Monschauer Straße: Unmut über vierspurige „Rennstrecke“

Von: Werner Czempas
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Die unterschiedlichen Vorstellungen zum Umbau der Monschauer Straße waren jetzt Thema im Aachener Bürgerforum. Foto: H Krömer

Aachen. „Wie kann man auf die Idee kommen, durch eine Wohnbebauung eine vierspurige Autobahn zu bauen?“ Der Bund kann. Das Bundesverkehrsministerium, vertreten durch den Landesbetrieb Straßenbau NRW, kommt auf solche Idee.

Die Bundesstraße 258, die Monschauer Straße, will er zwischen Relais Königsberg und dem Autobahnanschluss Lichtenbusch ausbauen. Die Pendler aus der Eifel sollen flotter vorankommen.

Vierspurig, so der Plan, soll es zwischen Lichtenbusch und Oberforstbach durchgehen. Zwei Stadtteile würden getrennt, deren Wir-Gefühl lange bekannt ist. „Das sind doch Pläne von Leuten, die da nicht wohnen. Ein Unding, eine Unverschämtheit, eine Schweinerei“, schimpfte im Bürgerforum ein Lichtenbuscher, der nach dem Übeltäter der Idee gefragt hatte.

Hausbesitzer würden Stücke ihrer Gärten verlieren. Gärten, schilderte eine Eigentümerin, in denen sie bislang „kein Bäumchen, kein Pflänzchen“ hätten setzen dürfen, weil darunter die Hauptwasserleitung aus der Eifel in die Stadt liege. Kein Brennholz habe gestapelt werden dürfen, nicht einmal eine Kinderschaukel aufzustellen habe die Stawag erlaubt. Nun sei eine vierspurige „Rennstrecke“ darüber möglich.

Vorgaben des Bundes

Wer zu Fuß von Oberforstbach nach Lichtenbusch und umgekehrt gehe, müsse dann aufpassen, nicht überfahren zu werden. Abgesehen davon, wie das aussehe, eine hohe Lärmschutzwand vor der Nase zu haben. Staus gebe es übrigens nur im Berufsverkehr morgens und abends und jeweils nur für 20 Minuten.

Friederike Ascheid vom Landesbetrieb stellte sich den Bürgern. Seit einem halben Jahr ist sie die neue Projektleiterin für den Ausbau der B258. Der Plan des Bundes lag einige Zeit auf Eis, wegen des (anhaltenden) Streits mit der Stadt, die argumentiert, ein dreispuriger Ausbau reiche aus.

Beim Ausbau „werden nicht nur Unken, sondern auch die Menschen berücksichtigt“, versicherte Friederike Ascheid, aber: „Wir müssen für die Funktionalität der Straße sorgen.“ Der Landesbetrieb sei „an gewisse Vorgaben des Bundes gebunden“, von ihm gebe es Geld nur, „wenn das Sinn macht“.

Abgesehen davon, dass es wahrscheinlich jede Menge Beispiele gibt, wo Geld auch ohne Sinn fließt: So orts- und sachkundig die junge Dame auch die Planung vorstellte, das kalte Wort von der „Funktionalität“ mochte bei Zuhörern das Gefühl bestärken, am grünen Tisch im fernen Berlin werde etwas „funktionalisiert“, was mit den Gegebenheiten vor Ort kollidiert.

„Wir von der Fachverwaltung“, hielt denn auch Uwe Müller, Fachbereichsleiter Verkehrsmanagement, für die Stadt entgegen, „meinen, der Ausbau reicht auch dreistreifig. Dabei müssen wir viel weniger in den Raum einschneiden.“ Zwar sei die Verkehrsproblematik zwischen Pascalstraße und Autobahnanschluss nicht von der Hand zu weisen, aber die zukünftigen Verkehrsmengen sehe die Stadt völlig anders als der Landesbetrieb sie prognostiziere.

Müller verwies auf den Nahverkehrsplan, wonach ab 2018 der Busverkehr in die Eifel verdoppelt werde. Die Stadt werde beim Ausbau der Bundesstraße „nur angehört“, betonte er, sie gebe den Rat, nicht sechs, sieben Jahre auf den Ausbau der Straße zu warten, sondern zu fragen, ob nicht schon „mit einfachen Mitteln etwas zu machen“ sei.

Gegenteilige Äußerungen aus dem Landesbetrieb irritierten die Politiker im Bürgerforum. Vor zwei Wochen noch hatte ein Vertreter des Landesbetriebs im Mobilitätsausschuss erklärt, wenn die Politik den Ausbau nicht vierspurig wolle, komme er auch nicht. Projektleiterin Friederike Ascheid korrigierte im Bürgerforum: Die Aussage im Mobilitätsausschuss sei „so nicht“ haltbar. Worauf Leo Deumens (Die Linke) festhielt: „Der Mobilitätsausschuss kann also entscheiden, was er will, letztendlich entscheidet der Bund, wir nicht.“

„Abgespeckte Version“

„Sie zerstückeln die soziale Mischung in Lichtenbusch-Oberforstbach“, warnte Achim Ferrari (Grüne). „Lohnt sich ein vierspuriger Ausbau wirklich?“ fragte Ye-One Rhie (SPD).

Für eine „verträgliche Lösung für die Anwohner“ setzt Jörg Lindemann (CDU) auf eine „abgespeckte Version, es geht auch eine Nummer kleiner“.

Wann die Bürger Einwände vorbringen könnten, wollte Eckart Mueller (FDP) wissen. Noch handele es sich um einen „Vorentwurf, den allerersten Schritt“, beschwichtigte Friederike Ascheid. Im Planfeststellungsverfahren, vielleicht in zwei Jahren, sei die Bürgeranhörung aber gesetzlich vorgeschrieben. Jetzt mache sie noch keinen Sinn. Die Handvoll Lichtenbuscher, die gekommen war, bedankte sich dennoch: „Dankeschön, dass wir uns einmal äußern konnten!“

Der Ausbau der Monschauer Straße ruft nicht nur Verkehrsmanager, Politiker und Bürger auf den Plan. Die Denkmalbehörde wird aktiv werden. Denn auf die Frage, wie es mit dem denkmalgeschützten Westwall sei, bekannte Projektleiterin Ascheid salopp: „Zum jetzigen Zeitpunkt wird ein Stück Westwall von der Planung erwischt.“

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