Aachen/Herzogenrath - „Moliri“ macht Familien fit für den Alltag

„Moliri“ macht Familien fit für den Alltag

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
10478238.jpg
„Fit für den Alltag“: Die Teilnehmerinnen des Kurses bei der Caritas lernen noch den Feinschliff in Haushaltsdingen. Foto: Andreas Steindl

Aachen/Herzogenrath. „Wir kommen gut zuhause zurecht, aber wir sind bereit, uns belehren zu lassen.“ Die Mutter eines Vierjährigen und einer zehn Monate alten Tochter weiß ihr Leben durchaus zu meistern. Trotzdem besucht die 24-jährige Merksteinerin den Kurs „Fit für den Alltag“.

„moliri“, ist die Servicestelle für Familiengesundheit zugunsten sozial benachteiligter Kinder des Caritas-Verbandes Aachen.

Belehren ist in diesem Zusammenhang nicht der korrekte Ausdruck, auch wenn die Kompetenz, einen Haushalt und ein Familienleben zu organisieren, bei immer weniger Menschen ausgeprägt zu sein scheint. Es geht im gesamten Kompetenzfeld Familie der Caritas darum, die Belastung des Systems Familie zu reduzieren. Sei es mit der Familienfeuerwehr, dem Mentorenprojekt für Grundschüler „JutE“, der Kurberatung oder anderen Bausteinen. Auch „moliri“ gehört dazu. „Je höher die Belastungen einer Familie auf der einen und je geringer ihre Ressourcen auf der anderen Seite sind, desto höher sind die gesundheitlichen Risiken für alle Familienmitglieder, insbesondere der Kinder“, erläutert Monika Jentzen-Stellmach, Leiterin von „moliri“.

Bewegung bringt Veränderung

„Es lohnt sich für jede Familie, etwas in Bewegung zu setzen“, meint Jentzen-Stellmach. Sprich: Etwas im Alltag zu verändern. Das sagt sich leicht, ist oft aber gar nicht so einfach umzusetzen. Die Anregungen und guten Vorsätze, vielleicht von einer Kur mitgebracht, werden oft vom Alltag schnell wieder geschluckt – wie die Caritas in der langjährigen Kurberatung immer wieder erfuhr. Die Caritas reagierte und startete „moliri“ 2007 zunächst als zeitlich begrenztes Projekt, seit 2010 wird die Servicestelle dauerhaft von der Stadt Herzogenrath und dem Caritas-Verband finanziert.

Die Teilnehmerinnen des Kurses „Fit für den Alltag“ verändern vor allem ihre Wahrnehmung: Sie lernen auch, wie man Mandeln häutet oder Zucchini von Gurke unterscheidet. Aber vor allem können sie sich – in vertrauter Umgebung der Kindertagesstätte ihrer Kinder – mit Frauen in vergleichbarer Situation austauschen. „Ich bin nicht die einzige, die es nicht perfekt geregelt bekommt“, war zum Beispiel eine beruhigende Erkenntnis. Einmal weniger putzen, aber dafür dem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit schenken – nicht nur diesen Wert haben die Mütter (wieder) entdeckt.

„Man steht immer unter Dampf, zerreißt sich zwischen den eigenen Ansprüchen und denen der Gesellschaft“, hat sich eine Mutter von fünf Kindern klar gemacht. „Babymassage, Pekip-Kurs, Babyschwimmen – das fängt ja schon im Säuglingsalter an.“ Da gehe dann das gesunde Kochen schon mal unter, weiß auch Familienpflegerin und Haushaltsorganisationstrainerin Gertrud Schwickerath, die den Kurs leitet. „Dann versorgen sich die Mütter aber auch selbst nicht mehr gut. Ich versuche ihnen zu vermitteln, dass sie sich auch mal für sich Zeit nehmen sollen.“

Bewegung bringt Veränderung – diese Erfahrung liegt allen Angeboten von „moliri“ zugrunde: Im Müttercafé können sich Mütter beim gemeinsamen Frühstück eine Auszeit nehmen, Tipps für die Haushaltsführung bekommen und letztlich Impulse für Veränderungen im Alltag empfangen. „Hier können sie trainieren, ihr Kind kurzzeitig in fremde Hände zu geben, um sich einmal in der Woche auf sich zu konzentrieren“, nennt Jentzen-Stellmach nur eine Veränderungsmöglichkeit von vielen.

Weitere Bausteine von „moliri“ sind eine Beratung im Sinne einer Clearingstelle, das Spendenprojekt „Kindermahlzeit“, die Familienpaten im Rahmen von „EFaS“ (Ehrenamtler und Ehrenamtlerinnen für Familien und SeniorInnen) sowie die ehrenamtlichen Kurlotsen, die in Kindertagesstätten Eltern bei der Beantragung einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur beraten. „Je näher dran, desto eher werden diese guten Hilfsangebote genutzt“, weiß Jentzen-Stellmach.

So ist es übrigens auch mit „Fit für den Alltag“. „Ich hätte mich sicher nicht dafür entschieden, wenn der Kurs im VHS-Programm gestanden hätte“, wissen die Frauen die vertraute Umgebung „ihrer“ Kita zu schätzen. Und die Chance auf Nachhaltigkeit ist größer.

„Wir motivieren uns jetzt gegenseitig durch die Kindergartenzeit hindurch“, sind sie sich sicher, nicht wieder in alte Muster zu fallen. Manchmal hilft da auch die moderne Technik: Per Foto informieren sich die beiden Mütter allabendlich, welche Mahlzeit sie für sich und ihre Lieben auf den Tisch gebracht haben.

Gutes Netzwerk

Bei allem kommt „moliri“ die gute Vernetzung der Servicestelle in Herzogenrath und darüber hinaus zugute. „Das Caritas-Hinterland ist eine gute Ausgangsposition“, weiß Jentzen-Stellmach das breite Unterstützungsportfolio ihres Arbeitgebers zu schätzen und zu nutzen. Aber sie weiß auch: „Die meiste Arbeit ist, den Zugang zu den Familien zu bekommen. Letztlich funktioniert Veränderung nur über Beziehung. Und die wird oftmals von Ehrenamtlichen erarbeitet und gepflegt. Das wissen wir sehr zu schätzen und versuchen es, durch gute Rahmenbedingungen zu fördern.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert