Mullefluppet-Preis für Hubert Coonen

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
mullefluppet coonen 2013
Jetzt strahlt er wieder: Hubert Coonen, Vorsitzender des Kleingartenvereins Groß Tivoli (heute Berensberg). Foto: Jaspers

Aachen . „Ist wohl nicht mein Tag“, seufzt der Ärmste. Und kann nicht ahnen: Selbst damit liegt er völlig daneben! Denn gerade erst hat Hubert Coonen, stolzer Vorsitzender der Kleingartenanlage Groß Tivoli, gleich drei Hiobsbotschaften einstecken müssen. Als hätte er nicht genug Stress gehabt mit „denen da oben“. Aber nicht doch: Trotz seiner 68 Lenze haut den Mann so leicht eben nix um.

Zum Glück! Schließlich wird Hubert Coonen am 28. März mit dem Mullefluppet-Preis ausgezeichnet. Dies bekommt er am Mittwoch sicherheitshalber noch einmal Schwarz auf Weiß. Weil‘s die einzige „Drohung“ ist, die nach diesem eiskalten Morgen in Berensberg und vielen eiskalten Flunkereien in die Tat umgesetzt wird. Denn alles andere, was die bestens getarnten Abgesandten des Mullefluppet-Kuratoriums ihrem beständig um Fassung ringenden Opfer am Dienstag verklickert haben, kann man getrost als dreistes Lügengestrüpp in die Biotonne kloppen. Schließlich ist es Tradition, dass die Preisträger vor dem Fest bei Kappertz aufs Glatteis geführt werden.

Deshalb herrscht im neuen Kleingartenparadies, das Coonen und seine Kollegen nach ihrem zwangsläufigen Umzug von der Krefelder Straße ins Naturschutzgebiet an der Berensberger Straße gepflanzt haben, erst mal alles andere als „Friede, Freude, Eierkuchen“: AZ-Redakteur Manfred Kutsch und Komplizen haben die Macher der gleichnamigen Dokumentation über die Verbannung der Kleingärtner vom Tivoli, apropos Ente, als Lockvögel geschickt.

Die Filmemacher Miriam Pucitta und Michael Chauvistré gaukeln dem (noch) hocherfreuten Gartenfreund Coonen vor, dass sie den erfolgreichen Streifen am neuen Standort fortsetzen wollen – Komödie statt Reportage! Coonen schöpft auch keinen Verdacht, als Kutsch sich prompt mit ein paar Kollegen zum Interview anmeldet. Und ihn am Rand seines zugefrorenen Fischteichs gleich aufs Glatteis führt: Laut Kleingartengesetz sei dessen Verbleib jetzt untersagt – wegen schädlicher Bakterien. Da bleibt der wackere Naturfreund noch cool. „Notfalls muss man den Teich mit einem Zelt tarnen“, raunt er schelmisch, als er vernehmen muss, dass „Zuwiderhandlungen“ mit 5000 Euro Strafe sowie sofortigem Ausschluss geahndet werden. Wär‘ ja noch schöner.

Viel schlimmer kommt‘s statt dessen. Der zweite Streich folgt in Gestalt von zwei (tatsächlichen) Mitarbeitern des (tatsächlichen) „Fachbereichs Geoinformation und Bodenordnung“, die ihre Geräte ins Grün direkt vor Coonens Nase rammen. Alfred Esser und Volker Hinz werden von einem gewissen Herrn Käsmacher übers Gras gescheucht, der seine wahre Identität hinter einem hanebüchen falschen Bart und dunkler Brille versteckt. Der ziemlich unwirsche vermeintliche Fachbereichler, alias Kuratoriumsmitglied Michael Cosler, verklickert dem völlig perplexen Kleingärtner eine schockierende Überraschung, die zum Himmel stinkt. „Hier kommt eine große Biogasanlage hin – da haben wir Platz für Turbinen, Hochsilos, Wärmepumpe und so.“ Und für die dreispurige Erschließung. Immerhin sollen bald wöchentlich 7000 Tonnen reinsten Mistes angekarrt werden...

„Ich glaub‘s nicht“, sagt Coonen. Und glaubt‘s. „Das wird herrlich, wenn die Silos in der Sonne glitzern und den Blick nach Holland verdecken“, stöhnt er, ziemlich erblasst. Und es klingelt noch immer nicht, als plötzlich sein Handy bimmelt. Am Apparat: CHIO-Chef Frank Kemperman persönlich. Sorry – aber als Ordner am Portal zum Turniergelände sind Coonens Dienste nicht mehr gefragt. Auch wenn er den „Job“ seit 35 Jahren mit Leidenschaft macht. Hübsche Mädchen sind halt telegener. Derlei Dreistigkeit dürfte jeden Oxer umhauen – nicht Hubert Coonen. „Ich zieh‘ jedenfalls kein Röckchen an“, sagt er schmunzelnd. Und – siehe oben: „Ist wohl nicht mein Tag.“

Falsch! Denn die letzte „Delegation“, die das seltsame Ensemble im Kleingarten-Idyll lautstark komplettiert, hat statt böser Botschaften ein launiges Liedchen auf den Lippen: „Hubeääät, schenk uns nen Gartenzwerg“, trällert das fiese Trüppchen alias Mullefluppet-Kuratorium – und hat „Käsmachers“ Chefin alias Umweltdezernentin Gisela Nacken ebenso als „Stargast“ im Schlepptau wie Frank Kemperman.

Bei Sekt und Häppchen, serviert von Hans Holland, können beide dem sichtlich gerührten Menschen glaubhaft versichern, dass Kutsch diesmal nicht flunkert: „Wir freuen uns mächtig auf den Mullefluppet-Preisträger 2013!“ Da hört man ein paar Steine von Hubert Coonens Herzen purzeln. „Ich bin fix und fertig“, sagt er, verdrückt ein Tränchen – und lacht. Nicht sein Tag? „Diesen Tag werd‘ ich jedenfalls nie vergessen!“

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