Aachen - Modell für die Stadtplaner

Modell für die Stadtplaner

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Neue Einblicke ins Thema Stadt
Neue Einblicke ins Thema Stadtentwicklung: (von links) Professor Horst Fischer (BDA), Gerhard Wittfeld (BDA), Planungsdezernentin Gisela Nacken und Norbert Preuth, Leiter des städtischen Fachbereichs Geoinformation und Bodenordnung der Stadt Aachen zeigen das erste Quadrat des Foto: Andreas Steindl

Aachen. Endlich kann Gisela Nacken Aachen von einem Bauwerk befreien, dass der Stadtentwicklung aus ihrer Sicht im Wege steht - zumindest in ihrem Büro. Das Parkhaus Büchel. Mit einem Griff könnte sie es rausreißen.

Natürlich nur, weil es klein, weiß, aus sogenanntem Polystyrol ist und im Maßstab 1:500 Teil eines Stadtmodells. Doch Nacken lässt das Parkhaus dort, wo es ist. Im Herzen der Stadt und im Herzen des ersten 3D-Modells der Stadt.

Ein Meter mal ein Meter ist es groß, zeigt Dom und Rathaus, macht deutlich, dass das Kaufhaus „Lust for Life” eine Dimension hat, die sonst nur der Dom aufweist und dass es eine herrliche Sichtachse vom Aachen-Fenster Richtung Münster gibt. Es ist keine Bauklötzenspielerei, die Nacken am Montag in ihrem Büro präsentierte.

Es ist vielmehr eine neue Spielwiese für Architekten und Stadtplaner und noch dazu ein starkes Stück Anschauungsunterricht für den Bürger, wenn es darum geht, Bauprojekte zu verdeutlichen, ihre Ausmaße klar und ihre Einflüsse gelten zu machen. „Es geht nicht darum zu zeigen, wie schön Aachen ist, sondern mit diesem Modell zu arbeiten”, sagt Planungsdezernentin Nacken.

Letztlich geht neue Stadtmodell auf eine Veranstaltungsreihe der Aachener Gruppe des Bundes Deutscher Architekten (BDA) zurück. Die hatten vor zwei Jahren gefragt: Wer plant und baut die Stadt? „Konsens dieser Veranstaltungen war: Planung braucht mehr Öffentlichkeit”, erinnert Professor Horst Fischer vom BDA. Während Fachleute Karten und Pläne lesen könnten, sind die klassischen Wege, die neue Bauprojekte aufzeigen, dem Laien oftmals mangels Verständnis versperrt. Das soll mit dem 3D-Modell nun anders werden. Es ist der zweite Schritt zu einer plastischeren Stadtplaung, nachdem der BDA bereits einen großen (Stadt-)Teppich mit einem Luftbild Aachens im Ludwig-Forum ausrollte. „Dieses Modell ist nun ein wesentliches Instrument, um Veränderungsprozesse in der Stadt für Laien deutlicher zu machen”, erklärt Fischer. Deswegen sind alle Häuser mit einem Handgriff zu entfernen und durch neue zu ersetzen. Auch durch Luftschlösser, wenn es um erste Bauideen gibt.

Das erste Quadrat des Stadtmodells ist fertig. 70 sollen es am Ende werden, um das gesamte Stadtgebiet zu erfassen. Finanziert hat das erste Quadrat die Stadt. Drei Monate hat er Modellbauer in das Objekt investiert, die Kosten für so ein Quadrat liegen zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Sie sollen fortan durch Sponsoren gedeckt werden.

Raumfrage noch nicht geklärt

In einem ersten Schritt sollen die neun Quadrate der Innenstadt zusammengefügt werden. Während das Startquadrat in Nackens Büro steht, würde das Modell dann ins Foyers des Verwaltungsgebäudes am Marschiertor umziehen. Wohin es letztlich kommt ist aber noch offen, ein adäquater Raum werde noch gesucht. Einen Zeitplan gibt es aber nicht.

„Wichtig ist, dass das erste Element da ist”, sagt stattdessen Gerhard Wittfeld, Geschäftsführer der Kadawittfeldarchitekten GmbH, die das Projekt koordinieren. „Wenn künftig über Stadtplanung gesprochen wird, dann werden wir mit diesem Modell arbeiten. Es ist ein wichtiges Instrument, wird beispielsweise zeigen, wie nah der Campus an der Innenstadt liegt”, fügt der BDA-Mann an. Und in anderen Städten werde schon längst auf die Stadt im kleinen Maßstab vertraut. „Toll, dass auch wir den Einstieg nun gefunden haben”, kommentiert der Vorsitzende des Architektenbeirats Hans-Dieter Collinet.

Die Daten, die dem Modell zu Grunde liegen, kommen dabei vom städtischen Fachbereich für Geoinformation und Bodenordnung. Grundlage ist laut Leiter Norbert Preuth eine Katasterkarte, aber auch Luftbilder und die Daten einer Laserscanbefliegung werden verarbeitet. Und der Modellbauer hat sich alle Häuser vor Ort noch mal angeschaut. Zur Sicherheit.

Bald schon wird das 3D-Stadtmodell wachsen. Das zweite Quadrat - gesponsort durch den Aachener Bauinvestor Gerd Sauren - verspricht weitere spannende Einblicke, denn es umfasst den Bushof, die Adalbertstraße und nicht zuletzt das Gelände der Kaiserplatzgalerie. Auch so ein Ort in Aachen, an dem Gisela Nacken gerne endlich ein neues Gebäude einsetzen würde...
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