Mörgens: Ein Theater-Stück über Abschiebung

Von: Julia Gröbbels
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Mörgens Abschiebung Jan Langenheim
Papier ist nicht immer geduldig: Regisseur Jan Langenheim erzählt mit seiner Inszenierung von „Deportation Cast“, wie die deutsche Abschiebepraxis Menschen in die Verzweiflung treiben kann. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Abschiebung“ – ein Wort, dessen Tragweite sich nicht jeder konkret vorstellen kann. Dennoch ist sie auch in Deutschland harte Realität. Das Mörgens-Theater greift das Thema in Björn Bickers Stück „Deportation Cast“ auf, das am 10. Januar Premiere feiert.

In dem Stück geht es um den jungen Egzon, der nach einem traumatischen Erlebnis mit vier Jahren grundsätzlich nicht mehr spricht. Den Zuschauern erzählt er aber die Geschichte seiner Familie, einer Roma-Familie, die nach vielen Jahren in Deutschland plötzlich ausgewiesen wurde und nun im Dreck einer Müllhalde im Kosovo lebt.

Egzons Vater sammelt Dosen und trinkt Schnaps. Der große Bruder treibt sich herum, und seine Schwester Elvira klammert sich an ihr Handy, obwohl dessen Akku längst den Geist aufgegeben hat. In Deutschland ging Elvira vor ein paar Wochen noch zur Schule und war in ihren Mitschüler Bruno verliebt. Dieser versucht inzwischen in Deutschland zu verstehen, was passiert ist.

„Das Stück ist nach einer umfassenden Recherche aus verschiedenen Flüchtlingsgeschichten entstanden, die Autor Björn Bicker zu drei Ebenen zusammengefasst hat“, erklärt Dramaturgin Katharina Rahn, die seit der Spielzeit 2010/2011 am Theater Aachen tätig ist.

Die erste Ebene besteht aus Kommentaren von verschiedenen Beobachtern, darunter ein Arzt, ein Anwalt, eine Sachbearbeiterin der Ausländerbehörde und einer Beobachterin vom Flüchtlingsbüro. Auf der zweiten Ebene geht es um das persönliche Schicksal und die Erlebnisse der Roma-Familie im Kosovo. Die Geschichte des jungen Bruno, der in Deutschland zurückbleibt und sich Gedanken über die Hintergründe der Abschiebung macht, stellt die dritte Ebene in dem komplexen Stück dar.

Täglicher Kampf ums Überleben

„Interessant wird es, wenn die Alltagsprobleme der Beobachter wie Liebeskummer oder Ehekrisen durch die raschen Szenenwechsel in Kontrast geraten mit den Problemen der Roma-Familie, die im Kosovo täglich ums Überleben kämpfen muss“, sagt Regisseur Jan Langenheim. Auch die vier Schauspieler müssen sich in „Deportation Cast“ einer anspruchsvollen Aufgabe stellen.

Denn jeder spielt gleich drei verschiedene Rollen, die den drei Ebenen entsprechen. So spielt Robert Seiler beispielsweise Egzon, Bruno und den Arzt. „Als wir das Stück gemeinsam entwickelt haben, waren wir schockiert darüber, wie viele Menschen nach der Abschiebung in den Kosovo sterben.

Das wollen wir auch in ,Deportation Cast‘ nicht verschweigen. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch die Hilflosigkeit der Behörden und der scheinbar humanen Gesetzgebung zeigen“, so Regisseur Langenheim. „Das Stück stellt sich dabei der großen Komplexität des Themas, ist aber gleichzeitig sehr offen. Es soll den Zuschauer dazu anregen, über sich selbst nachzudenken und bestenfalls einen Paradigmenwechsel in Gang setzen“, meint er.

Dieser sei die Grundvoraussetzung dafür, dass sich dann auch konkret etwas ändern könne.

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