Monat der Weltmission beginnt: Einblicke aus Papua-Neuguinea

Von: Christian Rein
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Schwester Anna Damas lebt in P
Schwester Anna Damas lebt in Papua-Neuguinea. Foto: Argus

Aachen. Wenn Anna Damas über die andere Welt berichtet, dann klingen manche Sätze so, als begreife sie selbst gerade erst, was sie dort erlebt hat. Anna Damas - „Schwester Anna, bitte” - lebt seit sieben Jahren in Papua-Neuguinea.

In einem der bis heute ursprünglichsten Länder der Welt, bildet die Steyler Missionsschwester Katechisten aus, also Gemeindeleiter, Laien, die führende Aufgaben übernehmen.

Die Arbeit der katholischen Kirche in Papua-Neuguinea ist der diesjährige Schwerpunkt des „Monats der Weltmission”, der am Sonntag in Paderborn eröffnet wird. Die Solidaritätsaktion des Internationalen Katholischen Missionswerks Missio steht unter dem Motto „Dein Wort ist ein Licht für meine Pfade”.

Schwester Anna war als Pastoralreferentin im Bistum Aachen tätig, bevor sie im Jahr 2006 nach Ozeanien aufbrach. „Neuguinea ist immer noch das Eldorado der Anthropologen”, sagt die 46-Jährige. Als die Kolonialmächte, darunter auch Deutschland, die Insel im späten 19. Jahrhundert unter sich aufteilten, hielten sie sie für kaum bewohnt. Erst nach und nach entdeckten sie die indigenen Stämme im schwer zugänglichen Hochland im Herzen der Insel.

Heute zählt Papua-Neuguinea sieben Millionen Einwohner. Noch 2011 lag der drittgrößte Inselstaat der Welt auf dem „Human Development Index”, dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen, auf Platz 153 von 187 Ländern. Der Anteil der Analphabeten an der Gesamtbevölkerung liegt bei rund 43 Prozent, unter den Frauen bei fast 50 Prozent. Die meisten Menschen leben von dem, was sie auf ihren Feldern anbauen.

„Wenn man in Papua-Neuguinea jemand sein möchte, dann kommt es nicht darauf an, was man hat, sondern wen man kennt”, sagt Schwester Anna. Erst wenn man Teil eines Clans ist, werde man überhaupt wahrgenommen. Auf diese archaischen Strukturen prallen das Computerzeitalter und der globalisierte Kapitalismus mit voller Wucht. Papua-Neuguinea ist ein reiches Land, es gibt große Gold- und Diamantvorkommen und das größte Erdgasfeld in Südostasien. Außerdem gibt es ertragreiche Fischgründe, der Urwald bietet weitere Ressourcen.

Deshalb kommen immer mehr Investoren aus Australien, aus den USA, Kanada und neuerdings besonders häufig auch aus China. Damit, sagt Schwester Anna, fangen die Probleme an. Denn diese Firmen brächten immense Summen an Geld in das Land. „Die einfache Bevölkerung verprasst das Geld meist, grundsätzlich ist Korruption weit verbreitet, wenige Mächtige bereichern sich ungeniert”, sagt Schwester Anna. „Wem das Geld nicht zugute kommt, das ist die Gemeinschaft.” Und das in einem Land, in dem die Gemeinschaft höchstes Gut ist. Umweltzerstörung, soziale Probleme und Gewalt - vor allen Dingen gegen Frauen und Mädchen - sind die Folgen der Spannungen, die sich aus dem Zusammenprall zwischen Tradition und Moderne ergeben.

„Die Menschen sind gezwungen, ihr Leben zu verändern”, sagt Schwester Anna. „Die größte Herausforderung dabei ist, ihre Kultur mitzunehmen, die inneren Werte und den Gemeinschaftssinn.” Funktionieren, da ist sich Schwester Anna sicher, kann das nur über Bildung. „Darin sehe ich den Schlüssel dafür, dass die Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können.”

Schwester Anna Damas wird in Aachen noch einmal über ihre Arbeit sprechen. Die Veranstaltung mit Film, Vortrag und Diskussion findet am Donnerstag, 4. Oktober, ab 16 Uhr in der Aula/Raum 1 der Katholischen Hochschule Aachen, Robert-Schuman-Straße 25, statt.

Die Kollekte zum Monat der Weltmission findet am Sonntag, 28. Oktober statt. Missio sammelt dann für die ärmsten Diözesen der Weltkirche.

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