Mobilitätskonzept: Fünf Umweltverbände setzen auf die Bahn

Von: Birgit Broecheler
Letzte Aktualisierung:
6410990.jpg
Die Campusbahn ist am Bürgerwillen gescheitert, fünf Umweltverbände setzen dennoch auf die Schiene: Sie haben jetzt ihr Mobilitätskonzept 2020 vorgestellt.Illustration: TEMA

Aachen. Wie soll es nach dem Nein zur Campusbahn in Sachen Verkehr in der Domstadt weitergehen? Fünf Umweltverbände haben sich dazu Gedanken gemacht und ein Mobilitätskonzept 2020 erstellt. Sie wollen die Stadt für die Öcher lebenswerter machen.

„Denn in bundesweiten Umfragen zur Lebensqualität liegt Aachen zumeist nur im unteren Mittelfeld“, konstatiert Ralf Oswald vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Einer der Gründe für das schlechte Abschneiden der Domstadt sehen die Vertreter von ADFC, BUND, Pro Bahn, Greenpeace und VCD in der hohen Belastung der Einwohner durch den Autoverkehr. „Mehr als 50 Prozent der Wege in Aachen werden mit dem Auto zurückgelegt“, erklärt Oswald. Dadurch seien viele Anwohner sowohl tagsüber als auch nachts hohen Lärm- und Luftbelastungen ausgesetzt. „Bis 2020 wollen wir deshalb erreichen, dass der Anteil der Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Nutzer um 30 Prozent gesteigert wird.“

Die Umweltverbände sehen in der Stärkung von Bus und Bahn ihre Hauptaufgabe für die nächsten Jahre. „Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen komfortabler, schneller und pünktlicher sein. Dann können sie auch für viele Menschen zur echten Alternative zum Auto werden“, so VCD-Vertreter Oswald.

Trotz des ablehnenden Bürgerentscheids halten die Verbände die Straßenbahn für einen wichtigen Baustein der nachhaltigen Verkehrspolitik in Aachen – und noch längst nicht aus dem Rennen. Allerdings setzen sie auf einen transparenten Entscheidungsprozess bei Realisierung und Finanzierung und auf Mitbeteiligung der Bürger, die zudem Alternativen zur Auswahl gestellt bekommen.

Dass eine Straßenbahn durchaus Zukunft in Aachen haben kann, davon ist Norbert Rath vom ADFC überzeugt: „1999 wurde in Ulm der Bau einer Straßenbahn durch einen Bürgerentscheid abgelehnt. Zehn Jahre später wurde sie doch gebaut. Ulm und seine Bürger haben davon profitiert.“

Stärken wollen die fünf Umweltverbände auch den Radverkehr in der Domstadt. Mit elf Prozent sei er im Vergleich zu Göttingen (27 Prozent) und Münster (38 Prozent) sehr gering. Ausgebaute Radachsen und Schnellwege von allen Außenbezirken in die Innenstadt und die Verbindung zu Gewerbegebieten könnten da Abhilfe schaffen. Außerdem wollen die Planer erreichen, dass Radler ihre Drahtesel auch in den Bus mitnehmen dürfen.

Und auch für die Fußgänger soll der rote Teppich ausgerollt werden. „Es soll wieder Spaß machen, seine Besorgungen mit den eigenen Beinen zu erledigen“, wünscht sich Oswald. Behinderungen durch zu schmale und zugeparkte Gehwege sowie lange Wartezeiten an Ampeln wollen die Verbände daher abbauen. Stattdessen setzen sie auf die Aufwertung von Plätzen und Straßen.

„Unser Ziel ist, dass sich durch ein nachhaltiges Verkehrskonzept sowohl junge Familien mit Kindern in Aachen wohl fühlen als auch ältere Menschen, die wieder in die Stadt ziehen“, resümiert Oswald.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert