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Musikbunker: Stadt will rasch Gespräch mit Klägerin suchen

Von: Stephan Mohne und Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Großer Andrang vorläufig ausgeschlossen: Ruhe bewahren heißt vorläufig das Motto rund um den Musikbunker an der Rehmannstraße.
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Kämpft für die Zukunft des Musikbunkers: Geschäftsführer Lars Templin.

Aachen. Ungeachtet jüngster Hiobsbotschaften: Auflegen statt aufgeben lautet die Devise im Musikbunker auch am kommenden Wochenende. Von wegen untot. Am Freitag sollen termingerecht diverse Zombies den Betonkomplex an der Rehmannstraße zum Vibrieren bringen.

Hinter den dicken Außenwänden, versteht sich. Das DJ-Ensemble „Sex on the Beats“ präsentiert mit „Zombie Squad“ aus Großbritannien auf der großen Bühne Techno, Electro, Rap und mehr. Am Samstag lässt „Bass Wreckage“ die Plattenteller rotieren.

Im Büro hinterm Bunker drehte sich derweil auch am Mittwoch alles um die weitere Zukunft des Kulturhorts an sich. „Wir appellieren mit allem Nachdruck an die Fans, sich vor der Tür so leise wie möglich zu verhalten“, sagte Lars Templin, Geschäftsführer des Vereins Musikbunker, am Mittwoch aus gegebenem Anlass. Denn der Schock über den zumindest vorläufigen Beschluss des Verwaltungsgerichts, Partys und Konzerte mit mehr als im Ganzen 138 Gästen in den beiden Veranstaltungsräumen neben der Frankenburg vorerst zu untersagen, saß auch Mittwoch noch tief. Wann die Beschwerde einer Anwohnerin gegen die Stadt wegen permanenter Ruhestörungen endgültig beschieden wird, ist offen. Vor Mitte des Jahres ist mit einer Entscheidung wohl nicht zu rechnen, schätzt Gerichtssprecher Dr. Frank Schafranek.

So oder so muss nun schnell etwas geschehen, denn auf längere Sicht darf es im Bunker keine größeren Veranstaltungen mehr geben – der Beschluss des Gerichts gilt sofort. Und so stellten sich Vertreter des Ordnungsamts, der Bauaufsicht und des Rechtsamts einem von unserer Zeitung übermittelten Fragenkatalog. So etwa der Frage, warum die Stadt nicht adäquat reagiert habe, wenn – wie es die Klägerin vorbringt – bereits seit acht Jahren ohne sichtbaren Erfolg Beschwerde geführt wird. Die Stadt widerspricht hier deutlich. Ja, es habe Beschwerden gegeben. Diesen sei man seitens der Stadt stets nachgegangen. Ab Mitte 2012 habe es verstärkt Beschwerden gegeben. Daraufhin seien Gespräche mit dem Musikbunker e.V. und den damaligen Beschwerdeführern geführt worden. Kontrollen des Ordnungsamtes seien verstärkt worden – und fänden im Umfeld des Frankenberger Parks auch heute noch statt. „Bis auf eine Ausnahme am 8. März 2013 sind der Stadt keine Beschwerden mehr bekannt“, berichtet Stadtsprecher Hans Poth.

Im Bürgerforum am vergangenen Dienstag war indes die Frage aufgekommen, ob die Polizei am Bunker Präsenz zeigen könne, um Lärm im Keim zu ersticken. Bei Alemannia-Spielen am Tivoli tue sie dies ja schließlich auch. „Das sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe“, so Polizeisprecher Paul Kemen auf Nachfrage. Im Bunker handele es sich um „Innenveranstaltungen“, hier sei der Veranstalter verantwortlich für Sicherheit und Ordnung. Es gebe keinen „polizeilichen Grund, den Veranstalter in anderem Maße zu betreuen“, so Kemen. Warum 2013 plötzlich eine neue Baugenehmigung ausgesprochen wurde, lautet eine weitere Frage an die Stadt. Dies, so Poth, sei auf den Wunsch des Musikbunkers zurückzuführen, Veranstaltungen mit mehr als 150 Personen zu organisieren. Dem Verein sei empfohlen worden, einen neuen Bauantrag zu stellen und eine neue Hausordnung zu erlassen. Die Genehmigung sei dann im April 2013 ergangen. Allerdings hatte es längst davor größere Partys und Konzerte gegeben. Die seien – sofern mehr Menschen da waren – dann rechtwidrig gewesen, so die Stadt.

Entscheidend wird nun sein, ob Kompromisse gefunden werden können. Die Klägerin hatte sich dem im Bürgerforum nicht verschlossen. Laut Hans Poth ist auf Dezernentenebene bereits genau darüber gesprochen worden. Und offenbar will die Stadt nun direkt an die Klägerin herantreten und das Gespräch suchen, um Möglichkeiten auszuloten und Vorschläge zu unterbreiten. So könnte es über die vorhandenen noch verstärkte Kontrollen geben. Oder auch Lärmmessungen im Umfeld des Bunkers – um nur Beispiele zu nennen. Ebenfalls soll es bereits am Freitag ein Gespräch mit Lars Templin geben. Dieses sei im Übrigen vor dem Gerichtsbeschluss terminiert gewesen. Es sollte ursprünglich um Verkauf und Kauf der beiden Bunker Rehmann- und Junkerstraße gehen. Die Tagesordnung ist nun verständlicherweise noch erweitert worden.

Sollte der vorläufige demnächst auch der endgültige Beschluss sein, bleibt die Frage: Muss das auch Konsequenzen für andere Örtlichkeiten haben, an denen Menschentrauben nächtens für Unruhe sorgen – Pontstraße, Markt, Hof, Blondelstraße und andere? Für die Pontstraße wohl eher nicht, so die vorläufige Einschätzung der Stadt. Es handele sich um ein „Kerngebiet mit einem anderen Charakter“. Dasselbe gelte wohl auch für Markt, Hof und Blondelstraße. Man werde aber noch konkret zu prüfen haben, ob und, wenn ja, für welche Bereiche der Beschluss in Sachen Musikbunker Auswirkungen welcher Art auch immer haben könne. Ob die Stadt Beschwerde gegen den Beschluss einlegt, ist noch offen. Bis zum 3. Februar muss dies entschieden sein.

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