Aachen - Müssen Reiter weiter auf ihren Pfaden bleiben?

Müssen Reiter weiter auf ihren Pfaden bleiben?

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Ist das Konfliktpotenzial zu groß? Monika Bougé (hinten) wird vermutlich auch 2018 nur eingeschränkt durch den Aachener Wald reiten dürfen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Reitbankett ist für das ungeschulte Auge kaum zu erkennen. Das kleine runde Schild mit dem weißen Reiter auf blauem Grund am Baum ist leicht zu übersehen, zumindest für Menschen, die mit beiden Füßen auf dem Boden stehen und nicht hoch zu Ross im Wald entlangspazieren.

Doch Monika Bougé kennt die Wege, auf denen sie mit Rebell unterwegs sein darf. Zwei- bis dreimal pro Woche reitet sie mit dem weiß-grauen Wallach durch den Aachener Wald. Mal auf speziell für Reiter ausgewiesenen Reitwegen oder – wenn der Weg wie in diesem Fall breit genug ist – auf dem sogenannten Reitbankett, einem etwa anderthalb Meter breiten Abschnitt neben dem regulären Gehweg für Spaziergänger, Jogger und Hundehalter.

In wenigen Monaten könnte eigentlich der obligatorische Blick nach den blauen Hinweisschildern für Reiter überflüssig werden. Zum 1. Januar tritt mit einiger Verzögerung das neue Landesnaturschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen in Kraft, das bereits im Frühjahr 2016 beschlossen wurde. Reiter müssen sich dann mit ihren Pferden im Wald nicht mehr auf ausgewiesene Reitwege beschränken, sondern dürfen alle befestigten Wege nutzen. Eigentlich. Wenn denn die jeweiligen Kommunen mitmachen.

Der Gesetzgeber überlässt den Städten nämlich die Entscheidung, ob sie die Freigabe für Reiter ausweiten. Bei Waldflächen, die besonders intensiv für „Erholungszwecke genutzt werden“, können Kreise und kreisfreie Kommunen per „Allgemeinverfügung“ bei der alten Regelung bleiben, heißt es im Gesetz – im Einvernehmen mit der Forstbehörde und nach Anhörung der betroffenen Gemeinden sowie von Waldbesitzer- und Reiterverbänden.

„Risiken höher als Nutzen“

Wenn der Ratsausschuss für Umwelt und Klimaschutz in seiner Sitzung am 14. November dem Beschlussvorschlag der Verwaltung folgt, werden sich Monika Bougé und Rebell auch nächstes Jahr im Aachener Wald auf Reitweg und -bankett beschränken müssen. Die Verwaltung schlägt nämlich vor, die „bisherige Reitwegeausweisung für alle Waldflächen auf dem Gebiet der Stadt Aachen beizubehalten“.

Hintergrund ist das „hohe Gefahren- und Konfliktpotenzial“, weil sich Reiter die Waldwege mit Joggern, Spaziergängern, Hundehaltern und einer steigenden Anzahl von Radfahrern und Mountainbikern teilen. Das Gemeindeforstamt schätzt die „Risiken und Einschränkungen sowie das Konfliktpotenzial deutlich höher ein als den Nutzen einer Freistellung“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Den betroffenen vier großen Waldeigentümern dürfte diese Einschätzung gelegen kommen. In einer schriftlichen Stellungnahme an die Stadt hatten sie sich gegen eine Ausweitung der Reitwege ausgesprochen. Ihre Kernargumente: eine erhöhte Unfallgefahr insbesondere auf schmalen Wegen, zunehmende Schäden an Wegen und Brücken durch das Reiten sowie eine allgemeine Beeinträchtigung anderer Waldnutzer durch Reiter und die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner.

Dass das bewährte Reitwegenetz in Aachen zum Großteil beibehalten wird, ist auch im Sinne der beiden zuständigen Reitverbände. „Natürlich würden wir uns freuen, wenn uns der ganze Wald zur Verfügung stehen würde, aber wir sind auch Realisten“, sagt Camillo Hündgen, Vorsitzender des Kreispferdesportverbands Aachen. „Eine Nicht-Regulierung birgt immer Risiken.“ Allerdings plädieren sowohl der Kreispferdesportverband Aachen als auch der Ortsverband der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer (VFD) dafür, das Reitwegenetz punktuell auszuweiten und Lücken zu schließen.

So sollte unter anderem im Bereich Grüne Eiche die Anbindung an das belgische Reitwegenetz ermöglicht werden. Ausbaufähig sei das Netz darüber hinaus unter anderem im Preuswald, am Dreiländereck, im Nellessenpark und im Brander Wald. Dass diese Ergänzungen im Beschlussvorschlag der Verwaltung keine Erwähnung mehr finden, verärgert die Reitvertreter.

Astrid Schulte-Lünzum, Geschäftsführerin des Kreispferdesportverbands, spricht von einem „Schaulauf der Verbände“, wenn zwar Gespräche geführt, die konkreten Einwände dann aber nicht berücksichtigt würden.

Auch Helmut Klebach, Vorsitzender des VFD Aachen, sagt auf Anfrage, dass er von einer Pferdestadt wie Aachen mehr erwartet hätte. Die Argumentation der Waldbesitzer, dass mehr Pferde auf Aachens Waldwegen zu mehr Schäden führten, lässt er nicht gelten. Schließlich würden Mountainbiker im Waldboden ebenfalls Spuren hinterlassen. Und im Gegensatz zu Radfahrern müssten sich Reiter im Wald mit einer Plakette identifizieren und kämen über die entsprechende Jahresgebühr selbst für die Pflege der Reitwege auf.

Monika Bougé hofft dennoch, dass sich zum Jahreswechsel die Situation für Reiter zumindest punktuell verbessert. „Wenn jeder Rücksicht nehmen würde, dann würde das ohne Probleme klappen“, sagt sie, klopft ihrem Rebell einmal sanft die Seite und reitet weiter auf dem Reitbankett durch den Aachener Wald.

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