Müttercafés: Für viele wie ein zweites Zuhause

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Stellt sich vielen Aufgaben im Dienste der Kinder und Mütter: Britta Mohr. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Seit 2002 leitet Britta Mohr das Müttercafé des Kinderschutzbundes. In ihrer täglichen Arbeit sind sie und ihr Team mit vielen Anliegen der Mütter, die aus allen Teilen der Welt kommen, konfrontiert. Im Samstagsinterview mit Svenja Pesch sprach sie über ihren Berufsalltag und den Stellenwert der Einrichtung.

Seit wann gibt es das Müttercafé?

Mohr: Das Müttercafé wurde im Dezember 2002 gegründet. Anfänglich noch im Bürgerzentrum in der Schleswigstraße. Gemeinsam mit zwei Studentinnen haben wir das Ganze aufgezogen. Damals kamen pro Tag ein bis zwei Mütter zu uns. Erst Stück für Stück und dank viel Mund-Propaganda wurden es mehr.

Wie kam es zur Gründung eines Müttercafés?

Mohr: Die Idee kam damals vom Jugendamt. Es wurde eine Anlaufstelle benötigt, zu der Familien kommen konnten, bevor es in den Kindergarten oder die Schule ging. Vor allem Mütter wünschten sich eine Einrichtung, die sich an ihre Bedürfnisse richtete. Zudem sollte es eine nicht städtische Anlaufstelle sein. Wir als Kinderschutzbund haben letztlich den Zuschlag bekommen, und somit war das Müttercafé gegründet.

Wie viele Mütter besuchen heute die Einrichtung?

Mohr: Das sind richtig viele. Im Jahr 2007 sind wir aus den Räumlichkeiten des Schleswigheimes in die Düppelstraße umgezogen, da die Räumlichkeiten einfach zu klein wurden, denn die Besucherzahlen stiegen stetig. Aber auch nach dem Umzug mussten wir den Ansturm regeln. An einem Tag im November zählten wir 40 Mütter mit 56 Kindern. Danach haben wir festgelegt, dass mit 25 Müttern und ihren Kindern unsere Kapazitätsgrenze für einen Vormittag einfach erreicht ist. Personalmäßig kümmert sich ein fünfköpfiges Team, bereichert durch Studentinnen, um die Mütter.

Was sind die Anliegen der Frauen?

Mohr: Die sind ganz verschieden. Im Vordergrund stehen Austausch und Begegnung. Uns vom Team ist es wichtig, Beziehungen zu den Frauen aufzubauen, denn Beziehung schafft den Rahmen für vertrauensvolle Arbeit, um Probleme und Sorgen zu thematisieren. Sehr häufig geht es um Erziehungs- und Gesundheitsfragen, um behördliche Dinge, Wohnungs- und Geldangelegenheiten sowie ganz alltägliche Dinge. Es gibt eigentlich nichts, was nicht gefragt wird oder bei dem wir um Hilfe gebeten werden. Wir arbeiten mit vielen Stellen in Aachen Hand in Hand. Die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen im Kinderschutzbund, dem Jugendamt und den Anlaufstellen aus dem Stadtteil ermöglichen den Familien eine schnelle und unbürokratische Unterstützung bei Themen, die die Kapazitäten des Müttercafés sprengen würden.

Ins Müttercafé kommen Frauen aus völlig verschiedenen Nationen. Wie klappt das Miteinander?

Mohr: Um eine Gemeinschaft mit vielen unterschiedlichen Kulturen und Werten zu genießen, bedarf es Regeln, an die sich jeder zu halten hat. Wir erwarten einen respektvollen, freundlichen und toleranten Umgang miteinander. Spannungsfelder wie religiöse und politische Themen werden bei uns nicht thematisiert. Das ist die persönliche Sache jeder einzelnen Frau. Aber auch bei uns gibt es ab und an Probleme.

Welche sind das?

Mohr: Eines der größten Probleme liegt in der Verständigung. Wir haben viele Frauen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund. Die deutsche Sprache beherrschen viele von ihnen nicht. Generell ist es manchmal nicht einfach, die unterschiedlichen Kulturen und Werte miteinander zu vereinen. Doch mit unserem Team sind wir gut aufgestellt, wir sprechen Arabisch, Türkisch, Kurdisch, Französisch, Englisch und Deutsch.

Sie bieten auch Kurse und Vorträge an. Welche Inhalte stehen da im Fokus?

Mohr: Wir laden die Mütter ein, darüber nachzudenken, was sie interessiert und welche Themen sie vertiefen möchten. Sie können mit ihren Interessen an uns herantreten, und wir handeln bedarfsorientiert. Aktuell gibt es Sprach- und Sportkurse und sie lernen Aachen kennen. Einige Mütter kennen die Stadt gar nicht und wissen nicht, was sie hier alles mit ihren Kindern, auch ohne viel Geld ausgeben zu müssen, machen können. Aber auch Alltagsregeln unserer Gesellschaft vermitteln wir. Denn da herrscht oftmals Unwissenheit. Manchmal laden wir auch Referenten ein, wie Ärzte oder Mitarbeiter vom Jugendamt. Die Frauen nutzen die Zeit, um in einem ihnen bekannten, vertrauten Rahmen Fragen zu stellen und verständliche Infos zu erhalten.

Wie kommt das Angebot bei den Müttern an?

Mohr: Sehr gut. Wir haben im Müttercafé fast alle Nationalitäten vertreten. Frauen aus muslimisch geprägten Ländern bilden zurzeit dabei die größte Gruppe. Ihre Männer unterstützen sie, denn sie merken, dass ihre Frauen dort nützliche Informationen erhalten, die dem Familienalltag nutzen. Wir haben mal eine Befragung durchgeführt, und es kam heraus, dass wirklich 100 Prozent der Männer wollen, dass ihre Frauen ins Müttercafé kommen, da sie wissen, dass sie hier Hilfestellungen und ein offenes Ohr von geschultem Personal bekommen.

Das heißt, dass gerade muslimische Frauen von dem Treffen besonders profitieren?

Mohr: In gewisser Weise schon. Denn es ist ein geschützter Raum und die Frauen können in aller Ruhe über die Themen sprechen, die sie bewegen.

Wie klappt die generelle Integration der Kulturen bei Ihnen im Müttercafé?

Mohr: Unsere Regeln bieten eine Orientierung, und es geht um die Vielfalt miteinander. Integration geschieht nicht von jetzt auf gleich. Dass die Frauen überhaupt zu uns kommen, ist schon ein Stück weit Integration. Und das wird auch in der engen Beziehung deutlich, die einige von ihnen zu uns haben. Wir begleiten sie durch Krisen, reflektieren gemeinsam mit ihnen Situationen und sind einfach da. Wir haben sogar noch zu einigen Müttern Kontakt, die damals bei der Gründung schon da waren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Müttercafés?

Mohr: Da aktuell der Wasserschaden aus dem Monat April in der Düppelstraße vom Vermieter behoben wird, hoffe ich, dass die Arbeiten dort schnell vorangehen. Generell wünsche ich mir, dass das Müttercafé mehr Unterstützung erfährt, auch von finanzieller Seite. Denn wir haben eine Tradition und leisten viel. Für die Mütter sind wir häufig das zweite Zuhause, und das darf nicht vergessen werden.

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