Aachen - Mullefluppet-Preisträger: Aus der zweiten Reihe mitten ins Rampenlicht

Mullefluppet-Preisträger: Aus der zweiten Reihe mitten ins Rampenlicht

Von: Hans-Peter Leisten
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Der Mullefluppetpreis ging in diesem Jahr an Ralph Mühlmann. Foto: Michael Jaspers
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Zum Finale das Mullefluppet-Lied: Kuratoriumsmitglied Michael Cosler sang auch zu Ehren der Familie Mühlmann – Sabine, Jana und Ralph (3. bis 5. von links) – unterstützt von der Kapelle „Die Drei“ und seinen Mitstreitern. Foto: Michael Jaspers
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Mann mit Stimme und Gefühl: Jupp Ebert sang zu Ehren seines Nachfolgers zwei Öcher Lieder. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Darf man sagen, dass ein Mann in der zweiten Reihe genau richtig aufgehoben ist? Zumal, wenn er an einem Abend wie kein zweiter in unserer Stadt im Rampenlicht steht? Man darf. Denn Ralph Mühlmann steht von Berufs wegen in der zweiten Reihe – es sei denn, er bekommt den Mullefluppetpreis verliehen.

Und da geht diese Rechnung auf. Donnerstagabend, Saalbau Kappertz, Verleihung des 33. Mullefluppet-Preises, und Ralph Mühlmann sieht alle Scheinwerfer und Blicke auf sich gerichtet. Der Paketzusteller bei DHL darf an diesem Abend ausnahmsweise mal einstecken statt auszuteilen: Komplimente, Glückwünsche, Preisgeschenke und vor allem den donnernden Applaus des Publikums und da ganz besonders den von Frau Sabine und Tochter Jana.

Ralph Mühlmann war „Opfer“ einer Reportage, die der frühere Regierungspräsident von Köln, Franz-Josef Antwerpes, als Kolumnist unserer Zeitung verfasst hatte. Und zwischen den Zeilen hatte das Mullefluppet-Kuratorium unzweifelhaft erkannt, dass der DHLer genau die Tugenden verkörpert, die ein Mullefluppet haben muss: Er ist sympathisch, lächelnd, freundlich, witzig und zuweilen auch schlitzohrig. Und das Kuratorium, bestehend aus Marga Render, Christian Mourad, Dieter Kaspari, Michael Cosler und Robert Esser hatte keine zweite Meinung.

Vor allem nicht, da es seit diesem Jahr ein neues Mitglied in seinen Reihen begrüßt: Anstelle des ausgeschiedenen Albert Henrotte komplettiert Ina Gröbner das Team. „Eine Rampensau im besten Sinne“, charakterisierte Mourad die Ur-Aachenerin, die nicht nur bei der Tropigarde und der Erholungsgesellschaft Eilendorf Bühnenerfahrung gesammelt hat, sonder auch als Thouet-Mundartpreisträgerin ihre Platt-Fähigkeiten außer Konkurrenz gestellt hat. Auch sie ist ein Mühlmann-Fan.

So ist dieser Zweitereiheparker eben auf der Bühne gelandet. Bevor er beweisen kann, dass er sich auch da offensichtlich pudelwohl fühlt, kann er eine Stunde lang ganz entspannt den ersten Teil des Programms genießen, das das Kuratorium nicht nur geschrieben, sondern zu weiten Teilen auch selbst inszeniert hat. Zum Beispiel die beiden Lieder, die Vorjahrespreisträger Jupp Ebert mit nie nachlassender Emotionalität intoniert: „Alemannia olé“ und „Mi Oche“. Oder den Sketch in bester Manier einer Volksbühne, bei dem mit viel Öcher Hazz turbulente Fehlversuche einer Paketzustellung für laute(r) Lacher sorgen. Also doch alles andere als einfach, dieser Job von Ralph Mühlmann.

Als Gruß aus der Redaktionsküche wird per Video in Einzelportionen ein „Best of Mullefluppet“ von den Mitgliedern unserer Lokalredaktion kredenzt. Genau wie der Filmbeitrag, der in Rückblende zum Soerser Brunch beim diesjährigen CHIO dokumentiert, wie der damals ahnungslose Ralph Mühlmann auch bei sommerlichen Temperaturen heftig aufs Glatteis geführt wurde. So sehr ihn die Antragung des Mullefluppetpreises damals überraschte, so sehr hat er sich zugleich darüber gefreut.

Jetzt hat er den Salat. Nach einer Stunde muss er sich vom Stuhl und aus dem Schutz seiner Familie heraus auf die Bühne bewegen und sich einem Quiz zu Postleitzahlen und Zustellungsvarianten stellen. Die erste Hürde nimmt er – nicht immer perfekt, aber stets sympathisch-charmant. Auch die Laudatio von Robert Esser, Redakteur, Kuratoriumsmitglied und mit Christian Mourad Moderator des Abends, zaubert Ralph Mühlmann ein Lächeln nach dem anderen ins Gesicht.

Überhaupt müsste dieses Lächeln als unveränderliches äußeres Kennzeichen in seinem Personalausweis stehen. Damit – so die Laudatio – kontert er auch jede Politesse aus, wenn er eben mal wieder in zweiter Reihe steht. Geboren am 21. Mai 1964, habe der kleine Kirps zunächst nur einen Berufswunsch gehabt – Weihnachtsmann! Die Sache mit den Paketen muss ihm also irgendwie im Blut liegen: „Für Ralph Mühlmann ist jeden Tag Weihnachten. Immer, wenn er arbeiten darf und Geschenke, also Pakete, verteilt. Ist das nicht toll?“, fragt Robert Esser eher rhetorisch.

Bei allen Witzen und eingespielten Gags gibt die Laudatio aber auch einen imposanten Einblick in die Arbeitsleistung dieses Mannes: Bis zu 300 Pakete stellt er täglich zu. Bei einem Höchstgewicht von 31,5 Kilo macht dies bis zu neun Tonnen Schlepperei am Tag. Und die Kilometerleistung? Nicht die seines Wagens, sondern die seiner Füße? 27.000 pro Jahr! „Und wissen Sie, was sein Hobby ist?“, fragt der Laudator: „Joggen. Kein Witz.“

Wohl auch deshalb macht Ralph Mühlmann eine gute Figur. Im Dienst wie anschließend bei seiner Dankesrede („Die habe ich ganz alleine geschrieben“), bei der er zunächst von seiner ungeheuren Nervosität spricht, sich diese aber dann nullkommanull anmerken lässt. Er zitiert kurz den Komiker Heinz Erhardt („Es ist leichter, den Mund zu halten als eine Rede“) und erzählt dann von sich selbst. Der Mann bekennt sich zu seinem Öcher Slang und seinem Lieblingswort mit den drei G-Varianten: „Fluchzeuschträjer“.

Er ist das Gegenmodell zum Selbstdarsteller, geerdet, ehrlich und selbstironisch. Wie er beispielsweise nach einer Zustellung seinen Wagen vermisste, der sich auf Verlautenheide selbstfahrend Richtung Würselen aufgemacht hatte. Ohne jede Handbremse ruft er jene Zeiten in Erinnerung, als der Postbote auch noch die Rente auszahlte. Da habe es dann auch schon mal ein Schnäpschen gegeben…

Rund um den Theaterplatz

Verzählt hat sich der Postbeamte aber nie, verfahren sowieso nicht. Und das liegt nicht daran, dass Ralph Mühlmann wie zu Beginn seiner Ausbildung auch heute den Bezirk rund um den Theaterplatz sein berufliches Zuhause nennt. Dort wird er gewiss in den nächsten Tagen manch anderes Gespräch führen – nach dem Donnerstagabend. Dies wird er gewiss dann in der zweiten Reihe stehend machen. Aber er kann dann auch getrost und ohne jede falsche Bescheidenheit davon berichten, dass er im Saalbau Kappertz ohne Abstriche in der ersten Reihe stand.

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