Monsignore und Ehrendomkapitular Heribert August wird 70

Von: Bernd Mathieu
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Einer der bekanntesten Aachener Priester feiert einen runden Geburtstag: Monsignore und Ehrendomkapitular Heribert August wird 70 Jahre. Foto: Harald Krömer

Aachen. Seine Lieblingsorte sind Kärnten, der Rursee, Rom – unter anderem. Der Mann reist gerne, und zuweilen verlegt er seinen Lebensmittelpunkt aufs Meer, wenn er mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist.

Teil zwei der Lieblingsorte lautet: Krefeld (wegen der Familie), Zürich (wegen mehrerer Freunde), Hamburg (wegen seiner Freunde Bill Ramsey und Udo Lindenberg). Und: Burtscheid.

Heribert Augusts Geografie erklärt sich leicht aus seinen Ursprüngen, seiner Biografie, seinem Beruf und seiner Gabe, auf Menschen zuzugehen. Er ist Priester. Er ist Manager. Er ist Berater. Er ist Gestalter. Er ist Freund. Er ist eben Heribert August.

An diesem Donnerstag (27. April) wird er 70 Jahre alt und jung. Die Geburtsurkunde weist unbestechlich die runde Zäsur im Leben dieses Menschen aus, und er wird sie mit dem Optimismus und der Zuversicht zur Kenntnis nehmen, die ihn so stark prägen.

„Hunger auf Menschen“

„Ich hatte immer Hunger auf Menschen“, sagt der langjährige Pastor von St. Michael Burtscheid, und man ist versucht, dem „Pastor“ ein „legendär“ voranzusetzen. Das wäre eine in der Diktion abgegriffene, aber in der Bewertung durchaus zutreffende Etikettierung. Also dann: der legendäre Pastor von St. Michael!

Hunger auf Menschen: reden, kümmern, betreuen, fragen, antworten, diskutieren, zustimmen, widersprechen, lächeln, vor allem auch zuhören. Hunger auf Menschen: Der begegnet uns bei ihm auch in grenzenloser Hilfe. Grenzenlos, da unabhängig von katholisch oder nicht katholisch, von arm oder reich, jung oder alt, Mann oder Frau, Arbeiter oder Unternehmer, fröhlich oder traurig, Öcher, Burtscheider oder Sarajever.

Sein Engagement für notleidende Menschen oder für Institutionen wie die Katholische Stiftung Marienhospital, sein jahrelanger internationaler Einsatz für die katholische Kirche in Bosnien-Herzegowina, sein Umgang und seine Motivation mit jungen und für junge Menschen sind vorbildlich. Ihm geht es dabei nicht vornehmlich ums Predigen, sondern ums Tun. Heribert August hat viel getan und tut viel. Hat initiiert, vermittelt, vorhandene Netzwerke genutzt und neue aufgebaut. Heribert August ist Stifter von Gemeinschaften und Anstifter von Projekten. Er ist ein Glücksfall – für die katholische Kirche im Allgemeinen und für so viele Aktivitäten im Speziellen. Er weiß, wie Gesellschaften „ticken“, wie Menschen denken, Betroffene reagieren, wie Opfer leiden und warum Wehrlose Hilfe brauchen.

Er bringt Dinge auf den Punkt, durchaus nicht immer freundlich lächelnd. Er ist nicht trendorientiert, sondern mutig. Er redet niemandem nach dem Mund, auch nicht Bischöfen. Seine Persönlichkeit legitimiert ihn dazu. Er sorgte schon immer dafür, dass sich das Kirchliche aus seinem eigentlichen Raum entfernt und nach draußen zu den Menschen geht.

Für Jesus war klar, dass alle Veränderung beim Individuum beginnen muss. Davon könnte Kirche eine Menge lernen. Heribert August gehört zu denen, die das wissen und beherzigen.

Das Hochamt, das feierlich zelebriert wird, ist dem Monsignore unterdessen gar nicht fremd und macht ein gutes Stück seines Lebensgefühls aus, das er genießt. Aber er trägt den Katholizismus nicht als Monstranz vor sich her. Kirche ist für ihn nicht das Häppchenangebot am Sonntagmorgen, sondern er mutet den Christen schon eine komplette Sonate mit allen Sätzen, mal in Dur und mal in Moll, zu. Papst Franziskus fordert in seiner Kirche „kühne Redefreiheit“, wie Heribert August schon so lange. Der Papst kritisiert die Selbstbezogenheit der kirchlichen Institutionen, darüber könnte Heribert August einiges durchaus leidvoll erzählen, er, der nicht ganz vermeiden konnte, sich an mancher Mühsal des katholisch-institutionellen Alltags auch zu verschleißen.

Ach ja, ein runder Geburtstag sollte traditionell eine präzise Biografie vermitteln, das sind Daten, Orte, Lebensläufe. Fassen wir es zusammen: geboren am 27. April 1947 in Kittlitz in Sachsen. Hier waren seine Eltern, vertrieben aus Schlesien, nach dem Krieg gelandet in der Hoffnung, wieder auf den eigenen Hof zurück zu dürfen. Daraus wurde nichts, die Familie zog Richtung Westen und kam nach Krefeld-Traar, wo Verwandte lebten. Heribert hatte bis zum dritten Schuljahr die Volksschule in Kittlitz besucht, bevor seine Eltern die DDR aus religiösen und politischen Gründen verließen.

Nach acht Jahren Volksschule hatte Heribert eine Zusage für eine Ausbildung zum Steuerfachgehilfen. Er bevorzugte den Besuch des Pius-Gymnasiums in Aachen in Kombination mit dem Internat Haus Eich. Im Pius war er erster Schulsprecher überhaupt und dann auch erster Bezirkssprecher aller Aachener Schulen. „Damals habe ich gelernt, frei zu sprechen und mich in der Konversation zu bewegen“, sagt er im Rückblick.

Theologie und Geografie

Lange Zeit entschied er sich nicht für einen Beruf, hatte eine feste Beziehung, stand kurz vor der Verlobung, studierte in Bonn Theologie, Philosophie, Pädagogik und Geografie – und wurde katholischer Priester. „Der liebe Gott hat es so gewollt, und es war wohl richtig, sonst säße ich heute nicht hier“, sagt er bei unserem Gespräch. Priesterseminar in Aachen, 1975 Priesterweihe in St. Josef Viersen, zwei Jahre Kaplan in Mönchengladbach-Hardt, Wechsel nach Uerdingen, dort Kaplan und Pfarrverwalter, dann CAJ-Seelsorger im Bistum, danach Kaplan in der Gemeinde St. Michael Burtscheid und schließlich 1983 dort Pastor, Oberpfarrer, Dechant, Aachener Regionalpfarrer. Es folgte die Fusion der Pfarren St. Michael, St. Johann Baptist, Herz-Jesu, St. Aposteln und St. Gregorius zur Pfarrei St. Gregor von Burtscheid.

Mit der Familie in Rom

Seit 1983 ist Heribert August Mitglied und langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums der Katholischen Stiftung Marienhospital. In diesem Aufsichtsratsgremium stellt er sehr erfolgreich seine Management-Qualität unter Beweis. Eine besondere Beziehung pflegt er zum Erzbistum Sarajevo. Er initiierte die aufwendige Renovierung der Kathedrale. Und dort ist der Monsignore seit 2003 Ehrendomkapitular. Seit 1983 ist er Ritter vom Hl. Grab in Jerusalem. 2012 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Und, jetzt wird die Daten-Liste komplett, seit dem 1. Oktober 2013 ist er Pfarrer im Ruhestand, im sogenannten.

Seinen Geburtstag feiert er mit seiner Familie in Rom. Wünsche? Zur Antarktis wäre er gerne gereist, „ich weiß nicht, wieso“, nun sei es wohl zu spät. Dass er jetzt Seelsorge und Reisen, wie er es formuliert, „verdichten“ kann, das findet er schön. Das macht ihn glücklich, gelassen, dem Leben und den Menschen zugewandt. Seine Bilanz kann sich sehen lassen.

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