Aachen - Mobilitätsforum „Verkehr in Aachen“: Neue Ideen auf alten Schienen

Mobilitätsforum „Verkehr in Aachen“: Neue Ideen auf alten Schienen

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Neueste Technik auf alten Schienensträngen: Beim Forum zum Thema E-Mobilität im Busverkehr war auch mancher kleine Flitzer mit von der Partie. Auch die Aseag hat jetzt einen E-Bus entwickelt. Foto: Andreas Schmitter
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Neueste Technik auf alten Schienensträngen: Beim Forum zum Thema E-Mobilität im Busverkehr war auch mancher kleine Flitzer mit von der Partie. Auch die Aseag hat jetzt einen E-Bus entwickelt. Foto: Andreas Schmitter
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Reges Interesse: Zahlreiche Bürger beteiligten sich an der Diskussion mit den Experten. Dabei wurde einmal mehr klar, dass die ÖPNV-Fahrgäste und -Macher auch viele alltägliche Probleme plagen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die alten Schienenstränge der Öcher Tram sind im Depot Talstraße, dem ehemaligen Straßenbahndepot, noch gut zu sehen. Sie führten am Donnerstagabend rund 250 Aachener zum dritten Mobilitätsforum „Verkehr in Aachen“ der Initiative Aachen in Kooperation mit der Stadt.

Titel: „Mobilität und ÖPNV im Wandel – Wohin geht die Reise mit Bus & Bahn in Aachen?“ Ein Thema, das den Bürgern offensichtlich unter den Nägeln brennt.

Elektromobilität im Individualverkehr wie im Öffentlichen Nahverkehr, autonomes Fahren, vernetzte Mobilität mit Leihfahrrad, Bus und geteiltem Auto – das sind die Stichworte, die Oberbürgermeister Marcel Philipp nennt, wenn er über emissionsfreien Verkehr redet. Dann glänzen seine Augen. Er sieht darin die Chance, Stickoxide und Lärm in den Griff zu bekommen und zugleich Arbeitsplätze zu schaffen, denn bekanntlich werden in Aachen nicht nur der Streetscooter von der Post gebaut, sondern auch der „e.go“ und der „e.go People Mover“, ein autonom fahrender Kleinbus.

Selbst die Aseag hat sich vom Pioniergeist der Aachener E-Auto-Bauer anstecken lassen und den ersten Elektro-Gelenkbus mit einer Reichweite von 300 Kilometern entwickelt. Auch ein Fördermittelsalat und eine bislang kaum vorhandene öffentliche Förderung des ÖPNV im Allgemeinen durch den Bund, die anstehende Klage der Deutschen Umwelthilfe und mancher ideologische Kampf können Philipps Stimmung kaum trüben: „Es macht Spaß, und man kommt vorwärts, wenn man sich der Themen annimmt“, erklärte der OB, der die emissionsfreie Mobilität zur Chefsache erklärt hat.

„Wasser in den Wein“ wollte dagegen Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), schütten. Auch er sah eine Chance in der Digitalisierung, die aber vor allem so genutzt werden sollte, dass es für den Kunden einfacher wird. „Egal wie gut eine lokale Lösung ist, global ist sie unbedeutend“, gab er den Kollegen der Aseag und des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) mit auf den Weg. „Euro-6-Diesel werden bei Bussen noch lange das Maß sein, weil gar nicht genug E-Busse gebaut werden.“ In Aachen sollen im nächsten Jahr 15 Aseag-Busse von insgesamt 220 elektrisch fahren.

Dass die ÖPNV-Kunden eher mit täglichen Problemen zu kämpfen haben, als sich an schillernden Zukunftsszenarien zu erfreuen, zeigte die Diskussion mit Philipp, Aseag-Vorstand Michael Carmincke und Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer des AVV und des Nahverkehrs Rheinland: Übervolle Busse und Bahnen, verdreckte Züge ohne funktionierende Toiletten, eine fehlende Tangentialverbindung zwischen den Stadtteilen für Busse waren da nur einige Themen.

Die Zufriedenheit der Fahrgäste ist laut Kundenbarometer mit einer guten Note drei allerdings gar nicht so schlecht: Immerhin transportiert allein die Aseag täglich 220 000 Fahrgäste durch die Stadt, 94 Prozent der Aachener haben eine Haltestelle in maximal 300 Metern Entfernung, und die Flotte besteht zu 100 Prozent aus barrierefreien Niederflurbussen – doch bislang sind erst rund 200 der 900 Haltestellen entsprechend umgebaut. Steht ein Zulieferer oder Falschparker an der Busbucht, geht gleich gar nichts mehr. „Damit haben wir in Aachen massive Probleme“, gab Michael Carmincke zu. Eine Lösung gibt es aber sehr wohl kurzfristig gegen den Stickoxidausstoß der Busse: „Die Filter werden eingebaut, sobald das Geld vom Dieselgipfel in den Kommunen ankommt“, versprach Philipp zumindest für Busse, die noch ein paar Jahre fahren sollen.

Deutlich mehr Freude hatten die Podiumsteilnehmer an den Zukunftsthemen: In der Umsetzung ist das vernetzte Fahren mit der Plattform „Mobility Broker“. Zurzeit testen die 5000 Mitarbeiter der Stadt, wie sich mit einer Karte Leih-E-Bike, E-Dienstwagen und Bus nutzen lassen. Sedlaczek stellte eine unternehmensübergreifende Variante in Aussicht, die auch nicht vor Landesgrenzen haltmachen soll: „Den Fahrkartenautomaten der Zukunft trägt schon fast jeder in seiner Tasche: das Smartphone.“

Auch mit dem autonomen Fahren beschäftige man sich intensiv. „Die Technik ist nicht das Problem. Wir denken über Sicherheit, Ausstattung und so etwas nach. Aber wenn es technisch und rechtlich möglich ist, wollen wir ein Shuttle-Betreiber sein und den individuellen Dienst auf den Busverkehr aufsetzen“, blickte auch Carmincke gern in die Zukunft.

So blieb Hans-Joachim Sistenich von der Initiative Aachen zu konstatieren: „Wir erleben eine Veränderung der Mobilität, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Es ist eine große Chance, die wir nicht aus der Hand geben dürfen.“ Impulse dazu sollen zwei weitere Mobilitätsforen in vergleichsweise naher Zukunft geben, die sich mit dem Auto und dem Parken sowie dem Verkehr im öffentlichen Raum befassen werden.

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