Aachen - Müllabfuhr: 15.000 Anträge sind schon da

Müllabfuhr: 15.000 Anträge sind schon da

Von: Stephan Mohne
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Alle Hände voll zu tun: Dieter Lennartz (Bild) und sein Team der Abfallwirtschaft im Aachener Stadtbetrieb arbeiten auf Hochtouren an der Umstellung der Müllabfuhr, die am 1. Januar offiziell in Kraft tritt. Foto: Michael Jaspers
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Alle Hände voll zu tun: Dieter Lennartz und sein Team der Abfallwirtschaft im Aachener Stadtbetrieb arbeiten auf Hochtouren an der Umstellung der Müllabfuhr, die am 1. Januar offiziell in Kraft tritt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am 1. Januar ändert sich in Sachen Müllabfuhr (fast) alles – von der Höhe der Gebühren über die Größe der Tonnen, den Abfuhrrhythmus und die neuen Kosten der Sperrmüllentsorgung bis hin zur Einführung eines Mindestvolumens pro Person und Woche. Das sorgt für viel Wirbel hinter den Kulissen.

Sowohl auf Seiten der Grundstückseigentümer wie auch bei den Mitarbeitern des Stadtbetriebs, die für die Umsetzung des neuen System verantwortlich sind. Über den Stand der Dinge, Emotionen und Zahlen kurz vor dem „Neuanfang“ sprach die AZ mit Dieter Lennartz, dem Chef der Abteilung Abfallwirtschaft des Stadtbetriebs.

Der Tag X in Sachen neues Abfallwirtschaftssystem naht. Wie ist es aktuell um Ihr Nervenkostüm bestellt?

Lennartz: (lacht) Die Nerven sind noch unter Kontrolle. Aber es ist in der Tat für alle Beteiligten eine sehr herausfordernde Zeit. Nicht nur, was die Menge der Arbeit angeht, sondern auch beim Kontakt mit den Bürgern. Es gibt natürlich viele Fragen. Wir sind aber guter Dinge, dass wir alles geregelt bekommen. Mein Mitarbeiterteam, auf das ich sehr stolz bin, sitzt auf freiwilliger Basis auch samstags hier und arbeitet die Anträge ab.

Wie viele Anträge zum Tonnentausch sind bisher eingegangen?

Lennartz: Wir haben bisher rund 15.000 Anträge von Grundstückseigentümern bekommen. Die müssen in unser System übertragen werden. Ab 2. Januar beginnt dann der Behältertausch. Nach jetzigem Stand sind wir da bei 55.000 Tonnen, die getauscht werden. Aber das wird natürlich noch deutlich mehr werden, denn wir haben noch nicht alle Grundstückseigentümer angeschrieben. Das geht nach und nach. Es wird dann natürlich eine weitere Herausforderung, dass ab 2. Januar alles reibungslos läuft.

Können Sie die Zahl der Anträge aufschlüsseln? Wer will was haben?

Lennartz: Wir haben ganz unterschiedliche Konstellationen. Viele gehen auf die neuen 90-Liter-Behälter. Fast 18.000 Änderungen beziehen sich auf die Umstellung von 60-Liter-Tonnen auf 120er bei angepasstem Leerungsrhythmus – davon sind 7000 mit 14-täglicher und 11 000 mit vierwöchentlicher Leerung. Daran sehen wir, dass der Austausch der 60-Liter-Tonnen mit wöchentlichem und 14-täglichem Rhythmus, die es dann nicht mehr gibt, auf 120 Liter funktioniert.

Dann haben wir auch eine ganze Menge 240-Liter-Behälter mit 14-täglicher Leerung, die ebenfalls neu sind. Da gibt es 5000 Wechsel. Viele reduzieren ihre Behälterzahl. Wir hatten viele Objekte, die bisher viele kleine Tonnen hatten und jetzt aufräumen und auf größere umsteigen. In einem Fall waren 19 der 60-Liter-Tonnen vorhanden, jeder zahlte seine eigene Gebühr. Die haben sich jetzt zusammengetan und einen 770-Liter-Container bestellt.

Das passt in diesem Fall auch mit dem vorgeschriebenen Mindestlitervolumen. Für alle wird das unter dem Strich sehr viel günstiger. Das ist auch gut für uns, weil wir nicht mehr 19 kleine Behälter schleppen und leeren müssen, sondern nur noch einen. Das ist einer der von uns beabsichtigten Effekte, die von den Hauseigentümern auch sehr gut umgesetzt werden.

Wenn es viele Umbestellungen auf 90 Liter gibt, bedeutet das, dass die Hauseigentümer tatsächlich rechnen, wie viel Volumen sie nehmen müssen, denn die ganz kleine Tonne mit vierwöchentlicher Leerung kommt ja nur noch bis maximal zwei Personen infrage. Bestätigt das Ihre Annahme von der Ehrlichkeit der Gebührenzahler? Man könnte ja auch einfach mal versuchen, alles so zu lassen.

Lennartz: Diese Ehrlichkeit unterstellen wir auf jeden Fall. 99 Prozent aller Anträge sind mit einer glaubhaften Personenzahl versehen und werden von uns so umgesetzt. Es erfolgt aber keineswegs nur eine Erhöhung des vorhandenen Volumens. Wer feststellt, dass angesichts des Mindestvolumens seine heutige Tonne zu groß ist, kann das natürlich entsprechend reduzieren. Wenn das Mindestvolumen eingehalten wird, ist das ja auch völlig legitim.

Wie sieht es bei der grünen Tonne aus? Die wird ja nun nur noch alle 14 Tage geleert. Passen viele die Größe ihrer Tonnen dem veränderten Rhythmus an?

Lennartz: Das hält sich absolut in Grenzen. Die meisten bleiben im Moment bei ihrem heutigen Volumen. Vermutlich, weil die Tonnen in der überwiegenden Zeit des Jahres ohnehin nicht voll sind. Man kann das ja auch saisonbedingt jederzeit anpassen.

Welche Reaktionen erleben Sie täglich?

Lennartz: Wir hatten im November eine Reihe Informationsveranstaltungen in den Bezirken. Da waren immer bis zu 50 interessierte Bürger. Oftmals war die Stimmung anfangs sehr verärgert und emotionalisiert. Am Schluss der Veranstaltungen war es zwar nicht so, dass die Leute glücklich nach Hause gegangen sind, aber doch zufrieden darüber, dass sie alle Informationen erhalten haben.

Viele haben sich auch dafür bedankt. Das Hauptproblem ist die subjektive Betroffenheit des Einzelnen insbesondere bei den 60-Liter-Tonnen. Jeder betrachtet die Situation aus seinem ganz individuellen Blickwinkel. Mancher sagt, seine Tonne sei nie voll, warum solle er dann eine noch größere nehmen. Das ist ja zunächst auch schwer nachvollziehbar.

Aber mit dem Restabfallbehälter werden ja auch viele andere Leistungen der Abfallwirtschaft bezahlt. Die Leute hätten völlig recht, wenn sie für jede einzelne Leistung, die sie in Anspruch nehmen, persönlich Geld bezahlen würden. Das ist der sogenannte Wirklichkeitsmaßstab. Das ist aber nicht der Fall.

Konkretisieren Sie das bitte.

Lennartz: Man zahlt nichts auf dem Kompostplatz, man zahlt nichts für den Grünschnittcontainer, man zahlt nichts am Recyclinghof, man zahlt nichts Kostendeckendes beim Sperrgut, man zahlt nichts für die Abfallberatung. All das und mehr muss bezahlt werden und ist in den Gesamtkosten von 30 Millionen Euro drin. Mit der neuen Grundgebühr beteiligen wir alle an einem Teil der Fixkosten. Dazu kommt eine Bioabfallgebühr. Und all das, was ansonsten in der Abfallwirtschaft geleistet und bezahlt werden muss, findet sich im Restabfallbehälter wieder.

Das ist die Legitimation dafür, dass man eventuell auch eine gewisse Überkapazität in Kauf nehmen muss. Wenn man das in der Breite den Leuten vermittelt, entsteht zumindest eine Akzeptanz und ein Verständnis. Den Wirklichkeitsmaßstab kann man nicht abbilden. Man kann nicht jede Leistung individuell bei jedem Haushalt abrechnen, deswegen wird der Wahrscheinlichkeitsmaßstab angewendet – und der ist mit 7,5 Litern gut getroffen.

Dennoch gibt es scharfe Kritik, Werden Sie als „Gesicht“ der Abfallwirtschaft persönlich angegangen?

Lennartz: Ja, das gibt es. Das gehört dann wohl mit dazu und das gilt es auszuhalten. Ich versuche diese Anfeindungen durch die Emotionalität der Betroffenen nicht persönlich zu nehmen. Ich bin nach wie vor von der Richtigkeit unserer Maßnahmen, die wir gemeinsam mit der Politik auf den Weg gebracht haben, überzeugt.

Gibt es umgekehrt Lob von denen, die von der Umstellung profitieren, etwa Mietern großer Wohnhäuser?

Lennartz: Vereinzelt schon. Aber wie so häufig artikuliert dieser Kreis – und das ist die Mehrheit aller Aachener – dies nicht so offensiv in der Öffentlichkeit. Bei den Besuchern der Informationsveranstaltungen hatten 90 Prozent die 60-Liter-Tonne mit vierwöchentlicher Leerung.

Um den Kreis zu schließen noch einmal zu Ihrem Nervenkostüm. Sie werden ab 1. Januar unter dem gehörigen Druck stehen, dass das neue System auch tatsächlich kostendeckend funktioniert. Sie könnten wohl kaum jemanden erklären, wenn dann 2018 erneut die Gebühren erhöht werden müssten.

Lennartz: Das ist richtig. Wir gehen zwingend davon aus, dass diese Maßnahmen zu keinen weiteren Kostensteigerungen führen – soweit wir das überhaupt unter Kontrolle haben im Hinblick auf die Kostenentwicklung. Perspektivisch ist es unser ambitioniertes Ziel, die Kosten für die Abfallentsorgung auch tatsächlich mal reduzieren zu können.

Müssen Sie sich aufgrund Ihrer Umstellung auch selber eine neue Tonne verpassen?

Lennartz: (lacht) Ja. Wir sind fünf Personen und haben eine 60-Liter-Tonne mit wöchentlicher Leerung, mit der wir ordentlich hinkommen, aber die es ja nicht mehr gibt. Wir haben noch eine ältere Dame im Haus, mit der wir eine Art Entsorgungsgemeinschaft eingehen und bestellen nun eine 120-Liter-Tonne mit 14-täglicher Leerung. Das ist mehr, als wir müssten.

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