Mitreißende Musik für bessere Noten

Von: Marie Ludwig
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Tosender Applaus: Die Big Band der Bundeswehr begeisterte tausende Zuhörer auf dem Aachener Katschhof und sorgte damit für hohe Spendeneinnahmen. Foto. Andreas Steindl

Aachen. „Jetzt kann‘s losgehen!“ Moderator Thomas Ernst betritt in blütenweißer Uniform die Bühne und begrüßt das Publikum. Freudig kündigt er das diesjährige Benefizkonzert der Big Band der Bundeswehr an, dem schon tausende Zuschauer auf dem Katschhof entgegenfiebern. Doch dieser warme Sommerabend soll nicht nur musikalisch unterhalten.

Denn die Veranstalter der Sparkasse Aachen haben in diesem Jahr ein besonderes unterstützungswürdiges Projekt ausfindig gemacht: „Jute – Jugend trifft Erfahrung“. JutE unterstützt seit sieben Jahren Kinder in 25 Grundschulen, die den Schulstoff alleine nicht bewältigen können. Daher hat JutE ein Konzept entwickelt, bei dem 65 ehrenamtliche Mentoren den Schülern beim Lesen, Schreiben und Rechnen helfen.

Für das Einsammeln der Spendengelder hat die Sparkasse 17 prominente Aachener engagiert. Unter ihnen ist auch Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters. Er ist einer der Ersten, der seinen durchsichtigen Plexiglaskoffer in den Auszählungswagen bringt. Dort wird der Koffer vom Zählungsbeauftragten Robert Schönheit in Empfang genommen. Ruckzuck hat Schönheit den Koffer mit einem Minischlüssel geöffnet und sortiert das Geld sorgfältig in eine Geldkassette.

Draußen steigt unterdessen die Stimmung. Denn die Big Band begeistert das Publikum mit einem „Best of der Bondfilmsongs“. York und Barbara Abicht hatten sich dieses Jahr fest vorgenommen, die Band live mitzuerleben. Der Berufssoldat und seine Frau leben in Aachen und freuen sich, es dieses Jahr endlich ins Publikum geschafft zu haben. Denn bereits im Mai 2011 und Juni 2013 organisierte die Sparkasse in Kooperation mit der Stadt das Benefizkonzert mit der Big Band.

Auch in diesem Jahr präsentieren die 21 Profimusiker aus den Reihen der Bundeswehrsoldaten und die Gesangssolistin Bwalya aus Sambia unter der Leitung von Oberstleutnant Timor Oliver Chadik eine musikalische Spitzenshow. Mit Feuerwerk und Livebildkamera kann selbst die hinterste Reihe das Schauspiel hautnah miterleben. „Ich freue mich richtig, dass ich auch von hier hinten etwas sehen kann“, erzählt die 80-jährige Agnes. Sie und ihr Mann haben es sich auf Klappstühlen gemütlich gemacht und genießen die 90-minütige Show.

Doch plötzlich scheint sich das Wetter zu verändern. Wind kommt auf, und Wolken huschen in rasanter Geschwindigkeit über den Dom. Dann geht auf einmal die Musik aus: Stromausfall. Maschinenbaustudentin Connie schaut sich besorgt um: „Bloß kein Gewitter, das wäre so schade“, sagt sie zu ihren Freunden. Aber Moderator Thomas Ernst rettet die Situation. Sein Handmikrofon funktioniert noch. So stellt er sich zwischen die Bläser, die sich um ihn zusammenrotten und das „Concierto de Aranjuez“ anstimmen. Auf einmal mischen sich wie geplant an richtiger Stelle ein sanfter Bass und die anderen Instrumente wieder dazu. Der Stromausfall ist überstanden – und das Publikum jubelt.

Die 1971 gegründete Big Band der Bundeswehr begeistert nicht nur in Deutschland ihr Publikum, sondern hat auch auf Weltbühnen in Tokio, New York und Madrid ihr Können gezeigt. Bei den unzähligen Konzertveranstaltungen wurden mehr als 16 Millionen Euro für wohltätige Zwecke eingespielt. Bandleiter Timor Chadik ist der Meinung, dass die „Partitur zum Erfolg“ zum einen von dem Gefühl und dem Talent der Bandmitglieder, zum anderen aber auch von gemeinsamer harter Arbeit und Disziplin geschrieben wird.

Schulische Leistungen verbessern

Der gesamte Erlös des Benefizkonzerts soll daher dem Caritas-Projekt „JutE – Jugend trifft Erfahrung“ zukommen. So konnten durch JutE bisher schulische Leistungen verbessert und dafür gesorgt werden, dass die Kinder wieder mehr Spaß am Lernen haben. Beispielsweise bekam Grundschüler Lukas B. eine spezielle Förderung durch JutE. Denn zu Hause hat Lukas keine guten Lernvoraussetzungen: Seine Eltern müssen beide arbeiten, können ihn bei den Hausaufgaben deshalb wenig unterstützen – und auch in seinem Zimmer findet er wenig Ruhe, da er sich dieses mit seiner kleinen Schwester teilt.

Doch durch die Unterstützung einer JutE-Mentorin übt Lukas zweimal wöchentlich Lesen und hat inzwischen kaum noch Probleme auf diesem Gebiet. „Die Kinder finden ihre Mentoren oft so cool, dass unsere Förderung ein richtiger Trend wird. Mit unserem Projekt können wir jetzt Grundsteine legen für die Zukunft“, sagt JutE-Projektleiterin Jessica Hugot, die sich riesig über die Unterstützung der Sparkasse freut.

Es ist kurz vor 22.30 Uhr. Die letzten Koffer werden eingeholt und von Robert Schönheit im Sparkassenwagen in Empfang genommen. Dann ist die Auszählung komplett: „Wir haben insgesamt 15.204,52 Euro eingenommen“, sagt Schönheit stolz und gibt das Ergebnis weiter. Zwar hat das Ergebnis die Spendenaktion im Jahr 2013 mit 18 819 Euro nicht übertreffen können, dennoch liegt die Summe über den in 2011 gesammelten 12.500 Euro.

Von den rund 15.200 Euro wurden allein 9304,52 Euro auf dem Katschhof eingenommen. Zusätzlich spendet Hubert Herpers, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, stellvertretend für jeden der 2400 Sparkassen-Mitarbeiter zwei Euro und erreicht somit eine stolze Summe von 4800 Euro zusätzliche Spendengelder. Gastronom Alwin Fiebus unterstützt die Aktion vor Ort mit weiteren 1100 Euro.

Die Big Band spielt ein furioses letztes Stück, das Publikum jubelt und Jessica Hugot freut sich mit der Sparkasse über den Spendenerfolg. Geregnet hat es bis zu diesem Zeitpunkt nicht, doch in der Ferne sind erste Blitze zu sehen. „Nun kann das Gewitter kommen“, sagt eine Zuschauerin lachend und verlässt mit ihren Freunden den Katschhof.

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