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Münsterwald: In Sachen Windkraft wird rotiert

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Das hört man gern in Aachen: Gegen die sieben von der Stadt geplanten Windräder im Münsterwald wird die Gemeinde Roetgen nicht den Klageweg beschreiten.

Aachen. Die Pressemitteilung flatterte Freitagnachmittag ziemlich unvermittelt und überraschend ins Haus. Ihr Inhalt ist indes von großer Tragweite und birgt reichlich Zündstoff.

 Denn jetzt steht die vermutlich alles entscheidende Phase bevor, wenn es um die geplanten und höchst umstrittenen Windkraftanlagen im Münsterwald nahe der Himmelsleiter geht. Am 19. Januar startet – wie die Stadt auch in den heutigen Tageszeitungen großflächig bekanntmacht – eine neue Offenlage der Pläne und eine neuerliche Bürgerbeteiligung.

Zu diesem Schritt hatten sich die Stadt und die Bauherrin der Anlagen – die „Stawag Solar“ – Mitte vergangenen Jahres durchgerungen. Denn zuvor hatte es Gerichtsentscheide gegeben, aus denen klar hervorging, dass eine solche Beteiligung nebst Umweltverträglichkeitsprüfung für mehr Rechtssicherheit sorgt. Schließlich sind die Pläne für Windkraftanlagen nicht nur im Aachener Süden heiß umstritten. Das Verfahren wird allerdings den Baubeginn für die sieben 196 Meter hohen Anlagen weiter verzögern. Eigentlich sollten sie schon bis Ende 2014 fertig sein. Doch daraus wurde nichts. Nun ist geplant, Ende 2015 mit dem Bau zu beginnen, damit die Rotoren sich im Lauf des Jahres 2016 drehen können. Wenn sie denn überhaupt gebaut werden. Schließlich ist der Ausgang des nun anstehenden Verfahrens offen.

Großer „Erörterungstermin“

Ab 19. Januar werden die entsprechenden Unterlagen an mehreren Stellen einsehbar sein: im Verwaltungsgebäude an der Lagerhausstraße (Zimmer 400), im Bezirksamt Kornelimünster/Walheim (Sitzungssaal), in der Gemeindeverwaltung Roetgen (Rathaus, Zimmer 20) und in der ostbelgischen Gemeinde Raeren (Bauamt, Hauptstraße 30). Gezeigt werden sie bis 18. Februar. Die Frist für Einwände gegen die Pläne läuft dann noch bis 4. März. Und schließlich gibt es am Dienstag, 28. April, ab 10 Uhr in der Aula des Inda-Gymnasiums am Gangolfsweg in Kornelimünster einen sogenannten „Erörterungstermin“. Möglich ist sogar, dass dieser Termin mehrere Tage dauert. Das hat es bereits bei umfangreichen Planverfahren gegeben.

Wer sich indes die Unterlagen zu Gemüte führen will, der muss wohl auch mehrere Tage Akten wälzen. Denn es sind nicht weniger als 20 Gutachten und Beschreibungen, die offengelegt werden. Darunter ist auch eine, die bisher noch gar nicht öffentlich wurde, aber um deren Notwendigkeit es vergangenes Jahr schon reichlich Diskussionen gab: die Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Stadt hatte sich zunächst auf den Standpunkt gestellt, diese sei nicht nötig, habe man doch etliche Fachgutachten etwa zum Artenschutz fertigen lassen.

Die Umweltverbände aber hatten jene UVP vehement eingefordert und auch Klagen angedroht für den Fall, dass die Stadt sich dem verweigern würde. Nun gibt es sie also doch. Inhalt und Ergebnis sind bisher – auch das ist eher überraschend – nicht präsentiert worden. Mit viel Aufmerksamkeit werden die Gegner der Anlagen, die mittlerweile auch einen Verein gegründet haben, diese Studie unter die Lupe nehmen.

Andere Gutachten sind längst bekannt. So etwa jenes zum Artenschutz oder jenes zum Vorkommen besonders schützenswerter Vogelarten wie Rotmilan und Schwarzstorch im Münsterwald. Diesen Expertisen hatten die Gegner stets schwere handwerkliche Fehler und falsche Schlussfolgerungen unterstellt und deswegen auf neue Untersuchungen gepocht. Die allerdings gibt es jetzt nicht, was die Kritik wieder aufflammen lassen wird. Weitere Gutachten drehen sich zum Beispiel um Prognosen zum Schall, zum Schattenwurf oder zu Turbulenzen sowie um Standsicherheit, zum Brandschutz und vielem mehr.

Profit oder Zuschuss?

Die Initiative „Rettet den Münsterwald“ geht zudem davon aus, dass das Windaufkommen im Münsterwald gar nicht ausreicht, um die Anlagen dort wirtschaftlich zu betreiben. Damit, so die Kritik, könne das Projekt für die städtische Tochter Stawag zu einem Zuschussgeschäft werden. Die Stadtwerke sind zu 40 Prozent an der „Stawag Solar“ beteiligt, Mehrheitsgesellschafter ist das rheinland-pfälzische Unternehmen „juwi“. Der Stawag-Vorstand hatte jüngst gegenüber unserer Zeitung jedoch bekräftigt, man gehe von einem profitablen Betrieb im Münsterwald aus. Jetzt will die Stawag laut städtischer Mitteilung im Münsterwald ein System aufbauen, mit dem in den kommenden Monaten dort die Windgeschwindigkeiten gemessen werden sollen.

Stürmische Zeiten werden in jedem Fall in den nächsten Wochen auf die zuständigen Stellen der Verwaltung zukommen, denn eines ist sicher: Es wird Eingaben von Bürgern und Verbänden hageln.

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