Aachen - „mNemoscience”: Forscherpioniere im Sog der Finanzkrise

„mNemoscience”: Forscherpioniere im Sog der Finanzkrise

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Die Liste der Preise, die diese Firma eingesammelt hat, ist lang. Und es sind nicht irgendwelche Auszeichnungen.

So war die „mNemoscience GmbH” mit Sitz an der Krefelder Straße in Aachen und im Carolus-Magnus-Center in Übach-Palenberg im Jahr 2004 eines von drei bundesweit nominierten Unternehmen in der Kategorie „Visionär” des Deutschen Gründerpreises. 2000 erhielt man den Innovationspreis des Landes NRW, 2001 folgte der Sieg im Zukunftswettbewerb Ruhrgebiet.

Die Liste ließe sich mit „Awards” - auch in den USA - fortsetzen. Die weltweit tätige renommierte Unternehmensberatung „Frost & Sullivan” bescheinigte der „mNemoscience” vor einigen Jahren eine „weltweite Alleinstellung” auf ihrem Arbeitsgebiet.

Das ist in erster Linie die Entwicklung von Kunststoffen mit Gedächtnis. Sie erinnern sich nämlich an ihre Form, was etwa in medizinischen Einsatzbereichen revolutionär sein kann. Doch jetzt ist dieses hochinnovative Unternehmen in Schieflage geraten. Aufgrund von finanziellen Problemen musste „mNemoscience” Insolvenz anmelden.

Am Mittwoch ist dementsprechend das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die gute Nachricht für die derzeit rund 20 Mitarbeiter: Der Betrieb läuft zunächst weiter, wie Rechtsanwalt Thomas Georg am Freitag auf Anfrage erklärte. Und an den Einschätzungen von einst habe sich nichts geändert: „Das Unternehmen ist technologisch sehr interessant”, so die Einschätzung des vorläufigen Insolvenzverwalters. In der Tat.

Zum Beispiel hunderttausenden Herz-Kreislauf-Patienten könnten die „Formgedächtniskunststoffe” helfen. Per Katheder in die Blutgefäße implantiert, fixieren sie sich in Form feiner Röhrchen - „Stents” genannt - an der gewünschten Stelle selbst. Ein anderes Einsatzfeld ist Nahtmaterial in der Chirurgie. Hierbei können sich diese Kunststoffe selbst verknoten. Als Lizenzprodukte können die Kunststoffe auch bei der Autoreparatur und anderen Bereichen zum Einsatz kommen.

So innovativ das alles ist, so machtlos ist ein solches Unternehmen im Sog der globalen Finanzkrise, die in diesem Fall offenbar auch lokal voll einschlägt. Die Schwierigkeiten sind nicht hausgemacht, sondern resultieren aus Problemen des Hauptinvestors.

Dabei handelt es sich um „Paperboy Ventures”, einen Risikokapitalgeber mit Sitz in Washington. „Offenstehende Millionenbeträge sind nicht mehr gekommen”, sagt auch Geschäftsführer Christian Palme. Doch er ist zuversichtlich: „Wir führen fast täglich Gespräche mit potenziellen Investoren und hoffen in den nächsten 14 Tagen auf ein Ergebnis.”

Laut Branchendiensten sollen bis 2008 20 Millionen Euro aus den USA geflossen sein. Doch es wird noch deutlich mehr benötigt, um die Innovationen zur Serienreife zu bringen. Das soll 2011 der Fall sein - und dann könnte das Geld in die andere Richtung strömen.

Gegründet wurde die Firma 1998 von den Professoren Andreas Lendlein, der die „denkenden” Kunststoffe entdeckte, und Robert Langer. Lendlein wurde als erster Deutscher mit dem „World Technology Network Award” ausgezeichnet, galt somit als einer der innovativsten Forscher der Welt.
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