Aachen - Musterbeispiele gesellschaftlicher Solidarität bei „Aachen Sozial“

Musterbeispiele gesellschaftlicher Solidarität bei „Aachen Sozial“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Zum Gruppenfoto versammelten sich dann die Mitstreiter der Bürgerstiftung, der Kältehelfer und des Vereins „Aachen Sozial“. Foto: Andreas Schmitter
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Verleihung im Krönungssaal: von links Moderator Manfred Kutsch, Gabriele Mohné (Aachen Sozial) sowie die Preisträger Hans-Joachim Geupel, Sarah Everhartz und Tim Hermanski mit Bürgermeister Norbert Plum (2. von rechts). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Sie kitten mit ihrem Ehrenamt Risse in der Gesellschaft: Hans-Joachim Geupel, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, sowie die Initiatoren der Kältehelfer der Johanniter, Sarah Everhartz und Tim Hermanski. Ausgezeichnet wurden sie dafür am Dienstagabend im Krönungssaal mit dem Preis „Aachen Sozial“ des gleichnamigen Vereins. Es war bereits die zwölfte Preisverleihung in Aachens guter Stube.

„Die Preisträger machen das Land schöner und sie zeigen, was Entschlossenheit bewirken kann“, lobte Bürgermeister Norbert Plum, der den Schirmherrn, Oberbürgermeister Marcel Philipp, vertrat. In Sachen Kältehelfer bedeutet das vor allem mehr soziale Integration von Wohnungslosen.

Im vergangenen Winter sind die Kältehelfer der Johanniter 45 Mal abends und nachts rausgefahren, um Suppe und Stullen, heißen Kaffee und Tee, Schlafsäcke und wärmende Kleidung an im Schnitt 57 Gäste – Wohnungslose und andere gesellschaftlich Abgehängte – zu verteilen. Und gleichzeitig mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

„So schaffen sie mit der bewusst niedrig und aufsuchend angelegten Hilfe eine Vertrauensbasis, die die Annahme von weitergehenden Hilfen erleichtert“, beschrieb Marius Mainzer, hauptamtlicher Regionalvorstand der Johanniter, in seiner Laudatio die Arbeit der Kältehelfer, die Everhartz und Hermanski ins Leben gerufen haben. „Die Menschen fühlen sich sozial ausgegrenzt und schaffen oft nicht allein aus diesem Zustand heraus“, berichtete Everhartz von den Erfahrungen des vergangenen Winters. Ganz bewusst verstehen sich die Kältehelfer als neuen Teil im bestehenden System der Wohnungslosenhilfe.

Das Preisgeld des Nachwuchspreises „Aachen Sozial“, 2000 Euro, wollen Everhartz und Hermanski als Startkapital für ein neues Auto nutzen, damit auch im nächsten Winter physische und psychische Wärme zu den Men-schen gefahren werden kann. 38 000 Euro fehlen dann allerdings noch.

Ganz anders und doch nicht weniger nachhaltig agiert die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen seit bereits 13 Jahren. Sie versteht sich als Plattform, auf der sich Menschen treffen können, um Aachen besser zu machen. Das kann ein Musical-Projekt wie „Floodlight Musicals“, das die Preisverleihung musikalisch bereicherte, sein oder das 2015 ins Leben gerufene Willkommen-Projekt für 400 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Die Gripsgymnastik für Senioren gibt es von Anfang an, das Projekt „Offenes Aachen“ für Demokratie, Menschenwürde und Vielfalt geht jetzt ins zweite Jahr. Insgesamt engagieren sich 350 Mitglieder und 120 Stifter in 23 Projekten“, konstatierte Laudator Manfred Kutsch, langjähriger Reporter des Aachener Zeitungsverlages. „Sich mit Mut neuen Herausforderungen stellen – dafür stehen die Bürgerstiftung und Geupel als Person.“

Der Preisträger sah die Bürgerstiftung vor allem als Antwort auf die zunehmende Verunsicherung der Menschen: „Wir initiieren Friedensprojekte als Reaktion auf die steigende Zahl von Kriegen, wir rufen Willkommen-Projekte ins Leben als Reaktion auf die wachsenden Flüchtlingsbewegungen und wir setzen Projekte für eine offene Gesellschaft gegen nationalistische und rassistische Bewegungen“, erklärte er und erntete damit reichlich Applaus vom voll besetzten Krönungssaal. Geupel bekam den Hauptpreis „Aachen Sozial“, dotiert mit 5000 Euro.

 

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