Motto des Job-Speed-Datings: Umworben statt abgehängt

Von: Kristina Toussaint
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In lockerer Atmopshäre mit Unternehmen ins Gespräch klommen: An der Viktor-Frankl-Schule fand jetzt ein Speed-Dating statt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. In lockerer Atmosphäre ins Gespräch kommen mit Unternehmen, an die man sich sonst vielleicht nicht herantraut: Beim Job-Speed-Dating konnten sich Schüler an der Viktor-Frankl-Schule bei vielen überregionalen Unternehmen vorstellen – und gleich über ein Praktikum oder eine Arbeitsstelle verhandeln.

Und Unternehmen, die gerne junge Menschen mit Einschränkungen einstellen möchten, konnten hier passende Kandidaten finden.

Die 17-jährige Schülersprecherin Hannah hat es bereits geschafft: nach zahlreichen Bewerbungen konnte sie sich im Auswahlverfahren um einen Ausbildungsplatz durchsetzen. Nach ihrem Realschulabschluss wird sie im Herbst eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten antreten. Die Tests, die sie dafür bestehen musste, waren die gleichen wie für alle anderen Bewerber auch.

Bei vielen Jugendlichen fehle oft der Mut, sich bei einem Großunternehmen zu bewerben, so Jürgen Dumke von der Bundesagentur für Arbeit. Auf dem „Marktplatz“ des Job-Speed-Datings machen die Schüler dagegen die Erfahrung, umworben zu werden und sich präsentieren zu können: „Sie erfahren Wertschätzung und fühlen sich nicht abgehängt“, so Schulleiterin Beate Jahn. Beteiligt am Job-Speed-Dating waren zusätzlich weitere Schüler von Förderschulen in Düren, Jülich, Stolberg und Aachen.

Initiativen des LVR

Die Initiativen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), neben dem Integrationsfachdienst und der Bundesagentur für Arbeit Organisator des inzwischen fünften Job-Speed-Datings in NRW, zielen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ab. Programme wie „Kein Abschluss ohne Anschluss“ oder „Star“ (Schule trifft Arbeitswelt) versuchen Schüler frühzeitig vor dem Abschluss an die Arbeitswelt heranzuführen – durch Betriebspraktika, Berufsfelderkundung oder Potenzialanalysen.

Zwar sind durch die bisherigen Speed-Datings auch schon Ausbildungsverhältnisse zustande gekommen, doch liege der Schwerpunkt nicht nur auf Ausbildungsplätzen, erklärt Frauke Borchers vom LVR. Für manche Schüler ist eine Einstiegsqualifizierung, die auf eine Ausbildung vorbereitet, ein Praktikum oder der direkte Einstieg in ein Arbeitsverhältnis passender. Wichtig sei, aufzuzeigen, dass eine Beschäftigung auch außerhalb von Werkstätten für Menschen mit Behinderung möglich ist.

Eine gute Basis kann die Arbeit in einer Werkstatt aber trotzdem sein, so Schulleiterin Jahn. Eine Orientierung in andere Bereiche sei dadurch nicht ausgeschlossen. Der 17-jährige Jan Genten möchte nach seinem Schulabschluss erst einmal ein Praktikum im Garten- und Landschaftsbau machen. Auch bei Galeria Kaufhof, ebenfalls auf dem Marktplatz vertreten, kann er sich vorstellen zu arbeiten. Mit vorbildlicher Bewerbungsmappe war er perfekt vorbereitet. „Ich bin im letzten Schuljahr und bewerbe mich gerade, daher finde ich super, dass es heute das Speed-Dating gibt“.

Die Möbelhauskette Porta bietet ein jährliches Bewerbungstraining an der Viktor-Frankl-Schule an und hat bereits gute Erfahrungen mit der Einstellung ehemaliger Schüler gemacht: Christina Rath, die hier vor fünf Jahren ihren Schulabschluss gemacht hat, ist inzwischen Auszubildende bei Porta im zweiten Lehrjahr. Auch beim Job-Speed-Dating ist das Interesse an der Firma riesig. „Die Schüler zeigen große Freude, Begeisterung und viel Engagement“, so Verwaltungsleiter Thomas Reimnitz.

„Jedes Unternehmen möchte gerne als sozialer Arbeitgeber gesehen werden“, so Jürgen Dumke. Viele seien bereits darauf eingestellt und hätten Barrierefreiheit geschaffen, würden über den normalen Bewerbungsprozess dann aber gar nicht an die Zielgruppe herankommen. Beim Speed-Dating finden beide Seiten zusammen - schnell und im persönlichen Gespräch.

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