Aachen - Mundartverein: Öcher Platt war seiner Zeit voraus

Mundartverein: Öcher Platt war seiner Zeit voraus

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
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Empfang anlässlich des 110. Geburtstages im Stauferkeller: Manfred Birmans und Hein Engelhardt erwiesen dem Platt und ihrem Verein die Ehre. Foto: Andreas Schmitter
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Applaus der Gäste: Ein stattliche Schar hatte sich zum Gratulieren eingefunden.

Aachen. „Monndes ovvends een d’r Keller“, sang Udo Schroll und der voll besetzte Stauferkeller im Haus Löwenstein sang lauthals mit. Noch war es zwar nicht Montagabend, sondern Montagvormittag, aber viele freuten sich beim Geburtstagsempfang des Vereins „Öcher Platt“ auf den Stammtisch am Abend, „wenn sich die Leute hier gegenseitig Gedichte vortragen“, wie Vorsitzender Manfred Birmans den Gästen auch nach fast 30 Jahren Vereinsmitgliedschaft immer noch fast ungläubig erzählte.

Mit „Frauenbrüdern“ (Brötchen und Schwarzbrot mit „jaaanz“ dünn Leberwurst dazwischen) und Sekt, Literarischem und Musik feierten die Vereinsmitglieder und Gäste 110 Jahre „Öcher Platt e.V. – Verein für Aachener Mundart und Volkskunde“.

Denn wenn auch viele die Aachener Mundart oder das, was sie dafür halten, ausschließlich im Karneval erleben, ist die „Modderesproech“ deutlich facettenreicher und tiefgründiger als manch ein Zugereister denkt. Hein Engelhardt, Urgestein des Vereins und Autor von mindestens 2500 Gedichten in Öcher Platt, ist dafür der beste Beweis. Natürlich bekam auch er beim Festakt seinen Auftritt. Und Birmans erntete reichlich Applaus, als er sagte: „Jedes Jahr gehen 200 Sprachen verloren, wir müssen unsere Muttersprache schützen.“ Sehr viele andere Identifikationspunkte habe die Stadt schließlich nicht, wie er halb scherzhaft anfügte.

Das sahen vielleicht auch die 81 Aachener schon so, die sich 1907 auf der ersten Mitgliederliste haben eintragen lassen – „angesprochen von einem anonymen Eingesandt, wir würden heute Leserbrief sagen“, berichtete Vereinsarchivarin Angelika Pauels. Und als gutes Omen schob sie hinterher: „Schon in der ersten Satzung wurde festgehalten, dass Männer und Frauen gleichberechtigt im Verein sind.“ Also trauerten die Gründer nicht Vergangenem hinterher, sondern waren ihrer Zeit weit voraus – Ansporn und Aufgabe für die heutigen Verantwortlichen zugleich.

Was sie veranlasst, zu forschen, zu dichten und vor allem immer wieder zu „mullen“, fasste Mundart-Sänger Schroll so zusammen: „Os Modderesproech es ene jölde Schatz, jans dejjp een os Öcher Hazz. Dröm Sprejch di Platt, hau et een Iehr, dan leävt os Modderesproech evvig wijjer.“ Da konnten nur alle wieder inniglich einstimmen.

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