Mix-Markt-Täter erstaunt die Richter

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Mutter, Schwester und die Ehefrau des Angeklagten Leonid V. (29) waren am Montag als Zeugen vor dem Aachener Schwurgericht geladen, um im Prozess wegen versuchten Mordes an einem Ladenbesitzer in Driescher Hof auszusagen.

Die Familienangehörigen nahmen alle drei ihr Recht in Anspruch, nichts zum Sohn, Bruder und Ehemann sagen zu müssen - nahen Verwandten steht nach der Strafprozessordnung ein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht zu.

Die Karten danach waren nicht gut gemischt für Leonid V., der laut Anklage Mitte Februar dieses Jahres den Mix-Markt im Stadtviertel Driescher Hof überfallen haben soll. V., der als Aussiedler mit deutschem Pass der hiesigen Sprache kaum mächtig ist, gestand am Montag durch die Übersetzerin dem Schwurgericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl), dass er der Täter war.

Einzelheiten zu dem spektakuläre Überfall, erklärte Strafverteidiger Ulrich Gleißner (Aachen) nach dem knappen Geständnis, werde sein Mandant erst „nach der Einlassung des Ladenbesitzers” abgeben.

Das bewertete das erstaunte Gericht als nicht sehr hilfreich, denn Gründe für eine deutliche Strafmilderung lassen sich wirkungsvoll unter anderem durch ein umfangreiches und vor allem „von Reue getragenes Geständnis”, so die Rechtskommentierung, erreichen.

Eine Blutspur des seit langen Jahren drogenabhängigen Täters hatte letztlich zu seiner Ergreifung geführt, der Fahndungsdruck nach seiner Flucht wurde so hoch, dass sich V. nach etwa zehn Tagen selbst stellte.

Anscheinend hatte der aus Kasachstan stammende Vater eines kleinen Kindes an jenem Abend, als er mit einer Halloweenmaske verkleidet kurz vor Toresschluss in den Markt eindrang, nicht mit dem wehrhaften Ladenbesitzer gerechnet.

Denn der wehrte sich. Der 57-Jährige bekam eine Kugel ab, wurde lebensgefährlich verletzt, sitzt jetzt jedoch als Nebenkläger im Verfahren gegen den mutmaßlichen Raubmörder, der seinem Leben des Händlers beinahe ein Ende gesetzt hätte.

Laut Anklage brachte V. die Frau des Opfers im Büro am Eingang des Ladens in seine Gewalt, fesselte sie dort mit Kabelbindern und zwang sie, den Aufenthaltsort ihres Mannes im Laden preiszugeben. Der zählte weiter hinten die Tageseinnahmen.

Als der Räuber mit vorgehaltener Waffe an sein Geld wollte, leistete der Inhaber Widerstand, es kam zu einem Gerangel, ein Schuss traf den Händler lebensgefährlich in den Oberkörper.

Trotzdem gelang es ihm, an die Waffe zu kommen und er feuerte seinerseits auf den Mann mit der Maske. Er traf ihn auch, eine Blutspur führte nach draußen, verlor sich aber dann.

Ein Kriminalbeamter berichtet von gefundenen Projektilen über der Türe und jener Blutspur, die zu einem Treffer in der DNA-Bank und zur Identität des Angeklagten führten.

Eine Kugel aber fand man auf der Intensivstation im Klinikum. Das Personal hatte sie dem Operierten in die Hosentasche gesteckt. Der Prozess geht am Donnerstag weiter.
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