Aachen - Musiktheater: Der berühmte weiße Elefant kann sogar Cello spielen

Musiktheater: Der berühmte weiße Elefant kann sogar Cello spielen

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
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„Requiem für einen weißen Elefanten“: Im Rahmen des Karlsjahres boten Musiker der Musikschule unter anderem mit zwölf Aachener Laienchören in St. Gregorius ein gewaltiges Musiktheater. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Im Jahr 802 erhielt Karl der Große von Harun-al-Rashid ein besonders kostbares Tier, einen weißen Elefanten. Dieser Elefant wurde im Rahmen des Karlsjahres besonders gewürdigt. Ein Musiktheater riesigen Ausmaßes beschäftigte sich unter dem Titel „Requiem für einen weißen Elefanten“ mit diesem Tier.

Die Musik stammte von Florian Zintzen, der Text von Marion Simons-Olivier. St. Gregorius in Steinebrück war bereits eine halbe Stunde vor Beginn voll, einige Besucher mussten stehen. Auffällig schon zu Beginn war die Bekleidung der Sängerinnen und Sänger des Projektchores sowie des Orchesters: Statt schwarzer Konzertkleidung erschienen alle Teilnehmer in weiß.

Denn Weiß ist die Farbe, „die alles in den Schatten stellt“, so sang der Chor schon in der Ouvertüre. In einer Kooperation von zwölf Aachener Laienchören und nicht chorisch aktiven Sängern, sowie Musikerinnen und Musikern der Musikschule Aachen, mit Unterstützung der F.-Victor-Rolff-Stiftung und der Gesellschaft der Musik- und Theaterfreunde zu Aachen e.V. ist dabei ein beeindruckendes Werk entstanden.

Rätselhafte Krankheit

Das Stück beschäftigt sich mit eben jenem weißen Elefanten (dargestellt durch den Solocellisten Rainer Bartz), der in Aachen erkrankt. Der Hofstallmeister (Bernd Müllender), ein Medicus (Thomas Reißen), ein Theologe (Bertin Setzer), ein Astrologe (grandios: Christian Cadenbach) und eine Heilerin (Renate Graus) rätseln, was dem Tier wohl fehlt. Jeder hat eine andere Vorstellung davon, was eigentlich Krankheit ist: „Krankheit ist der Zwist zwischen den Menschen und Gott“, stellt der Theologe fest, woraufhin die Gegenfrage im Raum steht, ob das denn auch für Tiere gilt.

Für den wirren, aber faszinierend aufdringlich gespielten Astrologen steht fest: „Krankheit ist ein Konflikt der Planeten in den Organen“ und der Medicus ist der Auffassung: „Krankheit ist die Abwesenheit von Gesundheit.“ Doch – wenn auch versteckt in bisweilen dadaistisch und surreal anmutenden Texten – schließlich stellt sich heraus, dass der Elefant nicht an einer Krankheit des Körpers, sondern an einer Krankheit des Geistes leidet – er hat Heimweh.

Und die laute und energisch ausgesprochene Aufforderung des Chores „Geb dem Elefanten, was dem Elefanten ist“, zeigt, dass man vielleicht eher auf die Bedürfnisse des Tieres, als auf die Repräsentationsforderungen des Kaisers Karl achten sollte, der zwar als graue Eminenz über dem Stück schwebte, aber als Figur nicht in Erscheinung tritt.

Auf die Frage, was man denn nun tun solle, um dem Elefanten zu helfen, kann der Hofstallmeister nur resigniert festhalten, dass Karl erneut zu einem Feldzug aufgebrochen ist. Im finalen und ausdrucksstärksten Stück des Theaters singt der Chor dann abschließend: „Wer heilt, hat Recht“, aber neben diesem in der Esoterik und Alternativmedizin soweit verbreiteten Satz, bleibt die Frage im Raum stehen, ob der Elefant überhaupt geheilt worden ist. Für die Sänger und Musiker gab es viel Applaus vom Publikum.

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