Aachen - Modernes Ideenlabor im historischen Gewand: „Station Europa“

Modernes Ideenlabor im historischen Gewand: „Station Europa“

Von: Oliver Schmetz
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Traumhaft schöne Räume: Die „Kapelle“ im Erdgeschoss des Grashauses war zuletzt bis unter die Decke mit Archivalien vollgestopft. Zurzeit wird sie aufwändig saniert, vom nächsten Jahr an soll sie Teil des „Europäischen Klassenzimmers“ werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es gibt sogar Bürgerinitiativen, die einer Planungsdezernentin keinen Ärger einbringen. Etwa die, die sich für den Erhalt des Grashauses eingesetzt hat. Es ist zwar schon deutlich über hundert Jahre her, dass der damals beabsichtigte Abriss des mittelalterlichen Bauwerks durch bürgerschaftliches Engagement verhindert werden konnte, aber Gisela Nacken freut sich heute noch darüber.

„Das war Aachens erste Bürgerinitiative“, lacht die Dezernentin, deren Entwurf für einen neuen Flächennutzungsplan gerade heftig zerpflückt wird – und zwar von diversen Bürgerinitiativen. Doch kann man die Freude nachvollziehen: Schließlich darf die Stadt dank dieser ersten Bürgerinitiative aus dem 19. Jahrhundert im Hier und Jetzt das historische Schätzchen am Fischmarkt zur hochmodernen und letzten „Station Europa“ im Rahmen der Route Charlemagne umbauen, womit dieses Leuchtturmprojekt der „Euregionale 2008“ Anfang 2015 komplett sein wird.

Ein „Europäisches Klassenzimmer“ soll dann Schulklassen als hochmodernes und multimediales Ideenlabor dienen. Außerdem werden als Mieter das regionale „Europe Direct“-Büro – die offizielle Info-Stelle der europäischen Institutionen – und die Karlspreisstiftung einziehen.

Die Gegenwart und die Zukunft Europas kleiden sich dann sozusagen in historisches Gewand – auch wenn von dem im Jahr 1267 als erstes Rathaus Aachens eingeweihten Gebäude nur noch die Fassade und ein paar Kellermauern stehen. Doch auch das, was bis 1890 hinter der Fassade errichtet wurde und die Stadtbibliothek und zuletzt das Stadtarchiv beherbergte, ist ein Schmuckstück – wenn auch eines, das über Jahrzehnte größtenteils hinter Aktenbergen und Regalwänden versteckt worden ist. Und eines, an dem der Zahn der Zeit ordentlich geknabbert hat.

Seit Sommer vorigen Jahres wird daran gearbeitet, die traumhaft schönen Räume, Säle, und Treppenhäuser zu sanieren. Projektleiterin Brigitte Schuh vom städtischen Gebäudemanagement, Architekt Albert Frey und Isabel Maier von der Denkmalpflege wandeln seitdem auf dem schmalen Grat zwischen dem Erhalt des Alten und modernsten Notwendigkeiten – schließlich soll das Haus vollkommen barrierefrei werden. „Wir haben bei jedem Bohrloch mit der Denkmalpflege gerungen“, beschreibt Schuh den Balanceakt. Doch habe man stets einen Kompromiss gefunden.

Mittlerweile sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Allerdings drängt auch die Zeit: Bereits Mitte Dezember wollen die Mieter einziehen, Anfang 2015 soll das „Europäische Klassenzimmer“ fertig sein. Vom aktuellen Stand der Dinge können sich die Aachener am Tag des Denkmals am kommenden Sonntag, 14. September, selber überzeugen, wenn zwei Führungen um 11 und um 12 Uhr angeboten werden.

Dabei handelt es sich naturgemäß um Führungen durch eine Baustelle, aber es scheint erstaunlicherweise eine zu sein, die – obgleich mitten im historischen Zentrum gelegen – bislang kein Ärgernis gewesen ist. Gisela Nacken erhält sogar ein Kompliment von einem Nachbarn. „Das war eine perfekte Baustellenregelung, es gab überhaupt keine Probleme“, lobt Martin Görg von der IG Domviertel. Es gibt also sogar Baustellen in Aachen, die einer Planungsdezernentin keinen Ärger einbringen.

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