Murmelkunst ist für alle eine runde Sache

Von: Sebastian Dreher
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Schwere Kunst - im Wortsinne: Für Antje Warnstorffs Murmeln ist ein Kran nötig, um sie im Kennedypark auszurichten. Das Kunstwerk ist Teil des Projekts "Go East". Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Eine Tonne massiver Beton wird langsam in das Fundament hinabgelassen. Vor, zurück - ein zielgerichtetes Drücken von der Seite, dann sitzt die große Kugel an ihrem Platz inmitten von neun kleineren Ebenbildern. Das Kunstprojekt „Migration der Spiele” ist eins von vier Aktionen, die das Atelierhaus Aachen e.V. (AHA) zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern des Stadtteils Aachen-Ost auf die Beine stellt.

„Spiele sind sprach- und kulturübergreifend”, erklärt Künstlerin Antje Warnstorff. „Hüpfspiele wie unser Himmel und Hölle oder das Treiben eines Rades mit einem Stock gibt es in so gut wie jeder Kultur. Ich habe bei diesem Projekt das Murmelspiel als Vorlage gewählt.”

Und wirklich, die vielen kleinen Kugeln reihen sich wie hingeworfen um die große. Beim Umrunden des Kunstwerks scheinen sie in Eigendynamik erst vom Mittelpunkt weg und dann wieder zurück zu driften.

Die neun kleinen Objekte stehen für die neun am Projekt beteiligten Ortsvereine des Stadtteils und die große Weltkugel für die allen Kulturen innewohnende Gemeinsamkeit der Spiele. Beim sogenannten „Multikultifest” am 27. Juni startet die mit den Ortsvereinen abgesprochene Gestaltung der Betonbälle. „Es war eine große Herausforderung, die Vereine für das Projekt zu gewinnen”, sagt Warnstorff. „Die Akquise machte einen großen Teil des Projektes aus.”

Doch auch die Ausführung war aufwendig. Zunächst mussten Negativformen aus Gips hergestellt werden, in die eine spezielle Betonmischung gegossen werden konnte. Danach wurden die Kugeln in bis zum Rand mit Sand gefüllte Holzkisten eingelagert. Für die Endmontage hat einer der Ortsvereine einen Kran zur Verfügung gestellt.

Unter dem Namen „Go East” sind im Rahmen des Förderprogramms zur Stadtteilerneuerung Aachen-Ost weitere drei Projekte geplant. „Das Schöne an Go East ist, dass es so viele unterschiedliche Menschen anspricht”, sagt Nadya Bascha, Geschäftsführerin des AHA.

„Lachen” stellt in einer Collage die in Seniorenheimen „gesammelten” Lachfalten als Gipsabdrücke aus. „Holz, Stahl und Farbe” wendet sich eher an die Männer des Stadtteils, die vom 21. bis zum 27. Juni an einer gemeinschaftlichen Säge- und Schweißkonstruktion arbeiten. In diesem Rahmen kann kostenfrei der offizielle „Kettensägenschein Modul A” erworben werden.

Im Gegenzug sollen sich Frauen unterschiedlicher Nationalität bei dem Projekt „Mit neuen Augen sehen” an ortsbezogener Kunstarbeit in Form von Skulpturen und Bildern versuchen.

Am Sonntag, 4. Juli, präsentiert das AHA ab 12 Uhr in St. Fronleichnam und beim anschließenden Kunstrundgang alle im Rahmen des Projektes entstandenen Werke.
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