Mobbing, Rücktritte, Chaos im Vorstand

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) macht ihrem Namen zurzeit wenig Ehre. Statt Kooperation und Verständigung prägen Chaos und nebulöse persönliche Anfeindungen das interne Bild.

Die Initiative, die rund 350 Mitglieder zählt, steht vor einem Scherbenhaufen - zumindest auf Führungsebene. Bis zum Frühjahr kam es zu einer regelrechten Erosion im achtköpfigen Vorstand, dessen Spitze traditionell aus je zwei jüdischen Vertretern sowie zwei Repräsentanten der beiden großen christlichen Konfessionen zusammengesetzt ist - oder sein müsste. Inzwischen ist die jüdische Vereinsführung komplett vakant.

Spätestens im November begann die Auseinandersetzung um die turnusgemäß auch in der Geschäftsführung amtierende 1. Vorsitzende Riwkah Or zu eskalieren. Der katholische Vorsitzende Heinrich Kaiser nahm seinen Hut.

Kurz darauf erklärte auch Riwkah Or ihren Rücktritt. Begründung: Durch „fortgesetztes Mobbing” sei jegliche Vertrauensbasis zerstört. „Es gab keinen Weg, weiter zu agieren”, erklärte sie auf Anfrage, „nicht nur persönlich, sondern auch als jüdische Vertreterin wurde ich in einer Weise behandelt, die ich als demütigend bezeichnen muss. Und ich habe wirklich keine Ahnung, warum.”

Jedenfalls habe der Konflikt sich massiv zugespitzt, nachdem die hauptamtliche Geschäftsführerin der Gesellschaft gekündigt hatte. Dennoch, so Or, sei ihr der Zutritt zum Vereinsbüro seitens der Schatzmeisterin brüsk verweigert worden. Letztere wollte sich gegenüber der AZ dazu nicht äußern.

Eine Nachfolgekandidatin für die Geschäftsführung zog ihre Bewerbung angesichts der unübersehbaren Konflikte mit Bedauern zurück, wie sie der AZ bestätigte. Nach einer turbulenten Mitgliederversammlung im April kehrte auch der 2. jüdische Vorsitzende Jochen Haritz der Gesellschaft den Rücken.

Zurzeit leitet der 1. evangelische Vorsitzende Pfarrer Jens-Peter Bentzin die Geschicke des Vereins folglich ziemlich allein. Selbst intern habe Bentzin eine Aussprache über die Hintergründe nicht zugelassen, kritisiert Vereinsmitglied Rainer M. Hofmann.

„Obwohl ich den Vorstand immer wieder dazu aufgefordert habe, habe ich niemals eine konkrete Antwort erhalten.” Auch Or sei keine Möglichkeit gegeben worden, sich bei der Mitgliederversammlung unmittelbar zu erklären.

Bentzin unterstreicht allerdings, dass eine mündliche Aussprache per Basisbeschluss mit gutem Grund abgelehnt worden sei: „Es ging hier um rein persönliche Differenzen und keinesfalls um die gemeinsame Sache. Das haben wir immer sehr deutlich betont.” Es sei „schlichtweg Quatsch, dass irgendjemand etwa einen Affront hätte provozieren wollen”.

Vielmehr sei der verbleibende Vorstand seit langem im intensiven und konstruktiven Gespräch mit der katholischen Seite und der Jüdischen Gemeinde: „Wir wollen bei der nächsten Mitgliederversammlung am 29. Juni geeignete Nachfolger zur Wahl stellen.”
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