Aachen - „Mobilität in Aachen“: Gut 100.000 Autos sind in der Stadt daheim

„Mobilität in Aachen“: Gut 100.000 Autos sind in der Stadt daheim

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
10446649.jpg
Foto: Harald Krömer 09. August 2010 Feinstaubalarm Wilhelmstr. Job: Staub 1
10446670.jpg
Daueraufgabe: Aachens Straßen in Schuss zu halten, stellt die Stadt vor enorme Herausforderungen. Pro Jahr werden zwischen 4 und 5 Millionen Euro allein in die Erneuerung gesteckt. Um die gesamten 900 städtischen Straßenkilometer in perfektem Zustand zu halten, müssten theoretisch jährlich 22 Kilometer saniert werden.
7371047.jpg
Auf dem neuesten Stand: Das modernisierte Parkleitsystem lotst die Fahrer zu einem der 7600 Stellplätzen in Aachens 18 Parkhäusern. Foto: M. Jaspers
10446669.jpg
Dicke Brummer: Jede Menge Güterverkehr ist in der City unterwegs. 32.000 Lkw-Fahrten finden pro Tag statt, die das Ziel oder den Ausgangspunkt Aachen haben.
10446647.jpg
Dicke Luft: Trotz eines umfangreichen Luftreinhalteplans werden seit Jahren regelmäßig die Höchstwerte überschritten. Am Adalbertsteinweg und an der Wilhelmstraße wurden 2014 48 beziehungsweise 50 Mikrogramm im Jahresmittel gemessen. Nun soll voraussichtlich Anfang 2016 die Umweltzone kommen.

Aachen. Immer in Bewegung – davon können Aachens Autofahrer mitunter nur träumen. Speziell auf den Hauptverkehrsachsen wird es regelmäßig eng, und der Verkehr kommt zum Erliegen. Im zweiten Teil der AZ-Serie „Mobilität in Aachen“ geht es vor allem um den motorisierten Individual- und Güterverkehr und seine Auswirkungen auf Stadt und Menschen.

Wie viele Autos sind in Aachen unterwegs?

Das lässt sich pauschal kaum beantworten. Fest steht: Das Pkw-Verkehrsaufkommen ist enorm hoch und soll Stück für Stück durch zahlreiche Maßnahmen und attraktivere Alternativen – Stichwort Pedelecs oder ÖPNV – verringert werden. Fakt ist allerdings auch: Im vergangenen Jahr waren 106.042 Autos in Aachen zugelassen – mehr als je zuvor. Die Zahl steigt seit Jahren an, und auch der aktuelle Trend besagt, dass die Liebe der Menschen zum Auto ungebrochen bleibt (siehe Grafik). Jeden Tag pendeln circa 80.000 Menschen mit dem Wagen nach Aachen ein, und rund 30.000 pendeln aus. Insgesamt werden stolze 51 Prozent der Wege, die Aachener unternehmen, mit dem Pkw zurückgelegt. Dabei wäre eine Alternative oftmals angebracht: Denn 25 Prozent besagter Fahrten sind kürzer als vier Kilometer. Der gemeine Autofahrer, der nach oder von Aachen aus unterwegs ist, ist gern allein unterwegs: So pendeln im Berufsverkehr aus dem Umland je 21 Personen in 20 Autos. Fahrgemeinschaften sind somit weiterhin die Ausnahme.

Welche Angebote werden entwickelt, um einen umweltfreundlicheren Individualverkehr zu etablieren?

Ein Zauberwort heißt Car-Sharing. Teilnehmer zahlen dafür einen Monatsbeitrag und ansonsten nur, wenn man das Auto nutzt. Der größte Anbieter in Aachen, Cambio, hält aktuell 35 Stationen und 102 Autos vor. Genutzt wird das Angebot von 6200 Kunden. „Für viele Menschen ist ein Leben ohne Auto undenkbar“, stellen die Autoren der städtischen Erhebung „Vision Mobilität 2050“ fest. Und für viele bedeutet das bis auf weiteres: Der Traum, ein eigenes Auto zu besitzen, bleibt bestehen. Die für 2050 formulierten Szenarien der Stadt klingen da noch arg nach starker Zukunftsmusik: „Pkws sind in Aachen leise und emissionsfrei unterwegs (...). Die Nutzung von Pkws ist auf die jeweilige Verkehrssituation abgestimmt, so dass Staus nur noch in Ausnahmefällen vorkommen. Das Teilen von Autos ist weit verbreitet (...).“

Welche Vorteile hätten weniger Autos im Aachener Straßenverkehrsbild?

Sicherlich zahlreiche. Vorneweg ist der Faktor Umweltbelastung zu nennen. Die ginge durch weniger Individualverkehr zurück. Die Stadt sieht weitere Vorteile: So könnten Straßen schöner gestaltet werden mit mehr Aufenthaltsflächen für die Menschen, da weniger Parkplätze für Autos notwendig wären.

 

Ist das ein realistisches Szenario? Wie sieht die aktuelle Parkplatzsituation in Aachen aus?

Das bleibt abzuwarten. Aktuell ist noch nicht absehbar, dass ein Großteil auf die Variante eigenes Auto verzichten möchte. Die, die in Aachen mit dem Pkw unterwegs sind, müssen sich aber nicht nur auf volle Straßen einstellen, auch die Parkplatzsuche gestaltet sich für viele Anwohner im Innenstadtbereich schwierig. Der Parkdruck ist in einigen Vierteln enorm hoch. Zahlen belegen das: So stehen in den 18 Anwohnerparkzonen insgesamt 9509 Plätze zur Verfügung. Demgegenüber sind für eben jene 18 Zonen 11.802 Anwohner-Parkausweise ausgestellt worden. Weitere Zonen sollen im Dialog mit den Bürgern geplant werden, so die Stadtverwaltung. Tief in die Tasche greifen müssen Anwohner für ein 365-Tages-Ticket nicht – allerdings ohne Platzgarantie : 30 Euro Gebühr fallen pro Jahr für den Ausweis an.

Wo kann sonst noch geparkt werden?

In der Innenstadt stehen in 18 Parkhäusern insgesamt 7600 Stellplätze zur Verfügung. Mit der Eröffnung des Aquis Plaza kommt ein weiteres Parkhaus für 600 Fahrzeuge hinzu. Dagegen soll das arg in die Jahre gekommene Parkhaus Büchel mit der Überplanung des kompletten „Altstadtquartiers Büchel“ in absehbarer Zeit verschwinden. Mit modernster LED-Technik begrüßt unterdessen das vor kurzem komplett überarbeitete Parkleitsystem Besucher und Öcher gleichermaßen bei der Suche nach einem freien Parkhaus-Platz. An 74 Standorten innerhalb des Alleenrings werden die Fahrer so in die verschiedenen Parkhäuser gelotst. Kosten der Modernisierung: 360.000 Euro. 1600 P+R-Plätze warten am Stadtrand auf Blechlawinen. Von dort aus geht es für fünf Euro mit dem Bus in die City (Parkgebühr inklusive). Generell gilt aber: Mit Blick auf die ferne Zukunft gehen Stadtplaner davon aus, dass intelligente Mobilitätskonzepte immer größeren Anklang finden und dadurch weniger Parkplätze vonnöten sind.

Was passiert, wenn der motorisierte Verkehr in Aachen rollt?

Dann wird er von insgesamt 228 Ampeln im Stadtgebiet gesteuert. Die Verkehrsrechnerzentrale überwacht dabei laufend 181 Lichtsignalanlagen. Das ist auch nötig. Denn fallen an neuralgischen Punkten Ampeln aus, kann das zu chaotischen Zuständen auf Aachens Straßen führen. Auf einigen Hauptverkehrsachsen sind pro Tag mehr als 30.000 Fahrzeuge unterwegs. Den Spitzenwert in der City belegt die Wilhelmstraße mit 35.250 Fahrzeugen täglich, aber auch auf der Turmstraße (32.600 Fahrzeuge), Theaterstraße (22.750), Monheimsallee (19.350) oder auf dem Kapuzinergraben/Alexianergraben (17.900) schieben sich zu den Stoßzeiten gewaltige Blechlawinen durch die Straßenschluchten.

Wie steht‘s um den Zustand der Straßen?

Sehr unterschiedlich. Aktuelle Sanierungen wie am Krugenofen oder der gerade abgeschlossene erste Abschnitt Lütticher Straße zeigt, dass es zahlreiche Straßen in Aachen gibt, die dringend eine Kompletterneuerung benötigen. Generell gilt: Eine Straße hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 40 Jahren. Spätestens dann oder wenn schon zuvor reine Reparaturen wirtschaftlich nicht mehr vertretbar sind, wird ein Abschnitt erneuert. Rund 900 Kilometer städtische Straßen gibt es in Aachen. Wenn alle in einem verkehrssicheren und bautechnisch angemessenen Zustand sein sollen, müssten laut Verwaltung jährlich circa 22 Kilometer erneuert werden. Die regelmäßigen Ausgaben für den Straßenbau beliefen sich in den vergangenen Jahren auf 7,1 bis 7,9 Millionen Euro pro Jahr (siehe Grafik), für die Straßen- und Brückenunterhaltung (inkl. Personalaufwand) gibt die Stadt jährlich zwischen 4,2 und 4,5 Millionen Euro aus.

Wie groß ist der Lkw-Verkehr in Aachen pro Tag, und welche Auswirkungen hat er?

Eine Befragung der IHK Aachen hat ergeben: „Nach Einschätzung der Unternehmen ist die Verkehrsinfrastruktur in der Region Aachen ausgezeichnet, aber auch wesentlich entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit.“ Entsprechend groß ist der Wirtschaftsverkehr. So finden pro Werktag gut 32.000 Lkw-Fahrten statt, die das Ziel oder den Ausgangspunkt Aachen haben. Gut die Hälfte der Fahrten bewegen sich dabei innerhalb des Stadtgebietes. „Der Güterverkehr ist zwingend notwendig. Der Anteil seiner Emissionen liegt aber deutlich über seinem Anteil am Verkehrsgeschehen“, stellen die Verfasser von „Vision Mobilität 2050“ klar. Das wiederum hat – zusammen mit dem ebenfalls hohen Pkw-Verkehrsaufkommen – zum Teil enorme Auswirkungen auf die Bürger der Stadt. So sind 15 Prozent der Einwohner tagsüber einer Lärmemission oberhalb von 65 Dezibel ausgesetzt.

Solch ein Straßenlärm erhöht zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislaufstörungen um 20 Prozent im Vergleich zu einer Lärmbelastung von 50 bis 55 Dezibel. Ein weiterer Punkt ist die damit verbundene Luftverschmutzung. Trotz eines umfangreichen Luftreinhalteplans der Stadt konnte das Stickoxid-Problem vor allem im Innenstadtbereich bisher nicht gelöst werden. Am Adalbertsteinweg und an der Wilhelmstraße wurden 2014 48 beziehungsweise 50 Mikrogramm im Jahresmittel gemessen. Das ist zu viel. Die Folge: Spätestens ab Anfang 2016 soll innerhalb des Außenrings eine Umweltzone eingerichtet werden. Für die meisten Autofahrer würde dies indes keine Einschränkung bedeuten: 95 Prozent aller Pkw sind laut Verwaltung bereits mit einer entsprechenden grünen Plakette ausgezeichnet.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert