Muss Wehmeyer seine Zentrale bald verlassen?

Von: Stephan Mohne
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Folgt der Insolvenz bald die „Vertreibung”? Möglicherweise muss das Aachener Modeunternehmen Wehmeyer seine Zentrale am Rotter Bruch bald verlassen. Das Gelände wird vom Eigentümer, eine Firma aus Zypern, im Internet angeboten. Die Wehmeyer-Chefetage betont: „Die Verhandlungen laufen.” Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Geschichte von Wehmeyer begann vor 59 Jahren - in Aachen. Das war, als Paul Wehmeyer an der Adalbertstraße sein Modehaus eröffnete. Vergangenes Jahr hätte die Geschichte von Wehmeyer - mittlerweile ein 1100 Mitarbeiter starkes Unternehmen - beinahe ein Ende in der Insolvenz gefunden.

Die konnte abgewendet werden. Nun droht der Zentrale des Aachener Unternehmens am Heimatstandort das Aus. Grund: Das Logistik- und Bürozentrum der Textilkette am Rotter Bruch wird zum Verkauf - wahlweise zur Miete - angeboten. Die 1972 gebaute Zentrale gehört nämlich Wehmeyer gar nicht mehr. Sie wurde einst an eine Investmentfirma auf der Mittelmeerinsel Zypern verkauft und dann angemietet.

Auf einschlägigen Immobilienseiten im Internet findet man ein Exposé des Gebäudes, das als „derzeitiges Logistikzentrum der Firma Wehmeyer” annonciert wird. Wer Interesse hat, kann die Immobilie mit ihren mehr als 11.000 Quadratmetern Nutzfläche für 40.000 Euro Monatskaltmiete haben oder aber für acht Millionen Euro kaufen.

Nur: Das Haus steht keineswegs leer, vielmehr arbeitet das Modeunternehmen dort nach dem Neuanfang munter weiter. Zuletzt waren etwa 50 Angestellte dort tätig. Vom Rotter Bruch aus werden auch die Waren für die nach der Insolvenz erhalten gebliebenen Modehäuser - darunter natürlich das Stammhaus an der Adalbertstraße - verteilt.

Übernommen worden war Wehmeyer von der Firma „Techno Lifestyle” aus Willich bei Viersen. Erhalten werden konnten 23 Filialen mit rund 500 Mitarbeitern. Geschäftsführender Gesellschafter von Techno Lifestyle wie auch von Wehmeyer ist der indische Geschäftsmann Rajive Ranjan. Er hat sein Büro in Aachen - und will es auch nicht einfach aufgeben.

„Es steht noch nichts fest. Wir sind noch in Verhandlungen”, sagte er am Donnerstag auf Anfrage. Solange keine Vereinbarung getroffen sei, stehe es dem Vermieter natürlich frei, die Immobilie anzubieten. „Wir werden das Thema jetzt noch einmal angehen”, so Ranjan. Klar wurde allerdings auch, dass man nicht um jeden Preis in der bisherigen Zentrale bleiben werde. Sprich: Hohe Mieten ist man offenbar nicht bereit zu zahlen. Möglicherweise soll auf diese Art auch Druck ausgeübt werden, hieß es bei Wehmeyer.

So könnte bei einem Scheitern der Verhandlungen die Odyssee von Wehmeyer diesmal auch räumlich weitergehen. In Sachen Firmenanteile läuft diese Odyssee schon recht lange. 1988 kaufte Hertie 75 Prozent der Firmenanteile, doch 1994 wurde die Kaufhauskette dann vom Mitbewerber Karstadt geschluckt. Das Essener Unternehmen trennte sich im Zuge seiner ersten Krise 2004 von Wehmeyer und verkaufte an einen Investor. Im Juli 2008 musste aufgrund der anhaltenden Talfahrt des Textilhandels Insolvenz angemeldet werden. Einige Monate später übernahm Techno Lifestyle das Aachener Unternehmen.
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