Freizeittipps

Musikbunker steht bald zum Verkauf

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
6912348.jpg
Der Musikbunker an der Goffartstraße im Frankenberger Viertel. Hier wie im Bunker an der Junckerstraße proben viele Aachener Bands. Das kulturelle Angebot wäre bei einem Verkauf der Bunker in Gefahr, fürchten die Aachener Grünen.

Aachen. Passend zum prominenten Objekt könnte man sagen: Die Nachricht schlug am Mittwoch ein wie eine Bombe. Zumindest bei ungezählten Klangkünstlern in der Stadt. Allerdings eine mit einer speziellen Art von Zeitzünder.

Fakt ist nämlich: Bereits im September hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben der Stadt mitgeteilt, dass nun auch die Bunker an der Goffartstraße und an der Junkerstraße verkauft werden sollen – und die werden bekanntlich vom Verein Musikbunker als Konzert- und Probestätten für hunderte Bands aus der Region bereitgestellt. Die Verwaltung gab die Info umgehend an die Politiker im Liegenschaftsausschuss des Rates weiter – und ließ wissen, dass sie keine Ambitionen hege, die Kriegsrelikte zu erwerben. Reaktion zunächst: keine. Jetzt aber brachte der Paukenschlag die Grünen in Wallung. Sie wollen einen Ratsantrag einbringen mit dem Ziel, dass die Stadt die Bunker notfalls selbst erwirbt, um den Fortbestand der Rock-Refugien für rund 200 Bands in der Region zu gewährleisten. Und dafür stehen die Chancen offenbar doch nicht so schlecht.

Denn: „Das Musik- und Veranstaltungsangebot dort muss unbedingt erhalten werden“, begründet Grünen-Ratsfrau Aida Beslagic den Vorstoß. „Der Verein Musikbunker leistet einen äußerst bemerkenswerten Beitrag zur kulturellen Bildung, gerade für junge Menschen.“ Schon angesichts jüngster Meldungen über anstehende Schließungen einschlägiger Clubs wie Aoxomoxoa oder Jakobshof müsse die Stadt alles tun, um die wichtige Plattform für Live-Kunst zu sichern. Zumal: „Wenn ein privater Investor die Bunker kaufen würde, würden sie wahrscheinlich zwecks Wohnungsbau abgerissen“, befürchtet Besagics Fraktionskollegin Tina Hörmann. „Das würde reichlich Widerstand im Umfeld hervorrufen, wie wir es gerade erst bei den Neubauprojekten an der Sandkaulstraße und an der Rütscher Straße erlebt haben.“ Allerdings sei sie sehr zuversichtlich, dass ein Ratsbeschluss zum Kauf der Immobilien im parteiübergreifenden Konsens gefasst werde.

Dass der Bund durchaus willens wäre, der Stadt den Zuschlag vor anderen Interessenten zu erteilen. bestätigte Jochen Altrogge, Leiter des zuständigen Verkaufsteams bei der Bundesanstalt in Köln. „Wir sind sehr interessiert an einer Übernahme und haben bereits Gespräche mit der Stadt und dem Verein geführt. Es ist uns durchaus bewusst, dass in den Musikbunkern wichtige kulturelle Arbeit geleistet wird.“ Nun müsse zunächst per Gutachten geklärt werden, wie hoch der Verkaufswert der beiden Objekte zu veranschlagen sei. Auf dessen Basis sei der Bund bereit, der Stadt die Objekte zu überlassen. „Es gibt noch kein öffentliches Gebotsverfahren“, betont Alt-rogge. Kommt hinzu, dass ein Abriss nicht nur technisch schwierig würde. Der Bunker an der Frankenburg steht unter Denkmalschutz.

Dass eine Bestandsgarantie auch für die Bands und den Verein zu erreichen ist, glaubt auch Lars Templin, Geschäftsführer des Musikbunker-Vereins. „Wir sind da guter Dinge“, sagt er. „Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass der Verein selbst die Bunker, gegebenenfalls mit Hilfe durch die Stadt, erwirbt.“ Zumindest die nachdrückliche Unterstützung der Kulturpolitiker dürfte dem Verein sicher sein: Erst vor wenigen Wochen hatten sie sich im Kulturausschuss höchst beeindruckt gezeigt von der enormen Anziehungskraft der Bühne an der Burg. Rund 40 000 Besucher zählt der Musikbunker pro Jahr, rund 100 Live-Konzerte finden dort alljährlich statt. Viele bundesweit angesagte Kombos geben sich seit Jahr und Tag auf der großen Bühne im Frankenberger Viertel die Ehre. Und: Immerhin 600 Mitglieder zählt der Verein. Im Ganzen, schätzt Templin, nutzen rund 1000 Musiker die Proberäume regelmäßig. „Und wir werden alles daran setzen, dass das auch so bleibt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert