Musiker machen mobil: Schützt die Kultur!

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Sie handeln aus Liebe zu ihrer Stadt. Und sie sind besorgt. Aachens Künstler verfolgen genau, wie es um die Kulturlandschaft, um die Club-, Kneipen- und Kleinkunstszene steht. Mehrere Initiativen haben sich in den vergangenen Monaten gegründet, eine Neue ist nun dazugekommen.

Neun Aachener Musiker singen gemeinsam für den Erhalt der Öcher Kulturlandschaft. Seit wenigen Tagen steht das Video „Meine Stadt“ der Aachen Allstars 2014 auf Youtube online. Der Song ist mehr als eine unter die Haut gehende Hommage an die Kaiserstadt. Die Künstler verbinden das Lied mit einem konkreten Vorschlag: der Einrichtung von „Kulturschutzgebieten“ in der City, um die bedrohte Kleinkunst zu stärken.

Die Hiobsbotschaften um bedrohte oder schließende Kultstätten wie Jakobshof und Musikbunker haben Musiker Torsten Borrmann, viele Jahre lang Frontmann der Aachener Band „Organic“ und nun mit der Formation „Solo“ unterwegs, ins Grübeln gebracht. Anfang des Jahres brachte er seine Gedanken zu Papier, schickte eine erste Fassung an Jupp Ebert.

Aachens Kultsänger war gleich Feuer und Flamme. „Mit diesem Song spricht man junge und alte Menschen an“, sagt er im Gespräch mit der AZ. Schnell stiegen weitere Künstler mit ins Boot, und die Aachen Allstars waren geboren. Neben Borrmann und Ebert singen und spielen Heiko Mürkens und Svenja Kügler (Pearls & Pigs), Yann Le Roux (Lagerfeuer), Julia Stoll und Anne Pauly (The Tideline) sowie Martin Halemba und Markus Bothe (Solo) bei „Meine Stadt“ mit. Herausgekommen ist ein Werk, dass die Stimmungslage unter Aachens Künstlern und Kunstinteressierten sehr gut einfängt. Der Clip, komplett schwarz-weiß gedreht, greift die aktuellen Entwicklungen auf, erinnert an die „guten alten Zeiten“, blickt vor allem aber auch nach vorne. Kurz- um: Eine musikalische Liebeserklärung an die Stadt.

Doch die Künstler-Kombo begnügt sich nicht mit dem knapp vierminütigen Song. Die Initiative schlägt den Verantwortlichen in der Stadt die Gründung von „Kulturschutzgebieten“ vor. „Wir wollen mit den unterschiedlichen Aktionen den Politikern klarmachen: Sie stehen weiter im Fokus. Wir beobachten, was in Sachen Kultur in Aachen passiert“, betont Borrmann. Die konkreten Vorschläge lauten: zeitliche Sonderregelungen für Kunst- und Musikveranstaltungen bis maximal 23 Uhr (statt 22 Uhr) in der City unter Berücksichtigung des Lärmschutzes, unbürokratische Anmeldung von Kulturevents, eine besser abgestimmte Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt, eine stärkere finanzielle Förderung der lokalen Kunst- und Musikszene und vor allem mehr „Dialog statt Verbot!“

Ein Flashmob mit 20 Bands, die vergangenen Mittwochabend spontan 20 Minuten an Plätzen in der City spielten, hat ebenfalls auf die Wünsche und Belange der freien Kulturszene aufmerksam gemacht. Hunderte Schaulustige verfolgten die Mini-Konzerte, darunter auch zahlreiche Ratspolitiker und Oberbürgermeister Marcel Philipp, die im nahen Ratssaal tagten. Die federführende Initiative „Macht mal Lärm in dieser Stadt“ von Organisator Kristof Mittelstädt möchte mit solchen und weiteren geplanten Aktionen das Thema auf der Agenda halten.

Das Symbol der Aachen Allstars und ihrer Vorschläge ist ein knallig-gelber Aufkleber mit der Aufschrift „Kulturschutzgebiet“. Diesen verteilen die Akteure derzeit in der Stadt. „Es gibt den klassischen Denkmalschutz, warum soll es dann nicht auch Kulturschutz geben?“, gibt Borrmann zu bedenken. Man wolle nicht nur meckern und kritisieren, unterstreicht auch Ebert. „Wenn du nichts tust, bewegt sich nichts“, sagt er. Der Song „Meine Stadt“ soll mit dazu beitragen, Stillstand in der Stadt zu verhindern.

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