als sie den Aufmarsch von Vermummten und anderen bedrohlichen Typen bemerkte – und sofort hinüber ging. „Ich will da rein“, habe sie einen breitgebauten Mann im Türrahmen der Kneipe angeschrien.

Der ließ sie aber nicht, schubste sie weg. Sie sei außer sich gewesen, erklärte sie, habe auf der Straße ihr Handy gezückt, um Fotos zu machen und die Polizei zu rufen. Letzteres gelang ihr, sie gab die Kennzeichen der zwei Wagen durch, die sie den Angreifern zurechnete. „Da kam ein anderer und wollte mir das Handy wegreißen“, sagte sie.

Sie kämpfte, hatte aber keine Chance und trug eine Beule am Kopf davon. „Aber die Polizei hat mitgehört“, trumpfte sie auf, sie hatte die Handyverbindung bestehen lassen. Doch: „Das war völlig umsonst. Die kamen einfach nicht. Erst nach einer Stunde, als alles vorbei war“, schäumte sie heute noch voller Unmut über die viel zu lange Leitung.

In der Sache allerdings bestätigte sie die von Oberstaatsanwältin Jutta Breuer vertretene Anklage. Der Prozess geht am 5. Oktober weiter.

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