Münster Modell für Tagespflege

Von: Thorsten Karbach
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Aachen. Was ist die familiäre Tagespflege wert? Mit dieser Frage muss sich die Stadt Aachen auseinandersetzen, nachdem - wie berichtet - eine Tagesmutter gegen ihre Entlohnung durch die Stadt vor dem Verwaltungsgericht geklagt hatte. Sie empfand sie als nicht leistungsrecht.

Hier ist jetzt die Justiz am Zug, die Finanzierung der Tagespflege muss die Stadt allerdings neu organisieren. Da sind sich Rechtsexperten einig, und die Stadt hat bereits erklärt, dass „gerechnet und geprüft” werde, wie Tagesmütter und -väter künftig unter Beteiligung der Eltern entlohnt werden.

119 Tagesmütter und -väter gibt es in Aachen. Sie bieten 334 Plätze an. Die Nachfrage liegt nach AZ-Informationen aber weit höher. Und steigt. Das Problem der familiären Tagespflege ist, dass sie kein einheitliches Bild abgibt. Es gibt sie in Voll- und Teilzeit, zu Tagesrandzeiten genauso wie parallel zu den Kindergartenzeiten, es gibt Kleingruppen ebenso wie Großtagespflege mit bis zu neun Kindern. Ab zehn Kindern müsste eine Kindergartengruppe eröffnet werden. Und dann gibt es in den Kommunen keine einheitlichen Rahmenbedingungen.

Jede Stadt kann Tagespflege nach eigenen Vorstellungen ausgestalten. Fast alles geht. Deswegen wurde in Aachen in einem Workshop diskutiert, eine neue Satzung muss erarbeitet werden - möglichst bis zum nächsten Kindergartenjahr, also bis August. Der Aachener Verein Familiäre Tagespflege, Verwaltungsvertreter und Politiker ließen sich von Andrea Gruber vom Landesministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport und Oliver Heintze von der Stadt Münster über alternative Gestaltungen der Tagespflege berichten. Und gerade das Münsteraner Modell wird landesweit als vorbildlich gepriesen.

Dabei sind die Bedingungen in der Studentenstadt Münster mit denen in Aachen durchaus vergleichbar. Die Stadt zählt rund 275.000 Einwohner mit hohem Akademikeranteil. Tagesmütter und -Väter sind wegen ihrer flexiblen Dienstzeiten überaus beliebt. Denn gerade in Forschung und Lehre weichen Arbeitszeiten der Eltern häufig von den klassischen Arbeitszeiten, zu denen die Kindertagesstätte geöffnet hat, ab.

In Münster gibt es mittlerweile 400 Tagespflegepersonen und 1110 Betreuungsplätze, davon 840 U3-Plätze. Der Elternbeitrag in der Finanzierung der Tagespflege entspricht den Kindergartenbeiträgen. Außerdem gibt es einen Zusatzvertrag der Eltern mit den Tagespflegern, die auf diese Weise einen zusätzlichen Verdienst erfahren.

Das Tagespflegeangebot richtet sich in Münster vor allem an Kinder unter drei Jahren oder Familien, die in Stadtrandlagen keinen Kindergartenplatz finden.

„Wir müssen die Ergebnisse intern auswerten”, erklärt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt nach dem Workshop. „Mehr können wir nicht sagen.” Auch die Finanzierung muss geklärt werden, denn die Stadt Münster bezuschusst die Kindertagespflege mit drei Millionen Euro.
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