Aachen - Mitarbeiter unter Verdacht: Café Zuflucht durchsucht

Mitarbeiter unter Verdacht: Café Zuflucht durchsucht

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Café Zuflucht an der Wilhelmstraße öffnet donnerstags erst um 17 Uhr seine Pforten für die Flüchtlingsberatung. Am Donnerstag allerdings musste zwangsweise schon am Morgen aufgeschlossen werden. Doch da standen keine Flüchtlinge vor der Tür, sondern Beamte der Staatsanwaltschaft und der Bundespolizei. In der Hand hielten sie einen richterlichen Duchsuchungsbeschluss.

Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigener Aussage gegen zwei Mitarbeiter der seit 27 Jahren höchst engagierten Hilfseinrichtung. Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, es gehe um den Verdacht der gewerbsmäßigen illegalen Einschleusung von Flüchtlingen nach Deutschland. Das Ermittlungsverfahren richtet sich dabei gegen mehrere Verdächtige, so Schützeberg. Eine genaue Zahl nannte er nicht.

Neben den Räumen des Café Zuflucht wurden auch noch drei Privatwohnungen in Aachen durchsucht. Ob Beweismittel sichergestellt wurden, ließ Schützeberg am Donnerstag offen. Ebenso, ob es in dieser Sache richterliche Haftbefehle gibt. Schützeberg sagte am Nachmittag: „Es sitzt noch niemand in Untersuchungshaft.“ Der Staatsanwalt betonte, dass hier keinesfalls das geamte Café Zuflucht als Einrichtung unter Verdacht stehe.

In dem Ermittlungsverfahren soll es nach AZ-Informationen um die illegale Einschleusung von Personen aus Balkanländern gehen. Dem Vernehmen nach soll dem Ausländeramt der Städteregion eine außergewöhnliche Häufung von Flüchtlingen einer bestimmten Personengruppe in Aachen aufgefallen sein. Zu Details will die Staatsanwaltschaft, bei der das Verfahren in der Abteilung für organisierte Kriminalität geführt wird, derzeit nichts sagen.

Winfried Kranz, Leiter des Begegnungs- und Beratungszentrums, widersprach der Aussage, dass es sich um zwei Mitarbeiter des Cafés handele. Einer der beiden sei nie dort tätig gewesen und habe sich maximal als Begleiter betätigt. Zudem glaube er nicht, dass sich der Mitarbeiter etwas hat zuschulden kommen lassen . Im Gegenteil werde unerlaubt Eingereisten geraten, sich bei Behörden zu melden.

Stefan Kirschgens, Vorstandsmitglied des Trägervereins Refugio, erklärt: „Wir sind über die Durchsuchung ebenso überrascht, wie es die Öffentlichkeit vermutlich ist. Die wichtige Arbeit des Café Zuflucht für Geflüchtete in Aachen und der Städteregion darf dadurch keinen Schaden nehmen.“

Und: „Gerade zur Weihnachtszeit sollte die Arbeit des Café Zuflucht für die Geflüchteten der Region besonders gewürdigt werden und nicht durch ein Ermittlungsverfahren in Verruf geraten.“ Im Café Zuflucht wurden 2016 nicht weniger als 3000 Hilfesuchende beraten.

Der Tag hinterließ beim Team des Cafés dennoch Spuren: „Wir sind schockiert und fühlen uns wie gelähmt“, beschreibt Kranz die Gefühlslage. Und er fügt hinzu: „Für den Mitarbeiter lege ich die Hand ins Feuer.“

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