Aachen - Mobilitätszentrum: Leuchtturm bleibt ein Luftschloss

Mobilitätszentrum: Leuchtturm bleibt ein Luftschloss

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
14012145.jpg
Biotop statt Baustelle: Wann die FH endlich ihr neues Mobilitätszentrum an der Hohenstaufenallee bekommt, steht weiter in den Sternen. Derzeit wird übers Geld verhandelt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Diese Geschichte trägt fast schon kabarettistische Züge. Allerdings kann vor allem an der Fachhochschule niemand darüber lachen. Dort würde man wohl eher weinen, wenn es um das neue Mobilitätszentrum geht. Pleiten, Pech und Pannen haben den langen Weg dieses seit Jahren als „Leuchtturm“ beworbenen Projekts gepflastert.

Und ein Ende ist immer noch nicht in Sicht. Denn jetzt wird auch noch ums liebe Geld gefeilscht. „Es wird noch darüber verhandelt, wer welchen Teil der Kosten tragen wird“, erklärte Hartmut Gustmann am Dienstag auf Anfrage. So kann der Sprecher der Düsseldorfer Zentrale des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW als Bauherr des Projekts zum jetzigen Zeitpunkt denn auch nicht ansatzweise sagen, wann endlich die Bagger auf die seit Jahren brachliegende Baufläche an der Hohenstaufenallee rollen.

Platz für neue Studiengänge

An dieser Stelle muss man sich noch einmal die Historie dieses für die FH enorm wichtigen Projekts anschauen. Die begann vor knapp zehn Jahren. Entstehen sollte ein Zentrum, das die Aktivitäten der Fachhochschule in Sachen Mobilität bündelt. Hörsäle waren ebenso vorgesehen wie Labore, Prüfstände, eine Mensa und mehr. Teils sollten auch neue Studiengänge dort etabliert werden.

Die erste Planung stand bereits – und 2013 sollten Studierende und Hochschullehrer Einzug halten können. Doch dann trat die Landesregierung auf die Bremse, der die Kosten von 40 Millionen Euro zu hoch waren. Es sollte „abgespeckt“ werden. Also wurde neu geplant. Man landete bei 32 Millionen Euro.

Ende 2013 – als der Bau ja eigentlich schon fertig sein sollte und die ersten Studenten der neuen Fachrichtungen sowie neue Professoren längst da waren – rückten dann tatsächlich die Bautrupps an. Doch schon wenige Wochen später fanden die Arbeiten ein jähes Ende. Es gab enorme Probleme mit Wasser in der fast sieben Meter tiefen Baugrube. Und in Kellern der Nachbarhäuser wurde es feucht, sogar von Absackungen war die Rede. Beim BLB sprach man damals von „unbekannten Bodenhindernissen unter der Hohenstaufenallee“ und davon, dass es „statische Nachberechnungen“ geben müsse.

Abermals drei Wochen später folgte der endgültige Baustopp. Beim BLB hatte man den Schuldigen für das Dilemma bereits ausgemacht: den beauftragten Tiefbauer aus Geilenkirchen, der seine Aufgabe „nicht anständig gelöst“ habe, weswegen man nun die fristlose Kündigung aussprach. Doch besagter Bauunternehmer ging in die Gegenoffensive und sah die Schuld bei schludrigen Planungen des BLB, der nun von sich selbst ablenken wolle. Vor Gericht bekam er Recht.

Fortan lag die Grube an der Hohenstaufenallee offen, während permanent Wasser abgepumpt werden musste. Was natürlich auch Geld kostete. Davon war bei diesem Projekt bildlich zu diesem Zeitpunkt ja schon einiges in den Kanal gerauscht. Im Sommer 2014 kamen dann erneut Bagger. Aber nur, um die Grube größtenteils wieder zuzuschütten. Und weil man keinen Tiefbauer mehr hatte und die Zukunft des Projekts in den Sternen stand, sagte man auch noch dem längst beauftragten Hochbauer ab.

Ende 2014 war der Beschluss gereift, doch an der Hohenstaufenallee zu bauen – allerdings nicht so wie vorgesehen. Vielmehr sollte es nun ein Untergeschoss weniger und eine größere Distanz zu den Nachbarn geben, „um Baurisiken zu minimieren“. Die im Keller vorgesehenen Prüfstände sollten in einen separaten Neubau hinter dem angrenzenden Gebäude des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik untergebracht werden. Im Frühjahr 2015 sollten die Planungen beginnen. Im Februar 2016 waren die Pläne fertig, nun sollten abermals Abstimmungen beginnen. Den Baubeginn visierte man nun für Oktober 2016 und die Fertigstellung für 2018 an.

Geworden ist daraus: nichts. BLB-Sprecher Gustmann sagt, dass es in der vergangenen Woche noch Gespräche gegeben habe. Derzeit werde überlegt, ob die Werkstatthalle noch erhöht werden soll, „um aktuellen Richtlinien des Arbeitsschutzes“ zu entsprechen. Was erstens wieder Planungszeit und zweitens weitere Kosten verursachen würde. Und eben die Aufteilung der Kosten scheint ein Zankapfel zu sein.

Einen unterschriftsreifen Vertrag gebe es jedenfalls derzeit nicht. Wenn es ihn dereinst gibt, muss das Ganze auf ein Neues ausgeschrieben werden. Dennoch sagt Gustmann: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Diesen Satz hört man in Bezug auf den als „Leuchtturm“ für die FH gefeierten Neubau nicht gerade zum ersten Mal. Das Ende dieser unglaublichen Geschichte? Völlig offen. Der „Leuchtturm“ bleibt für die FH erstmal ein Luftschloss.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert